Die ghanaische Gemeinde von Berlin feierte ihr 25-jähriges Jubiläum mit einem bunten und lebhaften Festgottesdienst. In Berlin, im Erzbistum und in der deutschen Gemeinde fühlen sich die Gläubigen wohl, angekommen und als Teil des katholischen Lebens.
Als fast zum Schluss des Gottesdienstes ihr Pfarrer ans Mikrofon tritt, bricht kurz Jubel unter den ghanaischen Gemeindemitgliedern aus. Zunächst drückt Pfarrer Stephen Duodu seine Freude darüber aus, dass zwei prominente Männer gekommen sind: Heiner Koch, Erzbischof von Berlin, und John Opoku- Agyemang, Bischof der ghanaischen Diözese Konongo-Mampong, der eigens für dieses besondere Jubiläum – die ghanaische Gemeinde Berlin feiert ihr 25-jähriges Bestehen – nach Deutschland gereist ist. Duodu lässt seine Blicke durch die weit über den letzten Platz hinaus gefüllt Kirche St. Judas Thaddäus schweifen. Dabei betont er, dass die deutsche Gemeinde sie hier nie als Gäste, nie „nur zur Miete“ wahrgenommen habe. „Wir sind schon immer zu 100 Prozent Teil der Gemeinde.“ Dann bittet er die vielen deutschen Gemeindemitglieder, die zum Jubiläumsgottesdienst gekommen sind, aufzustehen. Unter Jubel und Applaus der Ghanaer erheben sie sich, winken teils etwas schüchtern, teils freudig in die Menge. Ein bisschen ungewohnt ist es doch, einen so anderen Gottesdienst in der wohlbekannten Kirche zu feiern, mit anderer Musik, mit Tänzen und Trommelschlägen. Manche haben extra bunte Hemden und Blusen aus dem Schrank geholt – aus Wertschätzung für die Kultur der Ghanaer, die heute im Mittelpunkt steht.
Ganz fremd sind sich die deutsche und die ghanaische Gemeinde in St. Judas Thaddäus indes nicht. Schon länger feiern sie Palmsonntag, Fronleichnam und inzwischen auch das Patronatsfest gemeinsam. Seit 2016 ist die ghanaische Gemeinde Teil von St. Judas Thaddäus, ihre Gründung war dagegen noch in deutlich kleinerem Rahmen. Am Pfingstsonntag 2000 trafen sich acht Erwachsene und einige Kinder im Berliner Afrika-Center zur Geburtsstunde der neuen muttersprachlichen Gemeinde. Entstanden war sie mit Hilfe des Afrikamissionars Pater Josef „Joe“ Rohrmayer, der lange Jahre in Ghana tätig war. Schon bald wurde der Mehrzweckraum für die wachsende Zahl der Gläubigen zu klein. Es folgten mehrere Umzüge, zuletzt nach St. Judas Thaddäus. Hier versammeln sich jeden Sonntag circa 200 Menschen zum Gottesdienst, den sie auf Englisch und Twi feiern. Auch Kinder- und Jugendgottesdienste, verschiedene Gebetsstunden und ein Chor gehören zum Gemeindeleben.
„Gemeinde ist ein Ort, an dem man sich wohlfühlt“, sagt Pfarrer Stephen Duodu und betont: „Wir fühlen uns hier sehr, sehr wohl.“ Wieder brechen seine Landsleute in Jubel aus. Dann dreht sich der Priester ein wenig in Richtung des Berliner Erzbischofs und schließt – wohl mit Blick auf dessen Strukturpläne: „Bitte denken Sie auch an uns, wenn es um diese Kirche geht.“ Denn die ghanaische Gemeinde ist 25 Jahre nach ihrer Gründung nicht nur Gast in der deutschen Kirche. Sie ist Teil der Ortsgemeinde, sie ist Teil des Erzbistums.