Im Caritas-Zentrum Marzahn-Hellersdorf für neuzugewanderte Migranten versuchen die Mitarbeiter, allen Ratsuchenden zu helfen – egal, welches Problem sie haben oder woher sie kommen.
„Dass die Caritas international einen guten Ruf hat, ist auch für Migranten, die nach Berlin kommen, ein Türöffner zu unseren Beratungsstellen“, berichtet Franziska Grubert. Die Diplom-Sozialarbeiterin ist im Caritas-Zentrum Marzahn-Hellersdorf für die Beratung neuzugewanderter Migranten (MBE) zuständig. „Wir beraten unabhängig von Nationalität, Religion und Weltanschauung, die Gespräche sind vertraulich, kosten nichts und auf Wunsch auch anonym. Ins Caritaszentrum kann jeder kommen.“ Dabei gehe es um alltagspraktische Fragen wie Gesundheit, Wohnen, Bildung, um Sprach- und Integrationskurse, Sozialleistungen, Hilfen beim Stellen von Anträgen und im Umgang mit Behörden, um Berufsanerkennung sowie Arbeitsvermittlung. „Wir sind so was wie eine ‚Erste-Hilfe-Stelle‘.“
Vielen sei es jedoch unangenehm, um Hilfe zu bitten. „Als Beraterin muss ich jedem Ratsuchenden, der in unsre Sprechstunde kommt, gut zuhören, um herauszufinden, ob er oder sie bei uns an der richtigen Stelle ist oder an andere Fachdienste, zum Beispiel an die Schwangerschaftsberatung, eine Schuldnerberatung oder zur Kinderkleiderkammer für Familien mit wenig Geld weitervermittelt werde muss.“
Oft stelle sich im Laufe eines Gesprächs heraus, dass hinter dem angesprochenen Problem noch ganz andere, viel tiefere Nöte liegen. Als Beraterin könne sie Hilfen aufzeigen und vermitteln, aber die Ratsuchenden zu nichts zwingen. Das dürfe und wolle sie auch nicht. „Der Klient kommt freiwillig zu uns, erzählt, was er mitteilen möchte und entscheidet, ob er sich weiter von uns beraten lässt.“ Das „Fernziel“ einer Beratung sei, dass „der Klient selbständig klarkommt. Dafür muss er Deutsch lernen, auch wenn das manchem wirklich schwerfällt“.
Der Standort Marzahn-Hellersdorf hat für die Caritas Tradition. Seit mehr als 30 Jahren befindet sich am Helene-Weigel-Platz die Caritas-Sozialstation. Dieses Angebot der ambulanten Pflege wurde seit 2005 durch andere Fachbereiche wie die Allgemeine Soziale Beratung, die Migrationsberatungen, sowie die ambulante Wohnungslosenhilfe ergänzt.
In allen Fachbereichen des Caritas-Zentrums gehe es darum, Menschen, die Unterstützung benötigen, zu beraten und gemeinsam mit ihnen nach Lösungen zu suchen. Rund 90 zum Teil mehrsprachige Mitarbeiter sind für die Bevölkerung des Bezirks Marzahn-Hellersdorf da. Franziska Grubert vom Fachbereich Migration und Integration spricht Englisch, Litauisch und ein wenig Russisch: „Bis zur zwölften Klasse hatte ich Sorbisch-Unterricht, dadurch fiel es mir leichter, nebenbei Russisch zu lernen.“ Die Sozialpädagogin ist mit Herzblut und Engagement dabei.
Freuen würde Franziska Grubert sich, wenn mehr ins Bewusstsein rückte, „dass Sozialarbeiter studiert haben und professionell arbeiten. Wir leiden weder an einem ‚Helfersyndrom‘ noch trinken wir den ganzen Tag Kaffee. Ja, unsere Arbeit ist belastend. Wir werden konfrontiert mit Schicksalen, die nur schwer auszuhalten sind. Da braucht es den fachlichen und kollegialen Austausch im Team. Wer sich dafür interessiert, was wir im Caritas-Zentrum so alles machen: Sie sind herzlich eingeladen. Es gibt auch Kaffee“, fügt sie hinzu und lacht.