Hoffnungsmomente auf dem Friedhof

Erst zum Friedhofsplauschen und dann ein Trostpäckchen für zu Hause mitnehmen – in Berlin-Hohenschönhausen werden neue Wege gegen Einsamkeit ausprobiert. Foto: Diana Heinrich

Ein „Kiosk der Kostbarkeiten“ mit Trostpäckchen und ein wöchentliches Begegnungscafé gegen Einsamkeit – auf dem katholischen Friedhof in Berlin- Hohenschönhausen gibt es verschiedene Angebote, die Trauernden helfen, wieder Zuversicht zu finden.

Betritt man den Friedhof St. Hedwig/St. Pius in Berlin- Hohenschönhausen leuchtet einem als Erstes ein goldfarbener Automat entgegen. Dieser trägt die Aufschrift „Kiosk der Kostbarkeiten“ und in seinem Inneren lagern verschiedene kleine Päckchen. 

Sucht man sich einen Mittwochnachmittag für den Besuch aus, wird man zudem von einem Stand mit Kaffee, Tee und Keksen sowie einer Tafel mit einer Einladung zum wöchentlichen „Friedhofsplauschen“ empfangen.

Auch an diesem Mittwoch wartet die ehrenamtliche Projektmitarbeiterin Christine Otto vor der Trauerhalle des Friedhofes auf Menschen, die ein offenes Ohr oder einfach etwas Gesellschaft suchen. In dem Raum hinter ihr haben sich einige Besucher und Mitarbeiter vom Friedhofsplauschen-Projekt zu einer geselligen Runde zusammengefunden. Normalerweise findet das Begegnungscafé draußen statt. Nur bei schlechtem Wetter oder Kälte wird das Treffen nach drinnen verlagert. 

Rosemarie Heine kam nach dem Tod ihres Sohnes zum Friedhofsplauschen. Mittlerweile gehört sie zu den regelmäßigen Besuchern des Begegnungscafés. Sie schätze die Gemeinschaft, in der man über alles reden könne, sehr. Seit etwa einem Jahr kommt auch Marion Schmidt zu den Treffen. Erst besuche sie immer die Gräber von ihrem Mann und ihrem Bruder und dann gehe es zum Friedhofsplauschen. „Gerade in unserer Generation ist man oft alleine zu Hause, und da ist es schön, dass es das hier gibt“, sagt sie. 

Anders als man es vielleicht auf einem Friedhof erwarten würde, ist Friedhofsplauschen durchaus auch ein fröhlicher Begegnungsnachmittag. Trauer spielt zwar eine Rolle, dennoch sind die besprochenen Themen vielfältig. Und so tauschen sich die Teilnehmer bei einer Tasse Kaffee auch an diesem Tag angeregt über Reisen, Musik und gemeinsame Erlebnisse aus. „Jeder ist herzlich willkommen. Es braucht keine Anmeldung“, erklärt Michaela Winter. Nachdem sie anfangs selbst Gast war, beteiligt sie sich heute ehrenamtlich an dem Projekt. 

Projektmitarbeiter und das Seelsorgeteam der Pfarrei Heilige Theresa von Avila Berlin bieten auch Einzelgespräche und seelsorgerische Betreuung an. Seit Ende Januar testet das Erzbistum Berlin nun ein weiteres Pilotprojekt auf dem Friedhof. Dabei handelt es sich um den anfangs erwähnten „Kiosk der Kostbarkeiten“. Fünf verschiedene Trostpäckchen können am Automaten für eine Spende von zwei Euro erworben werden. Eines trägt den Namen „Weggefährten“ und soll den Menschen helfen, sich in der Trauer nicht so alleine zu fühlen. In dieser Box befinden sich eine Einkaufstasche mit dem Aufdruck „Du musst nicht alles alleine tragen“, ein Schutzengelanhänger und eine Karte mit Worten aus Psalm 91: „Denn er befiehlt seinen Engeln, dich zu behüten auf all deinen Wegen. Sie tragen dich auf Händen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt.“ Auch eine Einladung zum Friedhofsplauschen sowie Kontaktdaten zu Seelsorgern und zum Sozialarbeiter der Pfarrei sind enthalten. 

An diesem Nachmittag nehmen sich auch einige Friedhofsplauschen- Besucher wieder ein Trostpaket für zu Hause mit. Erhält die Aktion mit dem Friedhofsautomaten weiterhin guten Zuspruch, könnte es zukünftig vielleicht auch auf anderen Berliner Friedhöfen derartige Angebote geben.