Seit wenigen Monaten ist Pfarrer Bernhard Töpfner als neuer Geistlicher Beirat für den Kreuzbund ehrenamtlich aktiv. Bis zum Sommer war er Seelsorger in der Kirchengemeinde St. Hedwig in Buckow-Müncheberg.
Menschen unterschiedlichsten Glaubens erwarten Bernhard Töpfner (70) in den 46 Gruppen des Kreuzbunds im Erzbistum. Die Bindung an die Kirche hat nicht unbedingt erste Priorität; doch will er Seelsorger für alle Weggefährten sein. Auch das relativ hohe Durchschnittsalter der Mitglieder im Erzbistum beschäftigt den Priester. Darum tangiert „Mitgliederpflege“ und Werbung für den Verband auch seinen Dienstbereich. Das gelingt seiner Erfahrung nach am besten durch persönliche Begegnungen und Gespräche. „Ich bin nicht für Sitzungen da, sondern will in persönlichen Begegnungen Gesicht zeigen und meine Chancen als Seelsorger nutzen.“ Eine stärkere Wahrnehmung des Kreuzbundes seitens der „Kirche von oben wie von unten“ sieht er als unverzichtbar an, um als Ort kirchlichen Lebens zu wachsen.
Gefährten Lebens- und Glaubenshilfe anbieten
„Als Geistlicher Beirat begleiten und unterstützen Sie die Aktivitäten des katholischen Selbsthilfeverbandes und stehen für persönliche und seelsorgliche Gespräche für deren Mitglieder zur Verfügung“, heißt es im Ernennungsschreiben des Erzbischofs. Pfarrer Töpfner, selber seit 32 Jahren trockener Alkoholiker, bringt seine neue Aufgabe für die 525 Mitglieder bildhaft so auf den Punkt: „Ich möchte Landeplatz für die Liebe Gottes bei den Menschen sein können.“ Dazu will er den Weggefährten Lebens- und Glaubenshilfen anbieten und möglicherweise einer der Mitmenschen sein, die manchmal auch als „Engel“ bezeichnet werden. Außerdem wünscht er, dass der Kreuzbund in den Kirchengemeinden als Ort kirchlichen Lebens wahrgenommen wird und so auch der Gedankenaustausch zwischen den Gemeinden und dem Selbsthilfeverband unter dem Mantel der Caritas gefördert werden kann. „Ich stehe noch am Anfang und ich gehe meine neue Aufgabe mit unendlicher Offenheit an.“
„Mach es wie Gott, werde Mensch!“ ist einer der Leitsätze des neuen Geistlichen Beirates. Als „Ruheständler“ und als früher von der Abhängigkeit selbst Betroffener kann er glaubwürdig vorleben, wie der Glaube hilft, sich mit der Krankheit auszusöhnen. „Um eine abstinente Lebensführung zu erreichen und aufrechtzuerhalten, ist der Glaube eine starke Hilfe, auch wenn er immer noch entwicklungsfähig ist.“
Mit Einfühlungsvermögen Brücken bauen zu dieser Gruppe, die nicht gerade im Mittelpunkt kirchlichen Blickfeldes steht, das strebt der Seelsorger an. „Suchtkranke und ihre Angehörigen können mit ihrer Kraft das geistliche Leben bereichern“, ist er sicher. Er sieht sie nicht nur als Nehmende, sondern mehr noch als Gebende, die mit ihren Begabungen das geistliche Leben im Verband und den Gemeinden bereichern.
Jede Gruppe des Kreuzbundes arbeitet im Rahmen der Gemeinschaft eigenverantwortlich. Jedes Kreuzbundmitglied kann nach eigenem Ermessen bestimmen, wann, wo und wie lange es die Gruppe besuchen und dem Kreuzbund angehören will. Alle Bemühungen der Gemeinschaft verfolgen das Ziel von „Lebensfreude in Abstinenz“ für die Abhängigkeitskranken, gleichermaßen „Zufriedenheit und Entfaltung der Persönlichkeit“. Um sich mit ihrer Betroffenheit auseinanderzusetzen, stehen die Mitglieder auch nach außen zu ihrer Krankheit.
Für den Austausch zwischen den Gruppen werden das Jahr hindurch mehrtägige Seminare angeboten. So zum Beispiel das Seminar „Liebe, Lust und Lebensfreude in der Abstinenz“, in dem nach Werten für Partnerschaft und Wegen zum Lebensglück gesucht wird. In anderen Seminaren wird thematisiert: „Umgang mit Angst und Gefühlen“, „Kraft der Gedanken“ und „Achtsamkeit in der Abstinenz und in der Beziehung“.
Zum weiteren Kennenlernen bieten sich im Rahmen der Alkoholfreien Familienfreizeit Veranstaltungen an wie Osterbrunch, Eisbeinessen, Weihnachtsmarktfahrt, Heiligabend und Silvester beim Kreuzbund. Für diese und weitere Termine finden sich Informationen unter www.kreuzbund- berlin.de. „Es geht um das Leben in seiner ganzen Fülle“, sagt Pfarrer Töpfner. „Wir nutzen unsere Chancen, wir nehmen unser Leben in die Hand und wir sind Kirche.“
So kann der Kreuzbund zum Geistlichen Prozess „Wo Glauben Raum gewinnt“ beitragen, indem er Türen öffnet und Leben teilt. Achtsames und respektvolles Zuhören sind dazu die ersten Schritte. Die Vision vom neuen Geistlichen Beirat des Kreuzbundes Berlin ist die gleiche wie aus seiner Zeit als Pfarrer in Müncheberg: „Einfach da zu sein für alle, die guten Willens sind“.
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