Aufklärung tut NotSexualpädagogische Projekttage als Angebot des Erzbischöflichen Amts für Jugendseelsorge

Über Sexualität reden muss nicht peinlich sein. Fiona, Luca und Lilli bleiben dabei ganz entspannt.

Dass Sexualität bei Katholiken kein Thema sei, ist ein Vorurteil: Das Berliner Erzbischöfliche Amt für Jugendseelsorge hat sogar ein eigenes Referat Sexualpädagogik. Und das veranstaltet Projekttage für achte Klassen an staatlichen wie kirchlichen Schulen.

„Man sollte mit 14 unbedingt schon einen Freund gehabt haben!“, sagt Bianca Stanulla. Die Achtklässlerinnen sagen nichts dazu – stattdessen
gehen sie alle an ein Ende des Raumes. Auf dem Boden klebt dort ein großes Minus aus Klebeband.

Auf neutralem Gebiet und hoch konzentriert

Bianca Stanulla leitet für das Erzbischöfliche Amt für Jugendseelsorge (EAJ) die Gruppe der Mädchen im  Rahmen der Sexualpädagogischen Projekttage an der Katholischen Schule Salvator. Für die Projekttage haben sich die Achtklässler für zwei Tage von ihrem Klassenraum getrennt und sind in den Gemeinderäumen von Maria Gnaden in Berlin-Hermsdorf quasi auf neutralem Gebiet, jedenfalls aber ohne störende Pausenklingel und andere Ablenkungen des normalen Schulbetriebs. Und so sind die Mädchen tatsächlich hoch konzentriert bei der Sache als Bianca Stanulla die 13- und 14-Jährigen fragt, warum sie sich zum „Minus“ gestellt haben: „Wenn man jemanden findet, ist das okay, muss aber nicht sein“, sagt eine auf die Frage nach dem Freund mit 14. Dann kommt eine neue These. Stanulla sagt hinterher: „Ich mag diese Aufstellungsübung, weil man sieht: Es gibt unterschiedliche Meinungen, und das ist auch okay.“ Aber oft sehe man auch, dass man mit der eigenen Meinung gar nicht allein steht. Die Aufstellungsübung ist nur eine von vielen, die die Jungs und Mädchen an den zwei Tagen getrennt nach Geschlechtern mitmachen. Sie beschäftigen sich mit der Gefühlswelt genauso wie mit den biologischen Grundlagen und Funktionen. Im Hinblick auf das Alter der Mädchen sagt Stanulla: „Es ist schon an der Zeit, das jetzt zu machen.“ Befragt nach ihrer Haltung zum Baden-Württemberger Bildungsplan sagt die Studentin der Sozialen Arbeit: „Ich finde, mit zehn wäre zum Beispiel zu früh.“ Man müsse das Thema auf jeden Fall an die Altersgruppe anpassen: „Bei Grundschülern würde ich Sex nicht so stark thematisieren.“

Im katholischen Kontext über Sexualität reden

„Wir haben verschiedene Ziele“, erklärt Nelli Böhm vom EAJ die Projekttage. Auf jeden Fall sei es wichtig, dass die Jugendlichen im katholischen Kontext Erwachsene erleben, die über Sexualität reden. Darüber hinaus tue Aufklärungsarbeit Not: „Oft kommt die in den Schulen zu kurz.“ In Maria Gnaden sind die Mädchen jetzt bei der Übung „Wörtersee“ angekommen. Auf drei großen Blättern steht „Frau“, „Mann“, „Geschlechtsverkehr“. Die Mädchen sollen dazuschreiben, was sie mit den Wörtern verbinden, erklärt Stanulla. Sofort verteilen sich die Schülerinnen und schreiben eifrig los. Nur bei der Gruppe „Frau“ dauert es ein paar Minuten, bis eine schreibt: „Schwangerschaft“.

Weitere Infos und Kontakt: <link jugend>www.erzbistumberlin.de/jugend/sexualpaedagogik