In Frieden zusammen leben Katholische Akademie startet das Projekt „Erinnerte Zukunft“ für Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak

Foto: Cornelia Klaebe

Berlin. „In unserem Projekt möchten wir Sie einladen, auch Ihren Glauben, Ihre religiöse Identität als Christ oder Muslim in einer der vielen Konfessionen in eine offene Diskussion einzubringen“, steht in der Ausschreibung von „Erinnerte Zukunft“. Das Vorhaben richtet sich vor allem an Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak.

„Bereits 2015 haben wir begonnen, uns Gedanken zu machen, wie man sich zu den Flüchtlingen verhält. Wir glauben nicht, das man bevorzugt Christen helfen muss – man hilft erstmal allen. Wir sind der festen Überzeugung: Christentum und Islam haben Ressourcen, um zum Frieden beizutragen.“ Katrin Visse gerät in Fahrt, wenn sie von ihrem neuen Projekt „Erinnerte Zukunft“ erzählt. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Thomas Würtz will die Referentin der Katholischen Akademie dazu beitragen, „etwas zu bewahren, was es einmal gab“: die gemeinsame Geschichte und das friedliche Zusammenleben von Christen und Muslimen aus Syrien und dem Irak. Die Sätze prasseln nur so aus der Theologin und Islamwissenschaftlerin Visse heraus: „Wir haben ursprünglich gedacht, im Nachkriegssyrien zum Frieden
beizutragen“, erinnert sie sich. Aber im Verlauf des Jahres 2016 habe sich die Kriegssituation so entwickelt, dass klar wurde: Viele werden gar nicht direkt zurückkehren können. Deshalb soll das
Projekt auch bei einem friedlichen Zusammenleben der Flüchtlinge in Deutschland helfen. Etwas bedächtiger erzählt Islam-und Politikwissenschaftler Würtz weiter: Die Grundidee sei, in dem auf zwei Jahre angelegten Vorhaben Betroffene des Konflikts zusammenzubringen, also muslimische und christliche Flüchtlinge mit Fokus auf Herkunft aus Syrien und dem Irak. „Das ist aber nicht dogmatisch darauf reduziert“, erklärt er. „Wichtig ist uns an den Teilnehmern, dass sie sich als Repräsentanten ihrer Religionsgemeinschaft sehen.“ Es müsse sich aber keinesfalls um Geistliche handeln, die Religion solle ihnen lediglich wichtig sein. Es gehe um „Leute, die in den letzten drei Jahren nach Deutschland
gekommen sind“, nicht um bereits langjährig hier Ansässige.

Auf der Suche nach Anknüpfungspunkten

Bei dem Projekt soll es darum gehen, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. „Wir hatten ein Gespräch mit dem Erzbischof von Mossul“, erzählt Katrin Visse. Der Geistliche habe von den Enttäuschungen in seiner Heimat berichtet: Er selbst sei früher im Haus seiner muslimischen Nachbarn ein- und ausgegangen. Dieses Vertrauen sei aber verlorengegangen. „Wir suchen große und kleine Anknüpfungspunkte, wie ein gemeinsames Leben im Nahen Osten weiterhin möglich sein kann“ – das ist das erklärte Ziel. Aber nicht nur um ferne Länder geht es: „Auch das Zusammenleben hier ist wichtig!“, betont Thomas Würtz. Die Heime lösen sich zwar nach und nach auf, aber „die Menschen ziehen vielleicht in dieselbe Nachbarschaft“. Es gehe also darum, erläutert Visse, „dass wir Multiplikatoren schulen, zusammenbringen und mit Material ausstatten“. Als erster Schritt sollen Interessierte aus Berlin und
dem Raum „ungefähr zwischen Kiel und Cottbus“ zu einem Auswahlwochenende vom 12. bis 14. Mai eingeladen werden. Danach werden sich die Teilnehmer voraussichtlich zwei Jahre lang alle zwei Monate für ein bis zwei Tage treffen.

Aus anderen Konflikten lernen

In der ersten Phase gehe es darum, „sich kennenzulernen, Vertrauen zu fassen, seine Geschichte
zu erzählen und die der anderen auszuhalten“, erklärt Würtz. Und Visse ergänzt: „Wir wollen schauen,
was man aus anderen Konflikten lernen kann.“ Berlin selbst biete genug Material, um Geschichten von Leid, Teilung und Versöhnung anzuschauen. Später sollen sich die Teilnehmer gemeinsam ins Gedächtnis zurückrufen, was alles an Nachbarschaft, Kollegialität und Interreligiosität existiert hat.

Infos: <link http: www.erinnerte-zukunft.de>www.erinnerte-zukunft.de
Bewerbungen: <link>wuertz@katholische-akademie-berlin.de 

Kontakt: 030 / 28 30 95-0 oder 030 / 28 30 95-160