Hier fanden Menschen zum Glauben

Foto: Constantin Beyer

Das Erzbistum Berlin verkauft das Katharinenstift in Prenzlauer Berg. Für die portugiesischsprachige Gemeinde und die Herz-Jesu-Priester, die das ehemalige Kloster nutzen, werden noch neue Standorte gesucht.

Der 1896 errichtete neugotische Klosterbau mit der Kirche Mater Dolorosa ist nach wie vor ein lebendiger Ort katholischer Kirche. Die Pfarrei Teresa von Avila lädt hier regelmäßig zu Gottesdiensten ein, das Katholische Schulzentrum Edith Stein bildet Erzieherinnen und Sozialassistenten aus, die Herz-Jesu-Priester halten die Kirche offen, und auch die portugiesischsprachigen Katholiken Berlins sind hier zu Hause. Trotzdem hat sich das Erzbistum Berlin entschieden, die Gebäude in der Greifswalder Straße, in denen Dominikanerinnen einst Waisenkinder beherbergten, zu verkaufen. Die Entscheidung steht im Zusammenhang mit der Reduzierung kircheneigener Immobilien, die das Erzbistum im vergangenen Jahr in die Wege geleitet hatte, um Finanzen und Kräfte stärker auf wesentliche Aufgaben der Kirche zu konzentrieren. Dass man sich dabei ausgerechnet vom Katharinenstift trennt, liege am hohen Sanierungsbedarf, heißt es in einer Presseerklärung. 

Bis Mitte 2026 sollen die Gebäude an den neuen Eigentümer übergeben werden. Bis dahin wird die Kirche profaniert sein. Eine würdige Nachnutzung werde im Kaufvertrag festgeschrieben. Das Schulzentrum Edith Stein zieht zum Schuljahreswechsel auf den Campus der Katholischen Hochschule für Sozialwesen nach Karlshorst (der Tag des Herrn berichtete). Die Herz-Jesu- Priester, die seit 2013 hier leben, kennen ihre künftige Bleibe heute noch nicht. Auch für die portugiesischsprachigen Katholiken, die in der früheren Klosterkapelle ihre Gottesdienste feiern, ist die Zukunft noch offen. 

Pater Markus Mönch, dem Rektor des Klosters, wird das Katharinenstift in Erinnerung bleiben als „geschichtsträchtiger Ort für mein Leben“, an dem er unterschiedlichsten Menschen begegnet ist und viele Veranstaltungen abhielt, vom Singles-Gottesdienst über Tiersegnungen und Konzerte bis hin zu langen Nächten der Familien. „Wir haben es geschafft, aus einem verschlafenen Ort im Hinterhof eine Kirche zu machen, die heute immer wieder Menschen aus dem Kiez aufsuchen um innezuhalten, eine Kerze anzuzünden oder ins Gebet zu kommen“, erzählt er, „sie ist auch zu einem Ort geworden, an dem ich Menschen zum Glauben geführt habe.“ 

„Die in unserer Muttersprache gefeierten Sakramente werden immer unvergesslich bleiben“, sagt Anna Sousa, Sekretärin der portugiesischsprachigen Gemeinde. Graca Querido berichtet von dem Bild der Fatima-Muttergottes, für das die Gemeinde gleich nach ihrer Gründung sammelte. Am Jahrestag der Erscheinungen von Fatima findet seither eine Prozession im Innenhof statt. Susana Silva behält in Erinnerung, wie liebevoll die Kinder einbezogen wurden, zum Beispiel bei Willkommensfeiern und beim Gottesdienstgesang.