Der Ökumenische Arbeitskreis Müncheberg erhielt den Ökumenepreis 2018 des Ökumenischen Rates Berlin-Brandenburg.
Sie haben vieles gemeinsam, die sechs Frauen, die am 18. Januar im Bernhard-Lichtenberg-Haus hinter der St. Hedwigs-Kathedrale in Berlin den Ökumenepreis 2018 des Ökumenischen Rates Berlin-Brandenburg erhielten. Sie sind berufstätig. Sie sind Christen, evangelisch und katholisch. Sie möchten, dass ihre Kinder den Glauben mit anderen teilen, über ihre jeweilige Kirchengemeinde hinaus. Und sie wollen es nicht anderen überlassen, dafür aktiv zu werden. Als „Ökumenischer Arbeitskreis Müncheberg“, benannt nach der Stadt, in der und in deren Umfeld sie leben, haben sie die Dinge selbst in die Hand genommen.
„Wir sind Frauen, die eher anpacken als reden“, beschreibt die Katholikin Gundula Morcinek die damit verbundene Haltung. Die sechs Frauen wollten, dass ihre Kinder christliche Gemeinschaft nicht nur im engen Kreis ihrer Familien und im zahlenmäßig beschränkten Rahmen der eigenen Gemeinde erfahren. Und sie wünschten sich mehr kirchliche Angebote für sie. Dafür schien es bei dünner Personaldecke der Gemeinden sinnvoll, dass konfessionsübergreifende Kooperationen entstehen, die von Ehrenamtlichen getragen werden. Das machten die Frauen zu ihrem Anliegen.
Angeregt wurden sie durch das ökumenische Miteinander, das ihre evangelischen und katholischen Kinder im „Kinderhaus“ in Müncheberg erlebten, einer Kindertagesstätte in katholischer Trägerschaft. Sie starteten einfach. Nachdem die katholischen unter ihnen vor fünf Jahren den Kinderfasching in ihrer Gemeinde wieder aktiviert hatten, taten sie sich wenig später mit der evangelischen Gemeinde zusammen und feierten ihn fortan gemeinsam. Weitere ökumenische Unternehmungen folgten, an denen neben evangelischer und katholischer Gemeinde mittlerweile auch die baptistische Gemeinde und die Neuapostolische Gemeinde teilhaben.
Mit dem Martinsfest fing alles an
Inzwischen finden einmal im Jahr ein ökumenisches Sommerfest und eine ökumenische Bibelwoche statt, wird der Weltgebetstag zusammen begangen, gibt es einen ökumenischen Gottesdienst zum Müncheberger Stadtfest – und, besonders beliebt, das gemeinsam ausgerichtete Martinsfest. Damit fing im Grunde schon einige Jahre, bevor die Frauen aktiv wurden, einmal alles an. Elisabeth Carlsson, die Katechetin der evangelischen Gemeinde, hatte noch zu DDR-Zeiten in Erfurt erlebt, wie das Martinsfest von evangelischen und katholischen Christen gemeinsam begangen wurde. Als sie 1997 ihre Arbeit als Katechetin in Müncheberg und Umgebung aufnahm, führte sie das Fest hier ein, zunächst in der evangelischen Gemeinde. Eine der sechs Frauen des späteren ökumenischen Arbeitskreises, Martina Schäfer, unterstützte sie bald.
Mittlerweile ersetzen die sechs Frauen einen Teil der Arbeit, den früher Frau Carlsson allein bewältigt hat, was aufgrund des gewachsenen Arbeitsumfangs nicht mehr möglich ist. Sie werden dabei vom katholischen Pfarrer Bernhard Töpfer und von der evangelischen Pfarrerin Karin Bertheau unterstützt. Den Preis erhielten die Frauen auch für ihr bürgerschaftliches Engagement, ganz im Sinne der Müncheberger Bürgermeisterin Uta Barkusky (Die Linke), die in ihrer Laudatio die gute und intensive Zusammenarbeit zwischen der Stadtverwaltung und den Kirchgemeinden hervorhob. Für sie ist der Preis eine Ermutigung für die lebenswerte Gestaltung des ländlichen Raums.
So sehen es auch die Frauen. Nach dem Effekt ihrer Bemühungen gefragt, sagt die evangelische Doreen Lindner: „Es ist ein gutes Gefühl, etwas voranzubringen.“ Ihre katholische Mitstreiterin Gundula Morcinek drückt es knapp und nüchtern aus: „Wir wollen zukunftsorientiert wirken.“
In ökumenischer Verbundenheit erscheint dieser Text auch in der evangelischen Wochenzeitung „die Kirche“.