Brot und Wein mit allen teilen

Keine Messe, kein Abendmahl, sondern Tischgespräch bei Brot und Wein: Die Agape-Feier. | Foto: „Stiftung Haus“ der action 365

Gemeinsam Mahl halten wie in der Urkirche: Das wollen die Mitglieder der action 365 mit ihren Agape-Feiern. Diese Form der Laien-Liturgie könne auch durch die bevorstehende Zeit des Priestermangels helfen.

Agape-Feiern sind für die priesterlose Zeit, die sich andeutet, eine gute Möglichkeit. Das findet Klaus-Peter Heyduck aus Berlin- Mariendorf, der vor über 25 Jahren die action 365 mit nach Berlin holte – und die Feiern seit dieser Zeit auch mitträgt. „Es handelt sich dabei um eine eigenständige liturgische Feier aus dem Urchristentum“, erklärt er. Sie sei weder Abendmahl noch Eucharistie und wolle auch keine dieser Feiern verdrängen.

Gemeinsam feiern trotz der Differenzen

„Es muss doch eine Möglichkeit geben, trotz der Differenzen in Glaubensfragen gemeinsam zum Erinnerungsmahl an Jesus einzuladen“, war ein Gedanke, der am Anfang der Agape-Feiern stand. Die action 365, begründet in den 50er Jahren durch den Straßenprediger und Pater Johannes Leppich, hat sich zur Aufgabe gemacht, aus der täglichen Schriftlesung heraus aktiv den Geist des Evangeliums zu leben.

Die Heilige Schrift ist auch bei den Agape-Feiern zentral: Das Tischgespräch beim Mahl von Brot und Wein dreht sich regelmäßig um die zuvor gehörte Bibelstelle. „Jeder kann sich da mit seinen Gedanken einbringen, ohne dass diskutiert oder zurechtgewiesen wird“, erklärt Klaus-Peter Heyduck, was ihn auch nach einem Vierteljahrhundert noch motiviert, dreimal jährlich sein Wohnzimmer zur Verfügung zu stellen. Dazu kämen jeweils 15 bis 20 Teilnehmer, erzählt er, „und im Sommer, wenn wir die Agape im Garten als Sommerfest feiern, kommen dann deutlich mehr“.

Ein besonderes Erlebnis war es für Heyduck, als er im vergangenen Jahr zum Evangelischen Kirchentag ein „Feierabendmahl“ als Agape gestaltete. 70 Teilnehmer hatten sich dazu im Gemeindezentrum der evangelischen Nachbargemeinde Alt-Mariendorf eingefunden, darunter etliche Gäste des Kirchentags. „Ich habe vor der Feier noch einmal erklärt, was die Agapefeier ist“, erinnert er sich. „Aber die evangelischen Christen haben es nur schwer verstanden, weil es für sie dabei kein Problem gibt“, legt er einen Finger in die Wunde der fehlenden Eucharistie-Gemeinschaft.

Gerade deshalb sei es aber wichtig, immer wieder zu betonen, dass es sich nicht um einen Gottesdienst mit einem ordinierten Vorsteher handelt. „Es geschieht keine ‚Verwandlung‘ von Brot und Wein – auch wenn Brot und Wein bei dieser Feier eine wichtige, zentrale Rolle spielen“, heißt es in einer Handreichung zu dieser „ökumenischen Laien- Liturgie“.

„Sättigungsmahl mit religiöser Komponente“

Vielmehr knüpfe sie an die Tradition der ersten Christen an, in ihren Privathäusern ein „Sättigungsmahl mit religiöser Komponente“ zu feiern, bei der sie der Person Jesu als Meister und Erlöser gedachten. Eine fest vorgeschriebene Form gibt es dabei nicht: „Das ist das Schöne daran, dass es frei zu gestalten ist“, findet Heyduck. Wichtige Elemente sind das Ankommen und Kennenlernen, die Schriftlesung, gemeinsame Gesänge und das Teilen von Brot und Wein sowie das Tischgepräch. „Ich ermutige alle, bei Festen in der Familie, Treffen von Gemeindegruppen oder in kleiner Runde eine Agape als liturgische Handlung zu feiern“, sagt Heyduck und bietet sich als Ratgeber an.

Kontakt: Klaus-Peter Heyduck, kp.heyduck@almado41.de, 01 72 / 79 91 95 0