Es ist eine Bewegung, die durch ganz Deutschland und um die Welt geht: Häuser einzurichten, in denen gebetet wird. Von Christen, egal welcher Couleur. Und wenn es geht: Rund um die Uhr. Jetzt gibt es neue Initiativen in Brandenburg an der Havel und Potsdam.
„Ich habe den Eindruck, das ist eines der lebendigsten Geschenke, die Gott der Kirche zurzeit schenkt.“ Pfarrer Matthias Patzelt sprüht vor Begeisterung, wenn er von der Gebetshausbewegung erzählt. Dabei kommt sie aus der „charismatischen Ecke“, und Patzelt ist nach eigenem Bekunden eigentlich „gar kein Charismatiker“. Der Pfarrer der Gemeinde Heilige Dreifaltigkeit in Brandenburg steckt viel Zeit und Herzblut in sein neues Projekt: ein Gebetshaus für die Stadt. Die Organisationsgruppe traf sich erstmals vor wenigen Wochen. Nun ist am 11. Juli bereits die erste Gebetszeit angesetzt. Dann soll es erst einmal im Wochenrhythmus weitergehen.
Gott loben und in der Stille seine Stimme hören
Ziel der ökumenischen Gruppe ist es, langfristig einen Ort in einem normalen Haus einzurichten, an dem rund um die Uhr gebetet wird. „Dort soll Gott gelobt werden und Gelegenheit sein, seine Stimme in der Stille zu hören. Ebenso sollen die Anliegen der Menschen in Stadt und Region vor den Herrn gebracht werden“, erklärt Patzelt: Fürbitte sei ein wichtiger Teil des Konzepts. In den Gruppen, die weitere Gebetszeiten übernehmen, sollen verschiedene Konfessionen, Gebetsformen, aber auch Altersgruppen ihren Platz finden.
Die Gebetshäuser, erklärt Pfarrer Patzelt, stehen in einer langen Tradition: „Die Geschichte des 24-Stunden-Gebets beginnt mit dem beständigen Dienst vor Gottes Angesicht im Zelt Davids und im Tempel von Jerusalem. In den geistlichen Traditionen finden sich in Ost- und Westkirche verschiedene Formen für immerwährendes Lob Gottes.“ 1592 habe dann Papst Paul III. zu vierzigstündiger Anbetung gerufen und für ein ununterbrochenes Gebet in der Stadt Rom gesorgt, ähnlich wie es in Berlin in der St.-Clemens-Kirche stattfinde. Im 20. Jahrhundert beginnt in den Pfingstkirchen und mit der Charismatischen Erneuerung eine weltweite von Lobpreis geprägte junge Gebetsbewegung. In den 90er Jahren entstehen Bewegungen im katholischen, anglikanischen und freikirchlichen Raum.
In Deutschland besonders bekannt ist das Gebetshaus Augsburg, das Fortbildungen zur Gründung neuer Gebetshäuser anbietet. Dort fuhr Patzelt hin und war überrascht über den großen Zulauf: 250 Teilnehmer habe das Seminar gehabt. 70 Gruppen in Deutschland seien derzeit dabei, Gebetshäuser zu gründen. Unter den Teilnehmern war auch Birgit Wahren aus Potsdam, mit der Patzelt sich zunächst zusammentat, um ein gemeinsames Gebetshaus zu gründen. Von dem Plan ließen sie aber wieder ab, „weil die Entfernung doch zu groß ist“, so Patzelt. „Niemand fährt von Brandenburg nach Potsdam, um dort eine halbe Stunde zu beten.“
„Es fehlt noch die eine oder andere Kompetenz“
Also strebten sie doch zwei Gebetshäuser an. Das Potsdamer komme jetzt in die entscheidende Planungsphase, erklärt Birgit Wahren: „Es gibt eine Gruppe, die sich monatlich zur Vorbereitung trifft.“ Vertreten sei alles „von Menschen, die die lateinische Messe lieben, bis zu evangelischen Freikirchen pfingstlichen Charakters.“ Dennoch hoffe man für die erste öffentliche Veranstaltung am 10. Juli (siehe Kasten) auf weitere Mitstreiter: „Es fehlt noch die eine oder andere Kompetenz“, so Wahren.
Auch in Berlin gibt es seit fünf Jahren ein Gebetshaus. Es sei mittlerweile 50 bis 60 Stunden pro Woche geöffnet, erzählt Mitbegründerin Elisabeth Lohse. Drei Personen in Vollzeit und vier in Teilzeit bieten dort Gebetszeiten an, die zum Teil von Livemusik, zum Teil von Übertragungen aus dem Gebetshaus in Kansas City/USA geprägt sind. Etwa 30 Personen kämen regelmäßig. „Wir haben viel darum gebetet, dass vor allem in Ostdeutschland weitere Gebetshäuser entstehen“, sagt Lohse und freut sich darüber, dass es nun eins in Brandenburg gibt. Den Initatoren um Pfarrer Matthias Patzelt wünscht sie für den Beginn, „dass sie nicht die Leidenschaft verlieren und im Kopf behalten, dass es darum geht, Gott die Ehre zu geben – nicht zu wachsen.“