Wer im Heiligen Jahr in einer der Pilgerkirchen Roms schwächelt, könnte dort auf die Malteser stoßen. In dieser Woche leisten Berliner Sanitäter Dienst.
Norbert Verse, Salvatorianerbruder aus Berlin, hat eine ungefähre Vorstellung, was ihn bei seinem Malteser- Einsatz in Rom erwartet: Seine sechs Kollegen und er werden es wohl vor allem mit Pilgern zu tun bekommen, die unter Erschöpfung und wundgelaufenen Füßen leiden, vermutet er. An welcher großen Wallfahrtskirche die Berliner Gruppe den Sanitätsdienst übernimmt, wusste er bis Redaktionsschluss noch nicht, aber, wo die Berliner untergebracht sind – in vom Malteserorden angemieteten Privatwohnungen unweit des Petersdoms.
Der Ordensmann, der im Hauptberuf für das Erzbistum Berlin die Notfallseelsorge koordiniert, kennt Sanitätseinsätze bei großen Konzerten, Fußballspielen oder Veranstaltungen wie dem Christopher Street Day. Er war auch schon mehrfach als Sanitäter auf Wallfahrt: in Lourdes, Medjugorje und – so ist es auch für Ende September wieder geplant – bei der alle drei Jahre stattfindenden Behindertenwallfahrt in Rom. „Bei einer Wallfahrt läuft alles gemächlicher als etwa beim Christopher Street Day“, sagt Norbert Verse, „Publikum und Sanitäter sind ganz anders eingestimmt.“
Da sich die Dienste in Rom jeweils nur über den halben Tag erstrecken, bleibt Zeit für die Helfer, die Stadt selbst als Pilger zu entdecken: die Stätten des Heiligen Jahres und wahrscheinlich auch die Villa Malta, den „Regierungssitz“ des Malteserordens. Zu dem Rom-Einsatz im Heiligen Jahr hätten sich auch Malteser gemeldet, die zu keiner Kirche gehören, aber die Gemeinschaft schätzen, erläutert der Salvatorianer. Wer im Malteser-Hilfsdienst mitarbeite, der kenne den christlichen Hintergrund und erlebe, dass viele Großeinsätze und jede neue Aufgabe mit einem Segen starte. „Alle wissen das, viele nutzen es“, schätzt Bruder Norbert ein.
Auch für den Aufbruch nach Rom am 18. Januar hat die Berliner Gruppe eine Andacht mit Reisesegen geplant, in der Kapelle des Flughafens BER. Einige hatten drei Wochen zuvor bereits an der Berliner Eröffnungsfeier zum Heiligen Jahr in der Sankt Hedwigs-Kathedrale teilgenommen und dort den Pilgersegen des Erzbischofs empfangen. „Den Pilgerausweis von dort will ich mir auch in Rom abstempeln lassen“, kündigte Norbert Verse an. „Es ist etwas ganz Besonders, jetzt dort Dienst zu tun“, freute er sich vor der Abreise. Das sei schon äußerlich zu sehen. Die üblichen orangefarbenen Leuchtstreifen fehlen an der Einsatzkleidung in Rom. Die ersten deutschen Malteser- Gruppen, die ihren Einsatz schon hinter sich haben, berichteten, dass jeder Sanitäter mit einer Malteser-Jubiläumskrawatte zum heiligen Jahr beschenkt wurde, jede Dame mit einem Halstuch.