In der katholischen Kirche Herz Jesu in Garz auf Rügen sind jetzt Urnenbeisetzungen möglich. Pfarrer Andreas Sommer möchte damit auch ein Zeichen gegen anonyme Begräbniskultur setzen.
„Menschen brauchen Orte der Erinnerung und Trauer, sie müssen wissen, wo ihre Lieben sich befinden“, ist Pfarrer Andreas Sommer überzeugt. Ein Ort der Trauerbewältigung und der Begegnung mit den verstorbenen Angehörigen soll die Herz-Jesu-Kirche in Garz werden. Diese wurde am 15. Juni als Begräbniskirche neu eröffnet. 336 Plätze für Urnen stehen nun bereit. Die erste Beisetzung mit Requiem fand am 26. Juni statt. Die Rüganerin Gabriele Zschoch wollte unbedingt in ihrer Kirche beerdigt werden. Sie starb im Frühjahr 2018.
Trotz der Urnenfelder wird die Kirche auch weiterhin aktiv genutzt – zu den Messen zum Beispiel am Dienstag, an denen wöchentlich nur noch fünf bis sechs Gläubige teilnehmen. Aber auch Veranstaltungen des katholischen Hospizkreises aus Stralsund soll es zukünftig geben. Nach den Vorstellungen der rund 1700 Mitglieder starken Rügener Gemeinde soll ein Ort „für die Lebenden und die Toten“ entstehen. Seit 2011 haben sie zusammen mit dem damaligen Pfarrer auf Rügen, Arndt Franke, um eine intensivere Nutzung gekämpft. Stelen waren zunächst angedacht. Doch so wirklich wollte diese Umsetzung nicht in den Kirchenraum passen. Das Erzbistum schrieb einen Wettbewerb aus, fünf Künstler bewarben sich mit ihren Ideen. Eine Jury entschied sich für den Vorschlag von Evelyn Körber.
Urnenfelder vom Meer inspiriert
„Ich gehe sehr stark vom Raum aus und von der Gemeinde“, meint die 59-Jährige. Deshalb entschied sie sich, die nun fehlenden Bankreihen weiterzuführen. Auf jeder Seite des Mittelgangs stehen drei flache bankähnliche Felder aus hellem Beton, milchiges, strukturiertes Glas bedeckt jede Urnenstelle. Der Betrachter meint Wellen und Wassertropfen zu erkennen. „Unterschiedliche Spuren entstehen durch Lichteinfall. Das Meer hier auf der Insel hat mich bei der Umsetzung stark beeinflusst“, berichtet Körber weiter. Dennoch sind die Urnenplätze relativ gleich: Nebeneinander angeordnet, gleicher Abstand voneinander, im Inneren Sand. „Da kann man sich nicht mehr streiten. Das hat was Versöhnliches“, so die Künstlerin. Und die Begräbnisstätte ist nicht anonym, denn auf jeder Platte besteht die Möglichkeit, eine geschwungene Glasplatte anzubringen mit dem Namen und den Daten der Verstorbenen. „Das finde ich enorm wichtig. Ich erlebe es immer wieder in der Trauerarbeit, wenn Menschen auf der Ostsee beigesetzt werden wollen oder auf einem anonymen Urnenfeld, dass den Angehörigen dann doch der Ort zur Trauer fehlt“, berichtet Pfarrer Andreas Sommer.
Es sei aber klar, dass es in Herz Jesu nur christliche Beisetzungen geben wird. „Freie Redner sind hier nicht gestattet. Wenn sich jemand entscheidet, hier beigesetzt zu werden, muss ihm der christliche Charakter klar sein“, betont der Dekan für Vorpommern. Auf der anderen Seite könnten natürlich auch Atheisten hier beigesetzt werden: „Ich kann ein Ehepaar, bei denen der eine Christ ist und der Partner Atheist, ja im Tode nicht einfach trennen. Das wäre nicht fair“, erklärt Sommer weiter.
Einige Gemeindemitglieder, die zur Einweihung kamen, sahen den Punkt, dass keine Grabpflege erforderlich ist, als wichtig an. „Meine Kinder sind weit weg. Ihnen es aufzubürden, hier auf Rügen unser Grab zu pflegen, ist nicht schön. Ich kann mir die Kirche hier als letzte Ruhestätte gut vorstellen“, so eine Besucherin. Eine andere hat jedoch Bedenken: „Ich kann mich mit dem Verbrennen meines Körpers nicht wirklich anfreunden.“ Feuerbestattungen an sich sind in der katholischen Kirche nicht gerne gesehen. Die Erdbestattung hat für Katholiken Vorrang, weil sie an Tod und Begräbnis Jesu erinnert. 2016 hat der Vatikan mit der Instruktion „Ad resurgendum cum Christo“ (Zur Auferstehung mit Christus) aber für Klarheit in Bezug auf Urnenbeisetzungen gesorgt. So müsse die Asche an einem „heiligen Ort“ aufbewahrt werden, also auf Friedhöfen oder in Kirchen. Anonyme Bestattungen widersprächen zudem dem christlichen Glauben. In Herz Jesu in Garz ist eine Urnenaufbewahrung nun für 20 Jahre in einer Urnenkammer möglich.