Vor 80 Jahren wurden der Jesuit Alfred Delp und Helmuth James Graf von Moltke von den Nationalsozialisten ermordet. Die Gedenkstätte Plötzensee wirft in einer Reihe von Veranstaltungen den Blick in eine dunkle Vergangenheit, die von einer tiefen Freundschaft ein wenig erhellt wird.
„Wenn der Herrgott diesen Weg will, und alles Sichtbare deutet darauf hin, dann muss ich ihn freiwillig und ohne Erbitterung gehen. Es sollen einmal andere besser und glücklicher leben dürfen, weil wir gestorben sind.“ Diese Worte richtet der Jesuit Pater Alfred Delp in einem letzten Brief an seine Freunde. Es ist Januar 1945, Delp sitzt in Berlin in Haft. Vielleicht hört er, wie draußen der Krieg tobt, vielleicht sieht er durch ein kleines Fenster den grauen Winterhimmel, als er diese Zeilen schreibt. Wenige Tage später ist er tot – am Galgen erhängt.
Alfred Delp wird 1907 in Mannheim geboren. Als 19-Jähriger tritt er in den Jesuitenorden ein, wird elf Jahre später zum Priester geweiht. Ab 1942 ist Pater Delp Mitglied des „Kreisauer Kreises“, eine von Helmuth James Graf von Moltke gegründete Gruppierung, die sich im Untergrund Gedanken über die Gestaltung des Landes nach der NS-Diktatur macht – eine Zeit, die viele der Mitglieder nicht erleben werden. Im Juni 1944 besucht Pater Delp Claus Graf von Stauffenberg, wohl ohne von dessen Anschlagsplänen auf Hitler zu wissen. Eine folgenschwere Begegnung: Sieben Tage nach dem Attentat wird Delp verhaftet, in den folgenden Monaten verhört, gefoltert und schließlich wegen Hoch- und Landesverrats zum Tode verurteilt, ebenso Moltke und weitere Mitstreiter. Am 2. Februar 1945 ist Pater Delp tot, Moltke bereits am 23. Januar.
80 Jahre später sitzt Helmuth Caspar von Moltke in der Gedenkkirche Plötzensee. Der 87-Jährige ist aus den USA angereist, um von der Freundschaft zwischen seinem Vater, Helmuth James Graf von Moltke, und dem Jesuitenpater Alfred Delp zu erzählen. „Sie haben sich gefunden“, sagt er. Beide, Vater Moltke und Delp sind eigentlich unpolitisch, keine Parteimitglieder, wollen sich nicht an Umsturzversuchen beteiligen, obwohl sie die Nazis von Beginn an ablehnen. Stattdessen schmieden sie Pläne, um nach der Schreckensherrschaft Hitlers eine standhafte Demokratie aufzubauen und sehen dabei christliche Gemeinschaften in einer Schlüsselposition. „Die Kirchen hatten eine Stimme, die in Deutschland schallen konnte und die Nazis konnten es nicht verhindern“, erklärt Caspar von Moltke heute. Darauf wollen sein evangelischer Vater und der katholische Priester Delp, beide tief gläubig, bauen und in diesem überkonfessionellen Kontakt lernen sie voneinander. „Für beide Männer war diese kurze Freundschaft von großer Bedeutung“, betont Sohn Moltke. Nur zweieinhalb Jahre kennen sich sein Vater und Delp und doch schreibt der Jesuit nach Moltkes Hinrichtung: „Helmuth ist tot. Was soll ich hier noch?“
Zehn Tage später wird Pater Delp selbst zum Galgen geführt. „In einer halben Stunde weiß ich mehr als Sie“, sagt er zum Gefängnispfarrer, dann geht er die letzten Schritte seines Lebenswegs, in dem er bis zum Schluss Gottes Willen sieht – „freiwillig und ohne Erbitterung“.
Anlässlich seines 80. Todestages erinnern einige Veranstaltungen an den Widerstandskämpfer und Jesuitenpater Alfred Delp: 2. Februar, 10 Uhr: Abendzeit – Meditativer Gottesdienst. Mit Aufführung der Bachkantate „Ich habe genug“ (BWV 82) und Texten von Pater Alfred Delp, Ev. Gedenkkirche Plötzensee 20. Februar, 19 Uhr: Vortrag von Pfarrer Fritz Delp (Neffe von Pater Alfred Delp): Ökumene der Martyrer – Das Erbe von Alfred Delp SJ und seinen Weggefährten, Kath. Gedenkkirche Maria Regina Martyrum Alle Informationen: www.gedenkzentrum.de