Er setzt dem Berliner Schloss die Krone auf

Ein Blick in die Werkstatt des Berliner Metallgestalters Stefan Fittkau. Die aus Kupferblech getriebene Palmenkuppel besteht unter anderem aus acht Palmenwedeln mit je 20 Blättern. Foto: Walter Wetzler

Der Berliner Metallgestalter Stefan Fittkau krönt nicht nur das wiedererbaute Hauptstadt-Schloss und die fast hundertjährige Tradition seiner Firma. Er konnte auch so manchem Projekt in und mit seiner Pankower Heimatpfarrei „St. Georg“ zu einem krönenden Abschluss verhelfen.

Der Countdown läuft und die Spannung steigt, der langersehnte Tag ist da. Am Montag werden zwei Tieflader im Berliner Stadtteil Weißensee die kompletten Bestandteile der Kuppellaterne für das Berliner Schloss aufnehmen und zu ihrem neuen Bestimmungsort bringen. Hier, vor der beeindruckenden Schlosskulisse, wird dann in den nächsten Tagen die Montage der Bauteile beginnen, bevor zum Monatswechsel ein 500 Tonnen schwerer Riesenkran in zwei Aufzügen die insgesamt 18 Tonnen wiegende Laterne hochzieht. Eigene Industriekletterer der Firma Fittkau werden sie dann in luftiger Höhe von 65 Metern verankern und damit dem Berliner Schloss seine Krone aufsetzen. Mit diesem Moment vollendet sich auch für Stefan Fittkau, Inhaber und Geschäftsführer der Fittkau Metallgestaltung GmbH, ein über zweijähriger, intensiver Arbeitsund Schaffensprozess als Hauptauftragnehmer der Kuppellaterne Berliner Schloss.

Die Laterne aus Weißensee für das Schloss an der Spree

Als Stefan Fittkau am 19. Dezember 2017 das Angebot seiner Firma für die europaweite Ausschreibung einreicht, wohnen zwei Seelen in Brust: „Zum einen war da der Reiz, an der historischen und originalgetreuen Rekonstruktion des einst bedeutendsten Barockbaus Deutschlands und insbesondere der ursprünglichen Kuppellaterne aus dem Jahre 1850 mitwirken zu können, andererseits die enorme Herausforderung, ein so noch nie dagewesenes Projekt zu planen, zu kalkulieren und koordinieren.“ Drei Monate später kommt der Zuschlag für die Weißenseer Metallgestalter. Die Verschmelzung von traditionellem Kunstschmiede- Handwerk und modernstem Knowhow, von Kapazitäten und jahrzehntelangen Kenntnissen speziell in der Denkmalpflege bot eine Expertise, über die deutschland- und europaweit nur noch wenige Firmen verfügen.

Im Anfang war das Foto und himmlischer Beistand

Diese war dann auch dringend notwendig, denn viel mehr als ein etwas verschwommenes Originalfoto aus dem Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege gab es anfangs nicht. „Dieses Foto war unsere Hauptarbeitsgrundlage“, erinnert sich Stefan Fittkau und es grenzt an ein Wunder, dass aus der spärlichen Vorlage die zwölf Meter hohe, originalgetreue Schmucklaterne wiedererstehen konnte. Sie besteht aus Balustrade mit Voluten und Postamenten, acht Engeln, Hauptgesims und der Palmenkuppel sowie dem vergoldeten, drei Meter hohen Kreuz. Der Bau der unteren Laternenteile erfolgte mit Partnerfirmen, Hauptgesims und Zenitkuppel mit dem beachtlichen Durchmesser von sechs Metern entstanden in der Firma Fittkau selbst.

Bei all diesen Arbeiten hebt Stefan Fittkau die unglaubliche Sisyphusarbeit bei der Modellfindung hervor, erzählt von allein 19 Expertensitzungen, um Engel 01 seine vollkommene Gestalt mit millimetergenauer Fingerlänge und Faltenwurf zu geben. Auch Wilhelm von Boddien, Geschäftsführer des Fördervereins Berliner Schloss, macht bewusst, „welch wunderschöne Details diese Laterne hat“. Im Ensemble mit unzähligen anderen Feinheiten am Schloss sei damit der Wiederaufbau „in einer kaum für möglich gehaltenen Vollendung gelungen, mit einer Genauigkeit von nachweislich 99,5 Prozent zum Original“.

Karriere aus einem Guss und krönende Abschlüsse in der Pfarrei

Bleibende Qualität, diesem Anspruch folgte Stefan Fittkau von der Pike auf: seit 1983 im Unternehmen, Lehrling, Facharbeiter, Werkstattmeister, Geschäftsführer und seit 2000 Inhaber der heute 50 Mitarbeiter zählenden Firma mit Aufträgen in ganz Deutschland, Westeuropa, Nordamerika, Russland und Asien. „Wir durften mit der Firma schon viele Höhepunkte erleben, aber die neue Krone auf dem Berliner Schloss, das ist die Krönung“, sagt er dankbar.

Über den gelungenen Abschluss wichtiger Vorhaben kann er sich auch gemeinsam mit vielen engagierten Mitstreitern seiner Pankower Heimatpfarrei „St. Georg“ freuen, so als jahrzehntelanges Mitglied in der Kolpingsfamilie und im Kirchenvorstand (KV). Die 2019 erfolgte Ausmalung der Pfarrkirche ist noch in frischer Erinnerung und finanzseitig abzuschließen. Mit der letzten Wahl übernahm Stefan Fittkau den stellvertretenden KV-Vorsitz und damit besondere Verantwortung für weitere Großprojekte wie die Sanierung des an die Pfarrkirche angrenzenden Schwesternhauses, einschließlich eines neuen Nutzungskonzeptes. Für den Sommer ist der Einbau der neuen Orgel in der Kirche „St. Maria Magdalena“ geplant. Damit wird auch diesem Vorhaben die Krone aufgesetzt.