Man merkt Beate Schmidt die Begeisterung an. Die Vorsitzende des Pfarreirates Allerheiligen Potsdam-Land ist schon früh an diesem Vormittag vor Ort, begrüßt Gäste, schüttelt Hände und strahlt über das ganze Gesicht. Nebenan stehen schon Sektgläser bereit. An diesem Mittag wird der erste Spatenstich für das neue „Katholische Haus“ in Potsdam vollzogen. Die letzte Baulücke im historischen Holländischen Viertel in der Gutenbergstraße, gegenüber von Bassinplatz und in Sichtachse zur Pfarrkirche soll in wenigen Jahren geschlossen sein. Mit dem ersten Spatenstich starten nun nach der Planungsphase im Frühjahr die Bauarbeiten.
Beate Schmidt war im Projektausschuss und als Mitglied des Kirchenvorstandes an den Planungen beteiligt. „Ich freue mich, dass wir nun als Kirche hier sichtbar werden und niedrigschwellige Angebote für die Menschen in der Stadt und für die Gemeinde machen können“, sagt sie. Gekommen sind an diesem Wochentags-Morgen auch gut zwei Dutzend Mitglieder der Pfarrei, Propst Arnd Franke, Architekt Eric van Geisten, Planungsleiter Norbert John, der Potsdamer Baustadtrat Bernd Rubelt und manche Nachbarn.
Bau nach historischem Vorbild
Derzeit steht da noch ein Bauzaun vor dem im Vergleich zu den Nachbarhäusern verwilderten Gelände. „Hier baut die Katholische Pfarrei Allerheiligen Potsdam-Land ein neues Pfarrei- und Gemeindezentrum“, steht auf dem Plakat am Zaun mit einer Fotomontage, wie es da künftig aussehen soll. Und weiter können Passanten dort lesen: „Der Rohbau wird ab Frühjahr 2026 errichtet. Die Fertigstellung soll bis Anfang 2028 erfolgen. Die Baukosten werden vom Erzbistum Berlin und der Pfarrei getragen. Zusätzlich fördert uns das Bonifatiuswerk. Die Nutzflächen der Gebäude betragen 940 m2. Die Planung übernimmt das Potsdamer Architekturbüro van geisten.marfels architekten PartGmbB. Wir bauen nachhaltig, präventionsgerecht und barrierefrei.“ Und damit ist schon fast alles gesagt.
Aber nur fast. Denn hinter den knappen Informationen verbirgt sich noch viel mehr Leben: Das Grundstück wird mit einem nach historischem Vorbild wieder errichteten Holländischen Haus bebaut werden. Zusammen mit einem Seitenflügel und einem Quergebäude entsteht so das neue Gemeindezentrum. Versammlungsräume für die Gemeinde, für die Pfarrjugend, für Senioren, Büros, Wohnungen, ein Café und mehr sind in dem Ensemble geplant. Eine historische Treppe wird als so genanntes „Artefakt“ erhalten, denkmalgerecht saniert und an geeigneter Stelle im Vorderhaus wieder errichtet. Ein Durchgang durch das Vorderhaus soll in den begrünten Innenhof führen.
Gastfreundschaft und Nachhaltigkeit im Blick
Besonders wichtig ist den Planerinnen und Planern, dass im Vorderhaus ein von ehrenamtlichen Gemeindemitgliedern betriebenes Café und ein einladender Büro- und Aufenthaltsbereich zu finden sein werden. Auch damit soll der Wunsch umgesetzt werden, dass das Katholische Haus „ein Haus der Gastfreundschaft, des Dialogs und der Solidarität“ sein soll, wie Propst Arnd Franke betont. Er unterstreicht beim Spatenstich, dass es gerade in herausfordernden Zeiten ein besonderes Zeichen sei, zu investieren, zu bauen und neu zu gründen. „Dieses Haus wird ein Zeichen der Hoffnung sein. Kein lautes, aber ein dauerhaftes“, sagt er. „Eines, das sagt: Wir sind da - als Kirche mitten unter den Menschen. Wir hören zu, wir helfen, wir beten, wir bleiben. Und wir investieren in die Zukunft, weil wir an sie glauben.“
Vor gut 300 Jahren wurde die Pfarrei in Potsdam gegründet, vor 150 Jahren entstand am Bassinplatz die weithin sichtbare Kirche. Nun sei es Zeit, wieder zu investieren und für mindestens die kommenden 150 Jahre „nicht nur Erde zu bewegen, sondern Zukunft“, wie der Propst unterstreicht. Der alte Gemeindesaal war mit hohen Stufen für viele, die nicht gut zu Fuß sind, schwer erreichbar. Außerdem war er viel zu klein geworden, weil die Gemeinde - gegen den allgemeinen Trend - in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gewachsen ist. Seit der Wende habe sich die Mitgliederzahl mehr als verdreifacht. Das führt Beate Schmidt auch auf die lebendige Jugend- und Familienarbeit der Gemeinde zurück, auf die verschiedenen Gruppen, die sich in der Gemeinde engagieren und ihren Platz gefunden haben. Und darauf, dass die Gemeinde ein Ort sei, der „für Fromme, für Suchende und für Zweifelnde offen“ ist.
Das neue Gebäudeensemble mit den Räumen für die Gemeindesäle soll nachhaltig mit viel Holz gebaut werden und ist außerdem behindertengerecht und barrierefrei. Das freut auch die anwesenden Gemeindemitglieder. Manche sind mit ihrem Rollator gekommen. „In den alten Gemeindesaal kam ich mit dem Rollator und ohne Geländer an den Treppen nicht mehr rein“, berichtet eine Frau. Und ein anderer Senior ergänzt: „Ich gehöre seit 1939 zu dieser Pfarrei und habe schon viel miterlebt. Jetzt hoffe ich nur, dass wir die Einweihung noch erleben.“ Beate Schmidt kommt zu ihnen, herzt sie und sagt dann: „Wir sollten bei allen architektonischen und finanziellen Planungen nicht vergessen: Diese Generation betet auch für unser Projekt, damit es auch was wird!“ Und auch darauf stoßen sie in Potsdam an diesem Tag an.