Glauben in krisengeschüttelten Zeiten

Brennende Kerzen vor dem Altar der St. Joseph-Kirche. Foto: Annemarie Banek

In einem ökumenischen Gottesdienst haben Berliner Christen am 10. Februar ihre Sorgen und Hoffnungen vor Gott getragen. Anlass waren die aktuellen Krisen der Welt.

Angesichts der krisenhaften Weltlage wollte das Berliner Metropolitankapitel mit einem ökumenischen Gottesdienst und einer Lichterandacht in der St. Joseph-Kirche Berlin-Wedding ein Zeichen der Hoffnung setzen.

Corona-Pandemie, Ukraine- Krieg, Inflation und Naturkatastrophen wie das jüngste Erdbeben in der Türkei und in Syrien. Mit einer Aufzählung der Schreckensmeldungen begann die evangelische Theologin Dorothea Wendebourg die Predigt. Eigentlich sei dieser Gottesdienst schon vor anderthalb Jahren geplant gewesen und musste aufgrund der akuten Corona-Welle verschoben werden. Sie stellt fest: „Das Leben, das wir bis Anfang 2020 kannten, ist nicht mehr zurückgekommen.“ Stattdessen seien weitere Krisen aufgetaucht, die das Weltgeschehen dominieren und Leid für viele Menschen mit sich brächten. In ihrer Predigt forderte Wendebourg dazu auf, diese Nöte vor Gott zu bringen und ihm das Leid zu klagen: „Geben wir ihm die ganze Last in seine Hände“. Dass Klagen kein Widerspruch zum Glauben ist, zeige sich in vielen Psalmen und selbst im Sterben Jesu, der am Kreuz ruft: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Die Theologin rief dazu auf, keine Angst zu haben und Zuflucht bei Gott zu suchen.

Trost und Zuversicht finden sich auch in den Liedtexten wieder. Die Klänge des Chores der Sankt Hedwigs-Kathedrale und der capella vitalis berlin erfüllen den Raum mit einer tröstlichen Stimmung. Von dem besinnlichen Gottesdienst ist auch Ruth Simon sehr angetan. Ob ihr der Glaube an Gott in Krisenzeiten eine Hilfe ist? „Auf jeden Fall! Er gibt mir Kraft und ich weiß, egal, was passiert, ich bin in Gottes Hand.“ Statt sich von Angst und Verzweiflung beherrschen zu lassen, möchte Ruth Simon die christliche Hoffnung weitergeben. Und hat auch Tipps zur Umsetzung parat: „In der Ruhe bleiben und anderen mit Freundlichkeit und einem Lächeln Mut machen! Bewusst den Medienkonsum dosieren! Meist bestimmen negative Schlagzeilen die Nachrichten. Wenn man diese zu intensiv verfolgt, entsteht schnell ein Gefühl der Ausweglosigkeit.“

Nachdem die bedrückenden Nachrichten aus dem Erdbebengebiet eine Woche lang das bestimmende Thema waren, herrscht an diesem Freitagabend eine ruhige und besinnliche Stimmung in St. Joseph. Die Kirche ist erhellt vom Schein brennender Kerzen auf den Plätzen der Besucher. Die flackernden Lichter ziehen viele Besucher in ihren Bann. Zum Schluss folgen sie der Einladung und bringen mit den Kerzen ihre persönlichen Anliegen und ihre Hoffnung vor den Altar.