Ein Team bahnt den Weg

In Greifswald werden ehrenamtliche Paten für Flüchtlinge gesucht. Im Rahmen des Aufnahmeprojekts „NesTNeustart im Team“ sollen sie Menschen helfen, sich dauerhaft in Deutschland zu integrieren.

Vor zwei Jahren ist die Stadt Greifswald der Initiative „Sicherer Hafen“ beigetreten und hat damit seine Bereitschaft bekräftigt, Flüchtlinge aufzunehmen. Das Projekt „NesT-Neustart im Team“, das bei einer Online-Konferenz vorgestellt wurde, gibt Bürgern die Gelegenheit, die Integration von Menschen zu unterstützen, die ihre Heimatländer dauerhaft verlassen müssen. 5500 Menschen mit dauerhafter Bleibeperspektive will Deutschland 2020 aufnehmen, 400 davon sollen über das NesT-Projekt besondere Unterstützung erhalten.

Ehrenamtliche werden gründlich geschult


In kleinen Gruppen von mindestens fünf Ehrenamtlichen soll jeweils ein Flüchtling oder eine Familie mindestens ein Jahr lang begleitet werden. Die Paten suchen geeigneten Wohnraum und sichern für zwei Jahre die Kaltmiete finanziell ab, sie holen ihre Mündel aus der Erstaufnahmeeinrichtung in Friedland ab, begleiten sie bei Behördengängen oder bei der Schul- und Arbeitssuche. Mitarbeiter des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) wählen aus, wer in den Genuss dieser Förderung kommt. Eine Chance hat nur, wer auch in Deutschland als besonders gefährdet gilt und hier keine familiären Beziehungen hat. Die Mentoren erhalten eine vierstündige Schulung, die derzeit auch online stattfindet. Außerdem sind Aufbauschulungen möglich, beispielsweise zum Umgang mit Traumatisierung, Teamfindung oder „Nähe und Distanz“.

Von den 400 Plätzen werden deutschlandweit gerade einmal 26 genutzt, sagt Salome Gunsch von der Zivilgesellschaftlichen Kontaktstelle, die NesT koordiniert. Das liegt unter anderem daran, dass BAMF-Mitarbeiter derzeit nicht in die Erstaufnahme-Länder reisen können, in denen sie die Projektteilnehmer auswählen. Bisher waren dies Ägypten, Jordanien, Kenia, der Libanon und Niger.

Lasten auf viele Schultern verteilen

Bei der Vorstellung des Projektes in Greifswald äußerten sich die anwesenden Mitarbeiter der Caritas Vorpommern, der Integrationsbeauftragte der Stadt Greifswald, des Netzwerkes „Greifswald hilft“ und der Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft kritisch zu der Vorgabe, dass die Mentorengruppen Wohnraum zwei Jahre fi nanzieren müssen. Salome Gunsch erläuterte, dass es neben reinen Ehrenamtsgruppen auch Gruppen gebe, die bei der Finanzierung Unterstützung von kirchlichen Fonds oder anderen Trägern nutzten. Es komme darauf an, die Lasten auf viele Schultern zu verteilen. Die Teilnehmer der Online-Konferenz erklärten sich bereit, mögliche Mentorengruppen zu unterstützen.