Gemeinde vereint Kontinente

Lebensfreude gepaart mit Frömmigkeit: Auch viele afrikanische Gemeinschaften bereichern das Gemeindeleben der Englischsprachigen Mission in Berlin. Foto: Oliver Gierens

Die Englischsprachige Mission in Berlin ist über die Stadt verstreut. Beim jährlichen Gemeindefest wurde deutlich: Die Mission ist ein Schmelztiegel der Kulturen und Nationen – das wird auch in der Liturgie deutlich.

Es ist Weltkirche im Kleinen, die sich an diesem Sonnabend in der St.-Bernhard-Kirche in Berlin- Dahlem zusammenfindet. Die Englischsprachige Mission (ESM), die über mehrere Gemeinden in der Hauptstadt verstreut ist, hat zum ESM-Tag eingeladen und fast alle sind dabei: Engländer, Amerikaner, afrikanische Gemeinschaften, Filipinos. Einmal im Jahr treffen sich alle englischsprachigen Gemeinden in Berlin zu diesem gemeinsamen Fest. Hier wird deutlich: Die Weltsprache Englisch verbindet alle Kontinente, viele Nationen sind hier vertreten.

Das spüren auch alle, die in St. Bernhard in Berlin-Dahlem direkt an der Freien Universität die heilige Messe mitfeiern. Der Chor, der auf der Empore singt, ist noch überwiegend klassisch angelsächsisch geprägt. Geleitet wird er von Jonathan Kelly, Oboist bei den Berliner Philharmonikern. Kurz darauf bringen die Ghanaer ihre liturgischen Traditionen in die Messfeier ein und die Musik klingt wieder völlig anders, ist geprägt von Rhythmus und Lebensfreude. Der Chor der Filipinos, der nach dem Gottesdienst auftritt, singt eher getragen, melancholisch.

Mehrheiten in der Mission verschieben sich

„Die ESM ist ein Stück Weltkirche gebündelt in Berlin“, sagt Diakon Dirk Verheijen. Der Niederländer lebte selbst viele Jahre in den USA, seit seiner Weihe 2019 betreut er unter anderem die englischsprachige Gemeinschaft. Ihren Sitz hat die englischsprachige Gemeinde in der Dahlemer Kirche St. Bernhard. Auch in St. Elisabeth in Schöneberg sowie in der Kapelle der Katholischen Akademie in der Französischen Straße finden regelmäßig englischsprachige Gottesdienste statt. Die Filipinos feiern ihre zweisprachigen Gottesdienste (Englisch und Filipino) in der Heilig-Geist-Kirche in Charlottenburg. Seit Kurzem gibt es auch in der Kirche St. Peter und Paul in Potsdam eine englischsprachige Gemeinde. Die Ghanaer bilden eine eigene Gemeinde in St. Judas Thaddäus in Berlin-Tempelhof, während die Engländer und Amerikaner, von denen viele einst als Soldaten in West-Berlin stationiert waren, in der Kirche All Saints (Allerheiligen) in Zehlendorf zu Hause sind.

Sie stellten einst die große Mehrheit in der Gemeinde. Doch deren Gesicht hat sich seit der Wiedervereinigung und dem Abzug der britischen und amerikanischen Truppen enorm gewandelt. „Engländer oder Amerikaner gibt es nur noch wenige in der Gemeinde“, berichtet Diakon Verheijen im Gespräch mit dem Tag des Herrn. Viele Kirchenbesucher seien Diplomaten oder Geschäftsleute, die oft kein Deutsch sprechen. Da sei Englisch meist die „lingua franca“, die Weltsprache, in der sich die meisten verständigen könnten. Aber auch Deutsche, die beispielsweise in den USA gelebt haben, kommen in die englischsprachigen Gottesdienste – manchmal auch durch familiäre Bindungen.

Völkerverbindende geistliche Heimat

So ist es auch bei Peter und Rocio Hermes. Sie stammt aus der Dominikanischen Republik, er ist in Berlin-Zehlendorf aufgewachsen. „Schon früher bin ich ab und zu in St. Bernhard in die englischen Gottesdienste gegangen, wenn ich bei uns die Messe verpasst habe“, erzählt er. Kennengelernt haben sich die beiden in Äthiopien, wo Rocio als Missionarin gearbeitet hat, während ihr heutiger Ehemann bei der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) tätig war. Seit drei Jahren leben die beiden in Berlin, die ESM ist zu ihrer geistlichen Heimat geworden. Er engagiert sich mittlerweile im Pfarreirat der Pfarrei Maria Rosenkranzkönigin, zu der St. Bernhard gehört.

„Es ist eine internationale Gemeinde“, betont Rocio Hermes. „Hier treffen wir die Iren genauso wie Inder, Engländer oder afrikanische Nationen.“ Das hebt auch Sylvester Ajunwa hervor, der die ESM als verantwortlicher Pfarrer leitet. Er stammt aus Nigeria, hat in Bayern seinen Doktor gemacht und ist schließlich 2016 in Berlin gelandet. Offiziell gebe es elf verschiedene Nationen in der ESM, tatsächlich seien es über 20, die jeden Sonntag zu den Messfeiern an den verschiedenen Standorten kämen. Zum Gottesdienst am Sonntagvormittag in St. Bernhard sei die Kirche meistens voll, über 250 Leute passen in das Gotteshaus im Stil der klassischen Moderne aus den 1930er Jahren. In St. Elisabeth kämen an den Sonntagen nochmals rund 200 Leute zusammen, jeweils um die 50 Gottesdienstbesucher besuchten die Messen in All Saints oder in der Kapelle der Akademie. Die ghanaische Mission in Tempelhof bringe nochmals gut 200 Menschen zusammen.

Englischsprachige Mission ist ein Spiegel

Gerade die afrikanischen Gläubigen sorgen laut Pfarrer Ajunwa für ein beständiges Gemeindeleben. „Sie sind sehr aktiv, man spürt die Lebensfreude durch ihre Musik, aber auch in der Zusammensetzung der Gruppen.“ Dabei seien die afrikanischen Gemeinschaften nicht uniform, so der Geistliche. „Es gibt Unterschiede in der Sprache, auch in Musik und Kultur – einfach in allem.“ Die afrikanischen Gläubigen machten einen wachsenden Anteil der Gemeindemitglieder aus, bestätigt auch Diakon Verheijen. Seit rund zehn Jahren seien Afrikaner in den englisch-, aber auch französischsprachigen Gemeinden deutlich präsenter geworden. Für Sylvester Ajunwa ist der Grund klar: „Es ist die Migration“, macht der Geistliche deutlich. So ist die Berliner ESM auch ein Spiegel gesellschaftlicher Veränderungen.