Katholischer Kirchenraum für Teilhabe von Jugendlichen an wohnortnahen Kulturangeboten Kultursenator Joe Chialo besucht „Experimentierort Bei Wilhelm“ in Spandau

Fotos: Michael Kinnen

Als „neuen und extrem innovativen Ansatz“ hat der Berliner Kultursenator Joe Chialo (CDU) die gemeinsame Initiative der katholischen Kirchengemeinde in der Spandauer Wilhelmstadt und weiterer kommunaler und gesellschaftlicher Projektpartner gewürdigt. „Ich schätze die Idee sehr, Kirchenräume für die Kultur, insbesondere für junge Menschen und die Nachbarschaft, zu öffnen“, sagte Chialo am Montag (30. September) bei einem Besuch am „Experimentierort Bei Wilhelm“. Auf dem Gelände und in den Räumen der katholischen Kirche St. Wilhelm und des Gemeindesaals im Untergeschoss entsteht seit dem vergangenen Jahr ein Ort, der von der Nachbarschaft und von Initiativen für kulturelle Veranstaltungen, nachbarschaftliche Treffen und Hilfen sowie Angebote für Jugendliche genutzt wird. Dazu gehören etwa Tanz-Workshops, Live-Musik, Kiez-Kino oder ein Tauschmarkt. Entstanden ist dies aus einer Kooperation zwischen dem Erzbistum Berlin, der Stadtteilkoordination mit dem sozial-kulturellen Netzwerk casa e.V., der Jugendkulturinitiative Sasha Waltz & Guests sowie dem Programm Berlin Mondiale und weiterer Partner.

Auf dem Gelände der Kirche wird durch diese Zusammenarbeit von Kirche und Kultur die Teilhabe Jugendlicher an wohnortnahen Kulturangeboten gefördert. Chialo, der auch Senator für Gesellschaftlichen Zusammenhalt in Berlin ist, sicherte der gemeinsamen Initiative weiterhin Unterstützung zu.

Die Immobilien von St. Wilhelm gehen ab Januar von der Pfarrei in die Verwaltung des Erzbistums über, um diesen Experimentierort weiter inhaltlich auszubauen. Durch rückläufige Gottesdienstbesucherzahlen und finanziellen Fragen stand der Kirchenstandort St. Wilhelm zur Disposition. Aber, so erklärte Markus Weber, Leiter des Arbeitsbereiches Pfarreientwicklung im Erzbistum Berlin: „Der Ort, die Menschen, die sich hier engagieren, all das hat großes Potenzial – auch in der Zusammenarbeit mit der Politik und mit den vielen Initiativen rundherum.“ Solche Gelegenheiten müsse man als Kirchengemeinde ergreifen, sagte Weber. Die Alternative sei ansonsten, dass Kirche in den Sozialräumen an vielen Stellen nicht mehr vorkomme. Experimentierorte wie dieser können konstruktive Akzente setzen, die auch die Chancen neuer Perspektiven in den Blick nähmen.

David Hassenforder, der Pfarrer von St. Johannes der Täufer Spandau Südwest, zu der die Kirche St. Wilhelm gehört, begrüßt die Entwicklung, die bereits vor zwei Jahren mit einem ersten „runden Tisch“ zwischen engagierten Gemeindemitgliedern und dem Erzbistum begann. Denn mit der Übernahme der Kirche durch das Bistum und der neuen Nutzung sei es weiterhin möglich, als Kirche für die Menschen im Kiez präsent zu sein, auch wenn die klassische Kirchengemeinde ein Gebäude nicht mehr tragen könne. Mit dem Experimentierort und seinen Hilfs- und Veranstaltungsangeboten werde auch etwas gegen Altersarmut und Einsamkeit vieler Menschen getan, ebenso für Familien und Migranten. Mit seinen Immobilien könne das Erzbistum im wahrsten Sinn des Wortes „Räume“ der Begegnung und des Miteinanders bieten. „Das ist das große Pfund, das die Kirche hat.“