"Altglienicke4Ukraine" - Hilfenetzwerk für Geflüchtete Ein Erfahrungsbericht aus Treptow-Köpenick

Auf eine Anfrage von Pater Ryszard Krupa (ehemals City-Seelsorger in Berlin-Mitte) hin, ob wir eine geflüchtete ukrainische Familie mit Kindern und Großeltern im Spreewald mit Geld und Bekleidung unterstützen können, suchten wir über die Nachbarschafts-App Nebenan.de in unserer Gegend nach Bekleidung für diese Familie. Die Rückmeldungen waren überwältigend, zweimal brachten wir die gespendeten Sachen Richtung Calau und hatten dann immer noch einen großen Fundus an Bekleidung übrig.

Bei dieser Sammelaktion erfuhren wir, dass auch bei uns in Altglienicke bereits mehre Geflüchtete bei privaten Gastfamilien untergekommen sind. Da wir selbst keine Gäste aufnehmen konnten, überlegten wir, wie wir in einer anderen Weise am effektivsten helfen können. Dabei wuchs die Idee, einen Treffpunkt von Geflüchteten, ihren Gastgebern und weiteren Helfenden zu schaffen. Hier sollten Erfahrungen, Ideen und Hilfsmöglichkeiten ausgetauscht werden. Unser Pfarrer Leszek Bartuzi gab nicht nur sein Einverständnis zur regelmäßigen Nutzung des Gemeinderaumes in unserer Kirchengemeinde Maria Hilf, sondern bot uns auch jederzeit schnelle und unbürokratische Hilfe an.

Zum ersten Treffen der genannten Gruppen am 12. März 2022, der aufgrund von Corona trotz der frischen Temperaturen im Freien stattfand, kamen ca. 40 Personen mit Fragen und Hoffnungen aber auch mit ersten Erfahrungen und Angeboten. Bei diesem ersten Treffen ist uns bewusst geworden, dass nur mit einer digitalen Vernetzung der Gastgebenden, Geflüchteten, Helfenden eine effektive Hilfe möglich ist. Es wurde eine Untergruppe „Altglienicke4Ukraine“ ins Leben gerufen und installiert. Spontane Hilfsaktionen, Weiterleitung von Informationen, Links, Anfragen usw. können dadurch schnell und unkompliziert verbreitet werden.

Seither treffen wir uns jeden Samstag. Immer wieder kommen neue Teilnehmende dazu. Beim Kaffee und Kuchen werden Erfahrungen ausgetauscht, Geflüchtete und Gastgeber zusammengeführt, Wohnräume ausfindig gemacht, Bekleidung, Fahrräder angeboten, Begleitung und Hilfestellung bei Behördengängen, Antragstellungen, Arztbesuchen, Einkäufen usw. Durch großzügige Spenden aus der Nachbarschaft konnten wir auch mehrfach Geflüchtete mit Einkaufsgutscheinen finanziell unterstützen.

Zwei Mal in der Woche fand Deutschunterricht in den Pfarrräumen der Kirchengemeinden in Adlershof und Rudow statt. Hier bekamen wir auch viel Unterstützung durch die Gemeinden in Form von Unterrichtsmitteln, Heften, Schreibutensilien. Momentan wird der Unterricht umstrukturiert, da die meisten Lernenden zwar mittlerweile zur Schule gehen oder an der Volkshochschule an Integrationskursen teilnehmen aber auf unsere Kurse nicht verzichten wollen.

Mittlerweile sind die wöchentlichen Treffen fast zum Selbstläufer geworden und der Austausch zwischen Geflüchteten und Helfern läuft sehr gut. Besonders freut uns, dass es gelungen ist, die Geflüchteten miteinander vertraut zu machen. So gibt es bereits gemeinsame Behördengänge, Antragstellungen, Ausflüge (z. B. nach Potsdam) etc. Bei unseren Treffen kommt inzwischen auch der Spaßfaktor nicht zu kurz: Wir verteilen Spielzeug und Gesellschaftsspiele, machen Picknick,  spielen auf dem Pfarrgrundstück Tischtennis, Kinder machen Seifenblasen. Beim letzten Treffen überraschten uns die Ukrainerinnen mit einem Dankeschön mit selbstgekochten, traditionellen ukrainischen Speisen.

Eines der wichtigsten Themen, das uns derzeit große Sorgen bereitet, ist die Suche nach dauerhaftem Wohnraum für diejenigen, die nicht zeitnah in die Ukraine zurückwollen bzw. können und natürlich die Vermittlung von Jobs.  Hierzu erhoffen wir uns mehr Unterstützung durch staatliche und auch kirchliche Stellen.