Aus Angst und Unsicherheit fällt es vielen Menschen schwer, Kranken und Sterbenden am Lebensende nahe zu bleiben. „Letzte-Hilfe-Kurse“ der Franziskanerin Hannelore Huesmann vermitteln Fachwissen und machen Mut, dabei zu bleiben.
„Im Moment des Todes besteht kein Grund zur Eile. Tun Sie, was sich für Sie richtig anfühlt!“ Diesen Rat gab die Franziskanerin Maria Hannelore Huesmann kürzlich beim „Letzte-Hilfe-Kurs“ in der Heilig-Kreuz-Gemeinde Hohenschönhausen. Die Mitgründerin des Hospizdienstes Tauwerk teilte mit 20 Kursteilnehmern ihre Erfahrungen in der Begleitung Sterbender. Sie sprach über ihre Sicht auf das Sterben als Teil des Lebens und über praktische Fragen: Was ist sinnvoll, um für das eigene Sterben Vorsorge zu treffen, was hilft, Leiden zu lindern, wie lassen sich Abschiede gestalten? Schwester Hannelore empfahl, Sterbende so anzunehmen wie sie sind – egal, ob ihr Abschied mit Zorn oder Depression, Akzeptanz oder Auflehnung verbunden sei. Ihnen die eigenen Gedanken oder Antworten vorzugeben, helfe ebenso wenig wie oberflächliches Beschwichtigen.
Die Anwesenden ordneten Symptome wie Angst, Atemnot, Müdigkeit, Gefühle von Sinn- und Hoffnungslosigkeit den Bereichen Körper, Seele, Soziales oder Spiritualität zu. Dabei wurde deutlich: Kein Symptom betrifft nur einen Bereich. Es ist wichtig, Sterbende in ihrer gesamten Persönlichkeit wahrzunehmen. Hat „Erste Hilfe“ zum Ziel, Überleben zu sichern, so steht bei der „Letzten Hilfe“ im Vordergrund, Lebensqualität zu erhalten, erläuterte Hannelore Huesmann. Dazu trage die „Kette der Palliativversorgung“ bei, die mit dem Erkennen des Hilfebedarfs beginne und mit der ambulanten oder stationären spezialisierten Palliativversorgung ende.
Zu mehr Sicherheit im Umgang mit Sterbenden trug auch Huesmanns Antwort auf die Frage bei, wie man überhaupt erkennen könne, dass sich ein Mensch seinem Lebensende nähert. Bei manchen lasse das Interesse an ihren Mitmenschen nach, andere verzichten auf Essen und Trinken. Auch bestimmte Atemveränderungen könnten auftreten. Das Wissen um Hintergründe helfe, Veränderungen auszuhalten. Im Sterbeprozess schalte der Körper auf Sparflamme und durchblute vornehmlich die lebenswichtigen Organe. Auch spirituell vollziehe sich eine Wandlung. Fragen nach dem Sinn des Lebens rückten in den Vordergrund. Manche Gläubige lasse die Hoffnung, von einem liebenden Gott erwartet zu werden, das Leben leichter loslassen.
„Der sterbende Mensch gibt die Richtung und das Tempo vor“, lautet ein Credo von Hannelore Huesmann. Jeder sei einzigartig in seinem Sterben. Dabeisein zu dürfen, empfinde sie als Geschenk. Es sei auch für den Begleiter selbst gut, seine Ohren für Wünsche und verschlüsselte Botschaften zu öffnen, ein klärendes Gespräch oder eine Hand anzubieten. „Immer sollte man Sterbende respektvoll ansprechen, auch wenn keine Reaktion erfolgt“, lautete ein weiterer Rat der Ordensfrau. Sie spürten oft mehr als sie äußerten. Jeder sollte sich von einer sorgenden Gemeinschaft getragen wissen.