Wie unterschiedlich ticken „Ossis“ und Wessis“ tatsächlich? Diese Frage beschäftigte Lehrer, Schüler und Gäste der Katholischen Theresienschule in der Diskussion mit Bestseller-Autor Steffen Mau gleichermaßen. Mau, Soziologe an der HU Berlin, führt mit seinem Sachbuch „Ungleich vereint - Warum der Osten anders bleibt“ derzeit die Bestseller-Listen an und gestaltete zusammen mit Schülerinnen und Schülern der Oberstufe einen thematischen Abend im „Forum-Theresienschule“.
Gleich zu Beginn des Abends wurde deutlich, dass das Publikum an der Theresienschule in Bezug auf die Ost-West-Problematik weniger gespalten war als der mediale Eindruck es vermuten lassen würde: Die allermeisten Gäste bezeichneten sich sowohl als Ost- als auch als Westdeutsche. Kein Wunder an einer 130 Jahre alten katholischen Schule, die als einzige Mädchenoberschule auch in der DDR zum staatlich anerkannten Abschluss führte.
Vorbereitet und moderiert wurde der Abend unter anderem von Schülerinnen und Schülern des Abiturjahrgangs, die sich zuvor ausgiebig mit Maus Werk befasst hatten und so auch weniger Informierten eine gute inhaltliche Grundlage für die anschließende Fragerunde schafften.
Schnell wurde deutlich, dass sich die gesellschaftlichen Unterschiede in alten und neuen Bundesländern nicht nur in der Verteilung von Tennisplätzen und Moscheen in Gesamtdeutschland zeigen, sondern im Vergleich zum „alten“ Westen - tiefergehende gesellschaftliche Ursachen haben: Fehlende Partizipationsmöglichkeiten im politischen Geschehen, Misstrauen gegenüber politischen Parteien und inzwischen vor allem ein ausgeprägter „Transformationsunmut“. Angst vor immer neuen Veränderungen und die Sehnsucht nach Vertrautem präge maßgeblich das aktuelle Wählerverhalten in den neuen Bundesländern, so Steffen Mau.
Die anschließende lebhafte Diskussion machte zudem klar, dass die Frage nach politischer Teilhabe außerhalb der politischen Parteien insgesamt eine große Rolle spielt: Verbände, Gewerkschaften und Kirchen beispielsweise müssten deutlich mehr Mitwirkungsangebote machen. „Bürgerräte“ könnten vor allen bei regionalen Themen eine stärkere Bedeutung erhalten, gerade um auch jungen Menschen den Wert demokratischer Entscheidungen zu vermitteln.
„In einer sich verändernden Welt muss sich der Einzelne eben auch verändern“, fasste Mau zusammen. Allerdings ließ er keinen Zweifel daran, dass das gelingen werde - gerade mit so engagierten jungen Leuten wie den Moderatoren der Theresienschule.