Ein Ort zum DurchatmenTourismusseelsorgerin Regina Walter will Brücken bauen zwischen Urlaubern und Gemeinden

„Die Kirche ist geöffnet“: Regina Walter mit ihrem Mann Martin vor der Kirche Stella Maris in Binz.

Binz. „Ich möchte Brücken bauen zwischen den Gemeindemitgliedern vor Ort und den Touristen, die an die Ostseekommen“, meint Regina Walter. Seit Februar ist die 54-Jährige als Tourismusseelsorgerin für Rügen und den Fischland- Darß angestellt.

Die Vielfalt der Eindrücke in den ersten Monaten hier oben im Norden war für die ehemalige Schulseelsorgerin enorm: „Es ist erstaunlich, wie verschieden die Gottesdienststandorte sind und wie viele kleine Gemeinschaften es doch gibt. Es gibt in der Fläche viele Möglichkeiten seinen Glauben zu leben“, ist sie überzeugt. Allein auf Rügen gibt es vier Gottesdienststandorte, auf Fischland- Darß ist es eine Kirche. Hinzu kommen die Urlauber, die nicht nur in den Sommermonaten die größte Insel Deutschlands und die weiter westlich gelegene Halbinsel für sich entdecken. Hier möchte sie Ansprechpartnerin sein und auch Vermittlerin: „Gerade im Urlaub sind die Menschen ja ganz anders offen für den Glauben. Sie denken mehr nach. Da wollen wir ihnen einen Raum innerhalb der Gemeinden geben.“

Regionale Zusammenarbeit, auch außerhalb der Saison

Deshalb ist für Regina Walter das Konzept „offene Kirche“ Drehund Angelpunkt ihrer Arbeit. „Den Kirchenraum als Ort zum Durchatmen nutzen“, empfindet sie als sehr wichtig. Hierfür kann sie sich auch die besondere Nutzung des Pfarrhauses in Binz als Ort der Begegnung vorstellen: Eine Zusammenarbeit mit Literaten und Künstlern der Insel und der Region wäre denkbar. In der Zingster Kirche St. Michael, die direkt in der Fußgängerzone auf dem Weg zum Strand liegt, bieten sich hingegen andere Möglichkeiten, ist sie überzeugt: „Hier könnten wir den Ausspruch ‚Kommt und seht!‘ menschennah umsetzen, auch außerhalb der Saison.“ Darüber hinaus kann sie sich vorstellen, geistliche Impulse in der österlichen Bußzeit oder in der Adventszeit anzubieten. Rüstzeug dafür bringt Regina Walter mit: Nach ihrem Theologie- Studium in Paderborn war sie freiberuflich als Schulseelsorgerin tätig. Die letzten drei Jahre arbeitete sie als Seelsorgerin in einem Altenheim der Malteser in Duisburg und ihr Mann, den sie im Studium kennengelernt hatte, in der Altersseelsorge einer evangelischen Einrichtung. Von Duisburg an die Ostsee zu ziehen, war für beide ein intensiver Schritt. „Mit Mitte 50 fange ich nochmal was ganz Neues an. Wir beide lieben diese Region, haben lange Urlaub auf Usedom gemacht“, meint sie und Martin Walter ergänzt: „Zusammen zu arbeiten war immer ein Wunsch.Es geht ein Traum in Erfüllung.“

Vernetzung mit Gemeinde und Urlaubern

Martin Walter ist Diakon und unterstützt das Team des sich neu entwickelnden pastoralen Raumes Rügen-Stralsund-Demmin. In der Arbeit können sich die Eheleute ideal ergänzen: „Ich habe eine Brückenfunktion inne, wenn ich einmal im Monat meine Rügen- und ein anderes Mal meine –Darßtour mache, dann kann ich Interessierte auf die Urlauberseelsorge hinweisen und Kontakt herstellen“, meint der 56-Jährige. „Brückenbauer sein, das ist das, was wir hier möchten“, ergänzt seine Frau. Für sie ist die Vernetzung mit der Gemeinde, den Dienstleistern vor Ort und den Urlaubern ein wichtiges Anliegen: „Wenn erlebbar ist, dass Gäste ein Segen sind und wir für sie auch, dann ist das etwas Gutes.“

Angebot

Zingst/Binz (ag). „Urlaub für die Seele“ heißt es wieder in der Binzer Kirche Stella Maris und der Zingster Kirche St. Michael. Im dritten Jahr werden Touristen und Interessierte mit einer Installation in die Kirchen gelockt – dieses Jahr unter dem Motto „Das Spiel der Farben“. An verschiedenen Stationen können die Besucher dem „alltagsGrau“, „urlaubsBlau“ und „glaubensBunt“ nachspüren. Zusätzlich sind sowohl in Zingst als auch in Binz weitere Aktionen wie „zündende Geschichten am Lagerfeuer“ oder die „Kirche in Aktion“ geplant. Insbesondere bei den Angeboten von „Kirche in Aktion“ gehen die Beteiligten in Binz dieses Jahr direkt auf die Urlauber zu. So planen sie Aktionen in der Fußgängerzone, wie zum Beispiel „Yoga zum Durchatmen für alle“ oder „Worte des Lebens“. Bis zum 30. August verwandeln sich die beiden Kirchen in Vorpommern in bunte Oasen des Glaubens. Mittwochs sind sie jedoch geschlossen.