Vor fünf Jahren machte sich eine internationale Gemeinschaft der Arnsteiner Patres auf zu einer neuen Mission. Ihr Ziel: Berlin, die Landeshauptstadt – groß, säkular und ebenso bunt, wie die Gemeinschaft selbst.
Es war 2020, die Corona- Pandemie hatte die Welt fest im Griff, als sechs Arnsteiner Patres einen Neuanfang wagten: Zwei Brüder aus Deutschland, zwei aus Indonesien und zwei aus dem Kongo starteten in das Zusammenleben in Berlin-Charlottenburg, um „die Liebe Gottes zu betrachten, zu leben und zu verkünden“, wie Pater Ludger Widmaier erklärt. Jetzt, ein halbes Jahrzehnt später, blickt er auf einen Start, der nicht frei von Herausforderungen war: „Es war schon schwierig. Zuletzt waren wir nur noch zu dritt und kamen mit den Aufgaben an unsere Grenzen.“ Die Verkleinerung hatte verschiedene Gründe: Pater Harald Adler verstarb im vergangenen August im Alter von 87 Jahren. Ein Mitbruder kehrte nach Indonesien zurück, um dort in der Ordensausbildung mitzuarbeiten, einen anderen zog es zurück in seine Heimat im Kongo. „Das Leben in Deutschland ist ihm schwergefallen“, gibt Pater Ludger zu.
Ebenso wie das Gemeinschaftsleben musste auch der Kontakt mit den neuen Berliner Nachbarn erst anlaufen. „Die Begegnungen mit konfessionslosen und areligiösen Menschen sind herausfordernd“, sagt Pater Ludger, der zuvor in Koblenz wirkte und in der Situation der säkularen Hauptstadt auch neue Möglichkeiten sieht: „Die Kirche ist hier für viele so unbekannt, dass die Menschen keine Vorurteile, sondern schlicht Unkenntnis haben. Das eröffnet die Chance einer neuen Präsenz.“
Heute arbeiten die drei verbliebenen Gründungspatres als Seelsorger in den Charlottenburger Pfarreien, in der englischsprachigen Mission und der französischsprachigen Gemeinde. In ihrer Wohnung kommen sie zum gemeinsamen Gebet zusammen und leben die Internationalität. Jeder kocht etwa, wie er es aus seiner Heimat gewohnt ist, auch Schmetterlingspuppen aus dem Kongo landeten schon auf dem Teller. „Ich fand die lecker“, betont Pater Ludger.
In Zukunft müssen sie dabei wieder mehr Mahlzeiten vorbereiten, denn ein weiterer Mitbruder aus Indonesien hat vor wenigen Wochen seinen Weg nach Berlin gefunden, zwei Brüder aus dem Kongo warten noch auf ihre Visa. Zu sechst wollen sie zukünftig besonders Menschen in den Blick nehmen, die die Kirche nicht erreicht.