Die Unvollendete von Rathenow

Die Zelebranten mit Weihbischof Matthias Heinrich. Lob und Dank vieler Gemeindemitglieder ging an die Ministranten aus Rathenow und Premnitz für die würdige Gottesdienstgestaltung. | Fotos: Marina Dodt

Als die Rathenower Kirche am 3. September 1893 geweiht wurde, war sie nicht fertig. Auch beim 125-jährigen Jubiläum fehlen der Pfarrkirche von „St. Georg“ Rathenow und Premnitz noch immer Turm, Querschiff und Apsis.

Anno 1893 berichtete das Kreisblatt für das Westhavelland: „Die Einweihung der katholischen St.-Georgs-Kirche hat gestern Vormittag in Gegenwart der Zivilund militärischen Behörden unter starker Betheiligung der hiesigen katholischen Gemeinde und unter dankenswerther Mitwirkung des Gesangvereins St. Johannes aus Brandenburg, durch den Erzpriester Pfarrer Schomer stattgefunden. … In der Festpredigt schilderte der Herr Pfarrer die kirchliche Noth vor der Zeit, als vor nunmehr fast fünfzig Jahren den Katholiken die altehrwürdige St. Marien- Andreaskirche gastfreundlich für ihren Gottesdienst zur Verfügung gestellt wurde, und gab seiner und der Gemeinde Freude Ausdruck, dass es mit Gottes Hilfe endlich gelungen, in ein eigenes dem heiligen Georg geweihtes Gotteshaus einzuziehen.“

„Ohne euch wäre diese Region ärmer“

Fast auf den Tag genau 125 Jahre später, am vergangenen Sonntag, versammelten sich wiederum zahlreiche Gäste aus nah und fern, aus der Ökumene und der Kommune unter „starker Beteiligung der hiesigen katholischen Gemeinde“ zur 125-Jahrfeier von „St. Georg“ Rathenow. Den Festgottesdienst in Konzelebration ehemaliger und gegenwärtiger Priester der Gemeinde hielt Weihbischof Matthias Heinrich, und auch er gab in seiner Festpredigt der Freude Ausdruck. 125 Jahre seien geschichtlich gesehen eine kurze Zeit, aber für eine katholische Kirche im Erzbistum etwas Besonderes. Das Haus Gottes sei aus lebendigen Steinen gebaut, deshalb würden wir es am besten dadurch ehren und erhalten, dass wir lebendige Gemeinde bleiben. „Ohne euch wäre diese Region ärmer“, sprach der Bischof den Gläubigen seinen Dank aus, dass sie „durch ihr Tun und Leben Gottes Gegenwart in der Weite der Diaspora bezeugen“. Die Kirche war und ist nicht fertig, griff er die Begrüßungsworte von Pfarradministrator Matthias Patzelt auf, ermutigte dazu, weiter Bauhelfer Gottes zu sein. Ein Stück Begeisterung wurde dabei schon im Gottesdienst erlebbar. So stand die musikalische Gestaltung dem Gesangverein von 1893 sicher in keiner Weise nach, umrahmt durch den kleinen Rathenower Frauenchor, Organist Johannes Pechiny, Musikern aus dem benachbarten Steckelsdorf und der Pfarrgemeinde Tangermünde sowie dem kräftigen Gesang der Festgemeinde, mit „Ein Haus voll Glorie schauet“ und „Großer Gott, wir loben dich“ aus vollen Kehlen und Herzen.

Schirmherren und Wegbegleiter

Dass die beiden Konfessionen wie bisher „in Liebe und Freundschaft nebeneinander leben und jeder in seiner Weise mitarbeiten möge am Ausbau des Reiches Gottes“ – dieser „Herzenswunsch“ des Festpredigers von einst sollte sich ebenfalls erfüllen. So ließen die evangelischen Christen ihren eigenen Gottesdienst ausfallen, um das katholische Weihejubiläum mitfeiern zu können. Im Anschluss überreichte ihr Pfarrer Andreas Buchholz einen Schirm an Pfarrvikar Markus Hartung mit der Aufschrift: Seid allezeit fröhlich. Fröhlichkeit kam sogleich auf, als Ronald Seeger einen weiteren Schirm überreichte. Der Bürgermeister der Kreisstadt erweist sich seit vielen Jahren als ein guter Schirmherr und Wegbegleiter der Pfarrei, sicherte dies in seinem Grußwort auch künftig zu. Für viel Fröhlichkeit sorgte anschließend die Band „String- Tales“ aus Premnitz mit mitreißendem irischen Folk beim bunten Programm.

Besonderen Beifall gab es für die von Gemeindemitglied und Stadtarchivar Stefan Nitsche zusammengetragene Ausstellung und seine heitere Zeitreise durch die Kirchen- und Gemeindegeschichte der heute zirka 800 Mitglieder zählenden Pfarrei. Die letzten Kapitel erzählen von der Weihe des neuen Altares 2015, der 1993 neu erbauten Caritas-Kita und dem Caritas Contakt Café, den ökumenischen Sternsingern und der seit Januar 2018 neuesten Baustelle: Der Pastorale Raum Brandenburg- Rathenow-Bad Belzig wird Umbau und große Herausforderungen bringen. Doch das rundum gelungene Jubiläum hat es erneut gezeigt, die „Unvollendete“ von Rathenow verfügt über viele neue, lebendige Bausteine zu ihrer Vollendung in und durch Gott.