Den Kreis erweitern

Wo findet man auf dem Globus Altbuchhorst? Erzbischof Heiner Koch und ein junger Wallfahrtsteilnehmer machen sich zu Beginn des Gottesdienstes auf die Suche. Fotos: Dorothee Wanzek

Ein komplettes Wochenende verbrachten einige Brandenburger und Berliner Familien im Christian-Schreiber-Haus Altbuchhorst, um für etwa 450 Teilnehmer am 2. Juli die klassische Familienwallfahrt zu verschönern.

Viele Familien kommen bereits in der dritten oder gar vierten Generation nach Altbuchhorst, wenn dorthin im Sommer zur Familienwallfahrt eingeladen wird. Auch wenn der Kreis sich in den vergangenen Jahren dennoch zusehends verkleinert, nahmen sich die Wallfahrer das diesjährige Motto zu Herzen: „Zieht den Kreis nicht zu klein!“ Stärker als zuvor brachten sich Christen aus muttersprachliche Gemeinden des Erzbistums in die Wallfahrtsgestaltung ein.

Zu Gast waren auch einige Vertreter der Leitung des litauischen Bistums Vilnius, die bei einem mehrtägigen Deutschland-Besuch gerade die Möglichkeiten für eine Partnerschaft zwischen den beiden Hauptstadt-Bistümern prüfen wollten. „In Deutschland wissen Sie besonders gut, was es heißt, den Kreis zu erweitern und Mauern niederzureißen“, sagte Weihbischof Darius Trijonis in seiner Predigt. Gerade angesichts des Ukraine-Krieges seien die Europäer aufgerufen, ihren Kreis noch mehr zu erweitern, damit weitere Völker ihren Traum von Einheit und Freiheit leben könnten.

Brot des Lebens statt süßer Kuchen

Die eigenen Kreise zu erweitern, sei nicht leicht, auch für christliche Gemeinschaften nicht, räumte der Weihbischof ein. Es sei aber eine Notwendigkeit, die dem Wesen der Kirche entspreche. Kirche sei keine Gemeinschaft Gleichgesinnter, die sich gegenseitig mit ihrer Anwesenheit bezaubern. Der heilige Paulus habe sie als einen Ort für Juden wie Griechen bezeichnet. Der Altar, an den Jesus seine Kirche einlade, sei ein Tisch, der Generationen, Kulturen und Traditionen miteinander verbinde. Schmerzliche Momente seien dabei unvermeidbar, denn es gehe nicht darum, den süßen Kuchen zu brechen, sondern das Brot des Lebens. „Wir werden lernen müssen, uns manche unserer Gewohnheiten zu versagen“, sagte der Weihbischof. Christen müssten zudem nicht nur die heute Lebenden in ihre Kreise mit einbeziehen, sondern auch diejenigen, die in früherer Zeit gelebt haben und diejenigen, die nachfolgen.

Unter den frischen Eindrücken aus der Berliner Gedenkkirche Regina Maria Martyrum, die er am Tag zuvor besucht hatte, erinnerte er an die christlichen Martyrer. Oft sei es mit Herausforderungen verbunden, die Kreise der Kirche zu erweitern, manchmal sogar mit dem Martyrium.

Namentlich erinnerte er an Bernhard Lichtenberg, der einige Juden vor dem Tod bewahrt habe und damit vielen geholfen habe, die Nähe des barmherzigen Gottes zu entdecken. Christsein sei viel mehr als ein Abzeichen auf der Jacke. Christsein bedeute, die Liebe Jesu zu leben. Dazu gehöre, sich die Hände schmutzig zu machen, seinen Stolz aufzugeben und sein Kreuz aufzunehmen.

Zum Abschluss des Festgottesdienstes wurde die Sehnsucht nach weiten Kreisen sichtbar: die Mitfeiernden verknüpften die Bänder, die sie beim Ankommen erhalten hatten, zu einem Kreis, der sie alle miteinander verband.