Mokytis vieniems iš kitų ̶ Tikėti kartu ̶ Palaikyti vieni kitus
Voneinander lernen ̶ Miteinander glauben ̶ Füreinander einstehen
Eine Postkarte mit dem zweisprachigen Motto unserer wachsenden Bistumspartnerschaft sorgte für lebhafte Begeisterung bei unseren litauischen Gastgeber:innen. Anscheinend trafen die Wortwahl und unser Bemühen, einige litauische Worte zu verwenden, einen Nerv. Auf unserer Vilnius-Reise erlebten Bettina Schade (Familienpastoral), Christine Hoffmann (Diözesanratsausschuss Laudato si) und ich (Weltkirche/Bistumspartnerschaft) beispielhaft, was dieses Motto ganz konkret bedeuten kann. Bei zahlreichen Gesprächen wurde uns stets große Offenheit, zugewandtes Interesse und eine bewegend warmherzige Gastfreundschaft entgegengebracht. Liebenswürdig begleitet wurden wir in den Tagen durch Pfarrer Jurgis Vitkovsi, der sich neben seiner Aufgabe als leitender Pfarrer einer Großpfarrei mit hoher persönlicher Motivation für den Aufbau der Bistumspartnerschaft zwischen den beiden Diözesen einsetzt.
Wunsch nach Vertiefung
Unser erster voller Tag vor Ort war geprägt durch zahlreiche Begegnungen mit Verantwortlichen in der Erzdiözese Vilnius: Mit Weihbischof und Generalvikar Arūnas Poniškaitis entwickelte sich ein angeregter Austausch über verschiedene pastorale Themen und mögliche Anknüpfungspunkte im Rahmen der Partnerschaft. Es folgte ein Gespräch mit Vize-Kanzlerin Agnė Markauskaitė, zuständig unter anderem für die Koordination des Synodalen Prozesses in der Erzdiözese Vilnius. Dort wurde der Wunsch deutlich, den Austausch über das Verständnis von Synodalität, über Unterschiede und Gemeinsamkeiten fortzusetzen und zu vertiefen. Beim gemeinsamen Mittagessen litauischer Spezialitäten mit Pfarrer Jurgis, Agnė Markauskaitė sowie Lina Šapauskienė vom Pilgerzentrum Vilnius erhielten wir nähere Informationen zu Pilgerzielen in Vilnius und konnten einige Aspekte zur Planung der Partnerschaftswallfahrt 2028 ansprechen. Sowohl Lina Šapauskienė vom Pilgerzentrum als auch Agnė Markauskaitė aus dem Ordinariat sagten hierfür ihre Unterstützung zu, so dass wir optimistisch auf die Zusammenarbeit in diesem Anliegen blicken. Am Nachmittag wurden wir durch das gesamte Team des Familienpastoralzentrums sehr herzlich willkommen geheißen. Insbesondere Bettina Schade konnte hier in ihrem Fachgebiet zu familienpastoralen Themen in Austausch gehen.
Den Abschluss des ereignisreichen Tages bildete eine Exkursion nach Trakai, knapp 30 km westlich der Hauptstadt. In einer idyllischen Seenlandschaft gelegen, imponierte uns die majestätische Wasserburg. In der Basilika von Trakai erläuterte uns der örtliche Pfarrer die Historie des ältesten gekrönten Muttergottesbildes, das Trakai zu einem beliebten Pilgerziel für Gläubige aus dem ganzen Land macht (www.trakai-visit.lt/de/die-basiliumkirche-der-erscheinung-der-heiligen-jungfrau-maria).
Kreative Nutzungsideen für Kirchengebäude
Der Vormittag des nächsten Tags war der Hochschul- und Jugendpastoral gewidmet. Sr. Adėle begrüßte uns im Jugendpastoralzentrum mit ausgelassener Fröhlichkeit und Matas Macevičius und sein Hochschulpastoralteam erläuterten uns ihre Ansätze in der Seelsorge für Studierende. Anschließend führten sie uns durch ein außergewöhnliches Kirchengebäude: Die Ramintojos-Kirche wurde während der sowjetischen Besatzungszeit zur Obst- und Gemüsefabrik umfunktioniert, die Innenausstattung zerstört und drei Etagen eingezogen. Eine kreative Nutzung haucht dem Gebäude im Shabby-Chic heute neues Leben ein: Ins Untergeschoss ist ein Inklusionsrestaurant eingezogen, während in der mittleren Etage Gruppenräume für Glaubenskurse und andere Veranstaltungen genutzt werden. Im Dachgeschoss direkt unter dem Deckengewölbe ist ein Gottesdienstraum mit ganz besonderer Atmosphäre entstanden. Unsere Kenntnisse über die sowjetische Besetzungszeit vertieften wir anschließend im sehenswerten, aber auch bedrückenden KGB-Museum.
Musik verbindet!
Den Himmelfahrtstag – in Litauen allerdings erst am folgenden Sonntag nachgefeiert – verbrachten wir größtenteils gemeinsam mit dem Herz-Jesu-Chor der Pfarrei Bernhard Lichtenberg, der am Mittwochabend in Vilnius eingetroffen war. Bei einer Stadtführung konnten die ca. 50 Teilnehmenden der Chor- und Begegnungsreise die Altstadt von Vilnius entdecken. Der abschließende Nachmittag und Abend in der Pfarrei von Pfarrer Jurgis bildete das bewegende Finale unserer Reise. Die in der Neustadt gelegene Kalvarijos-Pfarrei mit rund 80.000 Gläubigen nutzt Kirche, Räumlichkeiten und das weitläufige Außengelände eines ehemaligen Dominikanerklosters, das berühmt ist für seinen Kreuzweg mit 35 Stationen (https://www.govilnius.lt/besuchen-sie-vilnius/orte/kalvarienkreuzweg). In der lebendigen Gemeinde waren bei unserer Ankunft bereits zahlreiche Engagierte zu verschiedenen Anlässen im Einsatz, viele auch zur Vorbereitung des Begegnungsabends. Die Heilige Messe, musikalisch mitgestaltet durch den Gastchor aus Berlin, wurde zu diesem Anlass dreisprachig gefeiert: auf Litauisch, Polnisch und Deutsch. Die Souveränität unserer Gastgeber*innen gleich in mehreren Sprachen beeindruckte uns und der ganz selbstverständlich anmutende Wechsel zwischen den Sprachen im Gottesdienst war für uns ein sprechendes Zeichen der Verbundenheit. Anschließend gestalteten ein Chor der gastgebenden Pfarrei unter Leitung von Dovile Savickaite und der Herz-Jesu-Chor unter Leitung von Karolina Juodelyte gemeinsam ein Konzert mit Werken auf Latein, Litauisch und Deutsch. Hier entfaltete die verbindende und berührende Sprache der Musik ihre Kraft. Im Anschluss lud die Gemeinde zu selbstgekochtem Abendessen im Freien ein, das Gelegenheit bot, miteinander ins Gespräch zu kommen. Für Feierstimmung sorgte der gemeinsame litauische Volkstanz zu Live-Musik. Zum Abschied wurde noch einmal gesungen: ein litauisches Volkslied, der Kanon „Abendstille überall“ und „Dona nobis pacem“.
Während der Herz-Jesu-Chor am verlängerten Wochenende weiter Stadt und Umgebung erkundete und in der Kathedrale sang, trat unsere kleine Delegation den Rückweg an. Wir kehren zurück mit lebendigen Eindrücken von herzlichen Begegnungen, spannenden Erkundungen und mit Vorfreude auf das, was sich im Rahmen der Bistumspartnerschaft in den nächsten Jahren entwickeln wird.