Die künftige Rolle der Kirche

Michael Müller (rechts), Berlins Regierender Bürgermeister lässt sich von Markus Penell, Architekt den Entwurf für die Siemensstadt 2.0 erklären. Auch die Kirchen sollen dieses Stadtviertel mitgestalten. Foto: picture alliance/Britta Pedersen

Das neue Berliner Institut für Religionspädagogik und Pastoral soll Wissenschaft mit religiöser Praxis verknüpfen. Unter anderem begleiten Institutsmitarbeiter die Weiterentwicklung der pastoralen Räume im Erzbistum.


Am Siemens-Standort Berlin-Spandau entwickeln Städteplaner mit dem Projekt Siemensstadt 2.0 gerade Ideen für ein neues Wohnviertel, das Arbeiten, Forschen und Wohnen miteinander in Einklang bringt. Bürger benachbarter Kieze können sich mit Vorschlägen und Hinweisen einbringen und auch die Kirchen sind angefragt, ihren Beitrag zu geben.

Ein Mitarbeiter für öffentliche Kommunikation lud die Katholische Hochschule für Sozialwesen (KHSB) zum Mitplanen ein – genauer gesagt: Mitarbeiter des vor einem Jahr gegründeten Instituts für Religionspädagogik und Pastoral sollen mit überlegen, wie Siemensstadt 2.0 ein lebenswerter Ort der kulturellen Vielfalt und des sozialen Friedens wird und was die Kirchen dazu beisteuern können. Hochschullehrer und Studierende entwickeln Konzepte nicht am grünen Tisch, betont Institutsleiter Professor Andreas Leinhäupl. Sie tun das eng verbunden mit dem pastoralen Raum Spandau-Nord/Falkensee und mit ökumenischen Mit-Denkern. Für erste Ergebnisse sei es aber noch viel zu früh, winkt Leinhäupl ab. Das Projekt für Siemensstadt sei auf zehn Jahre angelegt. Zurzeit arbeite eine Studentin an einer Bachelorarbeit zum Thema.

Verschiedene Perspektiven einbeziehen

In einem weiteren Projekt mit dem pastoralen Raum in der Prignitz geht es darum, die künftige Rolle der Kirche auf dem Land auszuloten. Auch hierfür ist Andreas Leinhäupls Team angefragt worden. Mitarbeiter des Instituts fahren in die Region und machen das religiöse Leben dort ausfindig. Über die für 2022 anberaumte Pfarreigründung hinaus werden die Christen der Region mit Hilfe des Instituts nach tragfähigen Ideen für eine gemeinsame Zukunft suchen und nach Strukturen, die dabei unterstützen.

Das Institut für Religionspädagogik und Pastoral ist vor einem Jahr an der KHSB gegründet worden. Ziel ist es, Forschung und kirchliche Praxis weiter miteinander zu vernetzen und Veränderungsprozesse in Kirche, Kindergarten und Schule zu begleiten. Neu ist für die KHSB weder die Beschäftigung mit Religionspädagogik noch der Praxisbezug der Forschungsarbeit. Das Institut soll verschiedene Perspektiven auf die behandelten Themen verknüpfen. Unter anderem geschieht das in Zusammenarbeit mit den Erzbischöflichen Ordinariaten in Hamburg und in Berlin, hier besonders mit der Abteilung Projekte und Prozesse. Andreas Leinhäupl kann dabei seine Erfahrung als Berater in großen kirchlichen Veränderungsprozessen einbringen, vor allem aus den Bistümern Osnabrück und Münster. Dass Erkenntnisse aus diesen traditionell katholisch geprägten Gebieten sich im Erzbistum Berlin nicht 1:1 umsetzen ließen, sei ihm natürlich bewusst. Nicht zuletzt gelte es hier, die regionale Vielfalt im Blick zu behalten. Eine wesentliche Einsicht setze sich aber allmählich in allen kirchlichen Regionen Deutschlands durch und gilt Leinhäupls Ansicht nach auch für Berlin, Brandenburg und Vorpommern: Eine Pastoral, die erwartet, dass die Menschen in die kirchlichen Räume kommen und die Seelsorger aufsuchen, habe keine Zukunft mehr. „Wir brauchen eine Geh-Hin-Pastoral!“