Gott sichtbar machen

Zu den erfolgreichen Projekten zählt auch das Bau- und Renovierungsteam von Pallotti-Mobil. Foto: Palotti-Mobil

Seit 30 Jahren prägen Pallottiner in Berlin-Neukölln die Seelsorge und Sozialarbeit. Zur Jubiläumsfeier rückten Weggefährten ins Licht, was sie seither alles in der Christophorus-Gemeinde und im Kiez bewirkt haben.

Im quirligen Berliner Stadtteil Neukölln liegt die St. Christophorus- Kirche. Vor 30 Jahren kamen drei Pallottiner in der Gemeinde an und befanden, dass sie an diesem Ort den Leitspruch ihres italienischen Gründers „Die Liebe Christi drängt uns“ leben wollten.

Beseelt von dieser Idee sind Pfarrvikar Kalle Lenz und Pastoralreferentin Lissy Eichert bis heute in der Gemeinde tätig. Am Anfang scharten sie Freunde um sich. Fünf Jahre später gründeten sie den Verein „Pallotti-Mobil – Bedürftige helfen Bedürftigen“, um konkrete Projekte umzusetzen: Langzeitarbeitslose, Flüchtlinge und Ehrenamtler mit Hauptamtlichen renovieren Wohnungen im Kiez, bauen, stemmen Transporte – damit Menschen mit schmalem Portemonnaie das „Wunder einer Wohnung“ erleben können. Die Begabungen eines jeden zu sehen, zu stärken und sich untereinander zu helfen, hat bei „Pallotti- Mobil“ unübersehbar etwas bewirkt.

Mekowanent Yakob Michael managt seit elf Jahren Renovierungsprojekte. Auf dem Fest verriet der Bauingenieur, dass er von Lissy Eichert „mit schmalem Taler“ für ein Jahr in den Verein gelockt wurde. Seine Frau habe ihn damals gedrängt, das Angebot anzunehmen und dabei zu bleiben. Eine Entscheidung, die er nie bereut habe. Der Äthiopier ist Ausbilder, Pädagoge und Psychologe für sein buntes Team geworden. In 25 Jahren kamen 1230 Wohnungen in den Fokus von „Pallotti-Mobil“. Bedürftige haben für Bedürftige 426 Wohnungen unter seiner Leitung instand gesetzt.

Möglich sei das nur mit Hilfe von Spenden, sagt Mekowanent Yakob Michael: „300 Menschen konnten wir leider nicht helfen, weil uns Geld fehlte.“ So viele Menschen, die nichts haben, seien am Ende glücklich – das treibe das ganze Team um.

Helfer und ehemalige Asylbewerber feiern mit

Lissy Eichert und Journalist Hajo Schumacher begrüßen als Moderatoren eines Kleinkunstabends Wegbegleiter der „Pallottis“. Da wäre zum Beispiel Sabine Wagenfeld, die mit dem Verein „Zuff“ Zufluchtswohnungen für Frauen in Berlin bereitstellt. „Ohne Pallotti- Mobil, das die Wohnungen auf Vordermann bringt, könnten wir nicht existieren“, sagt Wagenfeld. Eigentlich sollen solche Wohnungen zum Schutz der Frauen, die Gewalt erfahren haben, geheim bleiben. Doch die „Pallottis“ seien absolut zuverlässig.

Ein multikulturelles Besucherheer wird am Buffet sichtbar: Daniela Dachrodt sitzt bei ihren Schülerinnen. Sie leitet „JACK“, die Bildungsstätte des Vereins für geflüchtete und schutzbedürftige Frauen. Frauen können hier Deutsch lernen. Sie können das unbeschwert, weil ihre Kinder betreut werden. Die 56-jährige Khanzad hat im Irak als Lehrerin gearbeitet. Sie besucht derzeit den B1-Deutschkurs, lernt dort, sich mündlich und schriftlich in unterschiedlichsten Situationen zu verständigen.

Nebenbei betreut sie ehrenamtlich Kinder anderer Frauen, damit die bei JACK die deutsche Sprache lernen können. Amani steckt im B2-Kurs. Die syrische Kindergärtnerin macht hier Bundesfreiwilligendienst. So schnell es geht, möchte die 44-Jährige wieder in einem Kindergarten arbeiten.

Kalle Lenz unterhält als „Inländerbeauftragter“

Einige Gäste brachten beim Fest speziellen Dank dar. Wie Vinotha Thambipillai, deren Familie aus Sri Lanka 1993 Asyl in St. Christophorus fand. Die junge Frau arbeitet beim Erzbistum und erfreute das Publikum mit einem Tanz. Dieser sei ihm ans Herz gegangen, sagte Erzbischof Heiner Koch.

Gebet und Gesang der Schwestern Soni und Sheetal, afghanischen Hindus, erklang, bevor Kalle Lenz als „Inländerbeauftragter“ mit aktuell-politischen Themen Lachen bescherte. Die Band „Herrlicher“ und der „H(e)artchor“ musizierten, die in Trinidad und Tobago geborene Carol McCollins-Kreyenborg „rockte“ die Kirche nachts stimmgewaltig mit Gospels. Die Pallottiner sind mit all ihren Projekten fest in Gemeinde und Kiez verankert und – das wurde deutlich – sie werden gebraucht.