Eine rare Spezies – Männer im sozialen Ehrenamt

Frank Pütz engagiert sich bei den Lazarusdiensten in Stralsund. Foto: Roland Steinfurth

80 Ehrenamtliche aller Generationen nahmen an einer Dank-Feier der Pfarrei St. Bernhard Stralsund-Rügen-Demmin teil. Unter ihnen war auch Frank Pütz, ein evangelischer Christ bei den katholischen Lazarusdiensten.

Männer sind in sozialen Ehrenämtern immer noch selten. Das gilt auch für die Lazarusdienste in Stralsund, die Menschen in schwierigen Lebenssituationen auf vielfältige Weise unterstützen. Frank Pütz findet es wichtig, dass Männer ihre Sichtweise und Herangehensweise auch als Helfer im zwischenmenschlichen Bereich mit einbringen. „Wir denken in vielen Situationen rationaler“, sagt er.

Dass er hier gerade als Mann gefragt sein könnte, war einer der Beweggründe, sich zu melden, als er 2019 in der Lokalzeitung von der bevorstehenden Gründung der Lazarusdienste in seiner Stadt las. Vor allem aber hat ihn die Not einsamer Menschen angerührt: „Kaum jemand möchte allein sein, wenn es ihm schlecht geht. Mir ist es wichtig, Menschen in ihrem Alleinsein, in ihrer Hilflosigkeit aufzufangen, egal ob sie religiös sind oder an was sie glauben“, sagt der 64-Jährige.

Allein in winzigem Raum

Ökumene liegt Frank Pütz schon lange am Herzen. Sich als evangelischer Christ in einem Hilfsangebot zu engagieren, das von der katholischen Pfarrgemeinde und der Caritas getragen wird, ist für den Familienvater mit vier Kindern deshalb ganz selbstverständlich. „Jesus hat uns mit seiner Selbstlosigkeit die Aufgabe gegeben, niemanden in Not alleine zu lassen. Das bedeutet für mich Kirche und christlich sein.“ Die Frage der Konfession ist ihm dafür nicht wichtig.

Für die Lazarusdienste übernimmt der gelernte Koch häufig Fahrten mit einem der Transporter. Wenn er auf seine bisherigen Einsätze zurückblickt, ist ihm einer besonders in Erinnerung geblieben: Er half einer bedürftigen Frau beim Umzug. Um nicht mehr allein zu sein, wollte sie fortan bei einer Bekannten leben. Ihre Lebensverhältnisse zu sehen, hat ihn berührt: „Sie lebte in nur einem kleinen Raum, ohne Kühlschrank, nur mit einem Bett und vier Katzen.“

Motivierender Dank

Über das Ehrenamts-Dankeschön der Pfarrei hat sich Frank Pütz, der vor fast 30 Jahren aus Witten am Rande des Ruhrgebiets nach Vorpommern kam, gefreut. Der Austausch und die Gespräche an den Tischen empfand er als wohltuend – ein gutes Miteinander sei den ganzen Nachmittag lang spürbar gewesen. „Gelegentlich einen kleinen Dank für das eigene Tun zurückzubekommen, ist sehr motivierend und wichtig“, findet er.

Im Austausch mit anderen hat er auch andere mögliche Einsatzfelder für Ehrenamtliche in seiner Region kennengelernt. Eines würde ihn durchaus auch reizen: In der Tourismuspastoral der Pfarrei St. Bernhard werden immer Leute gebraucht.