„Berlin ist manchmal einfach zu weit weg“Gläubige aus Vorpommern pilgern zur Heiligen Pforte nach Swinemünde

„Tor der Barmherzigkeit“: Ein Rundbogen im Innern der Kirche Chrystusa Króla in Swinemünde bildet die Heilige Pforte. Foto: Anja Goritzka

Swinemünde. „Unglaublich, dass die unscheinbarste Stelle die Heilige Pforte ist“, meinte ein Pilger aus Vorpommern in der Kirche Chrystusa Króla (Christkönig) von Swinemünde. 30 Männer und Frauen sind hergekommen, um die Heilige Pforte zu durchschreiten.

„Es ist eine Gnade, diesen Weg zu gehen“, meinte die Pilgerin Gabrielle Zirzow und Kathleen Splieth fügte hinzu: „Es ist schön, hier im Nordosten ein klein wenig Weltkirche zu spüren.“ Weltkirche auf vielfältige Weise: Zum einen haben sich die Pilger ins Nachbarland aufgemacht, zum anderen haben sie zum Jahr der Barmherzigkeit gemeinsam den Weg beschritten, den viele Gläubige gehen, um beim Durchgang durch eine Heilige Pforte einen Ablass zu erhalten.

Gute Anfänge kommen aus der Stille

„So ein Weg ist nicht nur unsere eigene Glaubenssache. Wir sind immer hineingestellt und gehen von einem kleinen Raum ins Große“, ergänzt Schwester Theresia Kaschowitz aus Greifswald, wobei sie sich auch auf den Prozess „Wo Glauben Raum gewinnt“ bezieht, den die Gemeinden Greifswald, Anklam/Wolgast und Usedom im Norden des Erzbistums Berlin gemeinsam gehen wollen.

Davon sprach auch Pfarrer Armin Kögler in seiner Predigt während der heiligen Messe vor Ort: „Maria muss eine ständig Hörende gewesen sein, wie sonst hätte sie den Engel vernehmen können. Die guten Anfänge kommen aus der Stille. Wir sollten uns davor hüten, das Gesagte nur auf ‚die da oben‘ zu beziehen. Wir müssen auch und gerade im Prozess ‚Wo Glauben Raum gewinnt‘ das Wort Gottes in den Mittelpunkt stellen“, und weiter: „Welche Veränderungen könnte es bringen, wenn wir das Hören als Programm über den laufenden Prozess stellen?“

Kögler ist davon überzeugt, dass selbst zum Licht werden kann, wer sich Gott öffnet, und er wünscht sich gerade im Jahr der Barmherzigkeit: „Zeiten der Stille, des Lesens und des Hinhörens auf Gottes Wort.“ Das habe eine fundamentale Bedeutung, damit nicht Strukturen und Finanzen den Blick auf Gott trübten.

Um den von Papst Franziskus genehmigten Ablass im Jahr der Barmherzigkeit zu erlangen, gingen die rund 30 Pilger aus Vorpommern den Rosenkranz der Barmherzigkeit betend vom Swinemünder Bahnhof bis hin zur Kirche in Hafennähe. Anschließend gab es Gelegenheit zur Beichte, eine heilige Messe mit den beiden deutschen Pfarrern und Zeit zum Beten folgten. Den Abschluss bildete eine Andacht, bei der die Gläubigen bewusst durch die Heilige Pforte gingen. Diese befindet sich an einem Rundbogen innerhalb des Gotteshauses, unscheinbar und kaum wahrnehmbar, nur anhand des Motivbildes zum Jahr der Barmherzigkeit erkennbar.

Neuer pastoraler Raum pilgert gemeinsam

Dennoch hatten dieser Tag und das bewusste Durchschreiten der Pforte eine enorme Wirkung, die mitunter nicht in Worte zu fassen war. So wie bei Katja Heiden aus Wolgast, die mit ihrem zehnjährigen Sohn Philip dabei war: „Ich dachte vorher, es wäre schön, wenn du auch durch eine Heilige Pforte gehen könntest und Berlin ist manchmal einfach zu weit. Es war hier in Polen ein unvergessliches Erlebnis.“

Ein Erlebnis, das durch ein polnisches Gemeindemitglied aus Wolgast überhaupt möglich wurde: Zbigniew Stala stellte den Kontakt zur Kirche Christkönig her, nachdem während der Exerzitien im Alltag in der Karwoche 2016 die Idee einer Pilgerfahrt zu einer Heiligen Pforte aufkam. „Wir haben das dann bewusst in der Gruppe für den neuen pastoralen Raum Greifswald-Anklam/ Wolgast-Usedom aufgegriffen“, ergänzt Marion von Brechan.

Zbigniew Stala fungierte auch als Übersetzer im Gespräch mit dem Propst von Swinemünde, Bogusław Gurgul, nach der Abschlussandacht. Dieser fand es erstaunlich, dass Katholiken aus dem nahen Deutschland in seine Kirche pilgerten, um durch die Heilige Pforte zu gehen. Er hofft auf weitere Treffen und Austausch. Bewegend wurde es in Chrystusa Króla, als einige Pilger aus Wolgast, die einem deutsch-polnischen Glaubenskreis angehören, das polnische Lied Barka anstimmten.