Das Krokodil folgt der Biegung Misereor-Einführungsveranstaltung zur Fastenaktion 2017 inspiriert Ideen rund um das Hungertuch

Foto: Walter Plümpe

Berlin. „Die Welt ist voller guter Ideen. Lass sie wachsen!“ ist das Motto der diesjährigen Misereor-Fastenaktion. Sie wurde jetzt von Mitarbeitern der Hilfsorganisation im Bernhard-Lichtenberg-Haus vorgestellt.

„Ich mache mit bei der Initiative Solidarische Landwirtschaft, unterstütze einen Bauern vor Ort und erhalte dafür regelmäßig meinen Ernteanteil.“ Das war einer von vielen konkreten Vorsätzen, die Teilnehmer der Misereor-Einführungsveranstaltung mit nach Hause nahmen. Die Fastenaktion 2017 schaut auf Erfahrungen aus dem Partnerland Burkina Faso, nimmt aber auch die eigenen Möglichkeiten in den Blick.

Die Lebensgrundlage in Burkina Faso verbessern

In Kurzfilmen erfuhren die Teilnehmer, wie die Lebensgrundlagen in Burkina Faso mit originellen Methoden verbessert werden können: Hirten steigern mithilfe einer Mini-Molkerei ihre Vertriebsmöglichkeiten und produzieren nun auch haltbaren Joghurt. Kleinbauern heilen erkranktes Vieh mit selbst entwickelten Salben aus gesammelten Baumrinden und anderen lokalen Zutaten. Bauernfamilien testen eigene Rezepte für ökologische Pflanzenschutzmittel und Mineralien für Viehfutter. Begeistert von der Förderung
solcher einheimischer Initiativen war auch Klaus-Peter Heyduck vom Sachausschuss Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung und freute sich, „dass solche guten Ideen anerkannt und gefördert werden.“

Er riet zum Fleischverzicht und empfahl den mehrmaligen Gebrauch der Tagungs-Tasse. Beides wurde mit Beifall bedacht und gleich realisiert. Debora D‘Ambruoso von Misereor lenkte den Blick auf das
Werbeplakat, auf dem ein afrikanisches Mädchen ihre Sonnenbrille verkehrt herum trägt. Dieser Hingucker zeige, wie kleine Dinge die Menschen veränderten, sie gegen Mutlosigkeit und Ratlosigkeit aufbauten. Aus dem Beispielland Burkina Faso, wo der Klimawandel die Regenzeiten spürbar variieren lässt, stellte sie wirksame Klein-Initiativen vor. Zwei Projekte demonstrierten erfolgreich, wie wirtschaftlicher Erfolg und
Zukunft für alle durch Eigeninitiative möglich sind. Humorvoll und faktenreich erläuterte Henry Schürmann von Misereor den politischen Hintergrund der Fastenaktion. Vom selbst entwickelten Kräutertee für Hühner – dem Ergebnis von vier Jahren des Ausprobierens in Burkina Faso – schlug er den Bogen zu agrarpolitischen Entscheidungen der EU, bei denen „lange viel schief gelaufen ist“.

Ein Film vom Europamagazin erhellte den fatalen Einfluss der hoch subventionierten Milch-Überproduktion in Europa auf die Märkte in Afrika. „EU-Milch ist dort dreimal billiger als heimische Milch. Der freie Markt tickt nicht immer gerecht.“ Gier der Weltmarkt-Konzerne gefährde auch Misereor-Projekte. Immer wieder fiel der Blick der Teilnehmer auf afrikanische Sprichwörter und Weisheiten, die an den Wänden des Tagungsraumes angebracht waren: „Wenn der Fluss sich wendet, muss auch das Krokodil der Biegung folgen.“ „Was du auf dem Feld deines Lebens anbaust, ist wichtiger als die Größe des Feldes.“ „Derjenige, der in einem Haus wohnt, weiß besser, wo das Dach undicht ist.“ Nach der Mittagspause experimentierten Almut Schultheiß und Gabriele Jerye mit einem persönlichen Zugang zum Hungertuch. Im Gehen und Stehen, schweigend und im Austausch stellten die Teilnehmer das Bild des nigerianischen Künstlers nach. „Beim aufrechten Gang und im Anblick auf Augenhöhe empfinde ich so wie die beiden geschlechtsneutralen Menschen im Bild“, brachte es ein Teilnehmer auf den Punkt.

Das Morgen mit Ideen selbst gestalten

Nach einem 30-Minutenausschnitt zum Thema Landwirtschaft aus dem Film „Tomorrow“ wurden die Teilnehmer aufgefordert, selbst das Morgen mit Ideen zu gestalten. Ein bunter Bogen an praktischen Vorsätzen wurde von jedem notiert und vorgestellt (siehe Kasten). „Alles wirkliche Leben ist Begegnung“, zitierte Schürmann Martin Buber. Das wurde an faszinierenden und anregenden Beispielen und Ideen
spürbar. Nicht über Ressourcenverknappung theoretisieren, sondern durch eigenes Handeln zu einer Trendwende beitragen, am besten gleich morgen! Das war eines der handfesten Appelle dieses Seminars.

Eine Folgeveranstaltung gibt es
am 8. März, 18 Uhr, im Misereor-Büro auf der Chausseestraße 128/129, Berlin-Mitte.
Anmeldung: 030 / 44 35 19 81 4

Hintergund

Teilnehmerideen zum Nachmachen

„Obwohl ich in einem Einzelhaushalt lebe, bestelle ich mir morgen eine Öko-Kiste mit Produkten aus der ortsnahen Landwirtschaft.“ „Ich kaufe mal wieder beim Bio-Bauernhof ein – statt im Supermarkt.“ „Wieso kaufe ich Lamm aus Neuseeland, wenn unsere Schäfer ihr Fleisch nicht los werden?“ „Ich überlege, wie ich
Obstbäume im Garten anpflanze und ein Schild dazu aufstelle: Guten Appetit.“ „Ich plane, auf meinem Balkon Kräuter und Gemüse anzupflanzen, das ist auch optisch ansprechend.“ „Ich besuche endlich einmal die Malzfabrik und setze am Zaun im Frühjahr Beerensträucher ein.“ „Ich will im Internet Informationen zur Solidarischen Landwirtschaft aufrufen und in der Hausgemeinschaft Mitstreiter suchen.“ „Wir werden ab jetzt nur noch Biomilch trinken.“ „Am Saft-Tag im September lese ich mit anderen Äpfel und Birnen entlang der Straßen auf, die niemand mehr pflückt. Mit Mango-Püree aus den Philippinen stelle ich Mango-Saft her.“ „Bei<link http: www.mundraub.org> www.mundraub.org  erkundige ich mich, auf welchen Grundstücken man Obst sammeln darf.“