Die Krippenlandschaft verändert sich in Michendorf im Laufe der Advents- und Weihnachtszeit immer wieder. Viele kleine Details machen die Weihnachtsgeschichte für die Betrachter lebendig.
„Die Flöte fällt jedes Mal wieder ab“, konstatiert Thomas Barnack. Behutsam, aber erfolglos versucht er, der knapp 30 Zentimeter hohen Hirten-Figur aus Kunstguss einen Holzstab in die Hände zu drücken. Auch in diesem Jahr können die Besucher der St.-Josefs- Kapelle in Michendorf die wöchentlichen Veränderungen der Weihnachtskrippen-Szenerie verfolgen. Sie steht auf einer gut einen Quadratmeter großen Fläche am Rande des Altarraums, leicht erhöht, damit sie für alle gut sichtbar ist.
Von Beginn der Adventszeit bis Mariä Lichtmess präsentieren Thomas Barnack und Monika Gunkel aus der Michendorfer Gemeinde St. Cäcilia die Geschichte der Geburt Jesu seit fünf Jahren immer wieder aktuell und regen junge und ältere Betrachter dadurch zum Mitdenken an.
Freizeitbeschäftigung für einen Filmautor
Die Idee der „Wandelkrippe“ ist keinesfalls neu, sagt Monika Gunkel, die als Gemeindereferentin im Bistum Erfurt gearbeitet hat und vor sechs Jahren nach Michendorf zog. „Veränderte Szenen in der Krippe haben wir früher schon mit unseren Kindern nachgestellt, um ihnen die Personen und das Geschehen der Weihnachtsgeschichte bildlich nahezubringen“, sagt sie. Als sie in die Gemeinde St. Cäcilia kam und die Krippenfiguren im Fundus sah „… konnte ich nicht an mich halten“, erklärt sie lachend. Denn die Figuren hatten bewegliche Körper und in Monika Gunkels Kopf formte sich sogleich die Idee, dass man mit ihnen besonders gut arbeiten könnte.
In Thomas Barnack fand sie den richtigen Mitstreiter, mit dem sie immer zum Jahresende die Geschichte um Jesu Geburt variantenreich erzählen kann. Der Mittvierziger, Autor für Film und TV, gehört seit zwanzig Jahren zur Gemeinde und kannte die Krippenfiguren schon zu einer Zeit, als die Kapelle noch zum Gelände der Dominikanerinnen im Kloster am Wolkenberg gehörte. Er ist kreativ und hat großen Spaß an den manchmal marginalen Veränderungen in der Krippe. Er genießt den wöchentlichen Einsatz in der Michendorfer Kapelle zum Jahresausklang, wenn er aus Potsdam dorthin fährt: „Ich mag es, in der Ruhe hier allein zu arbeiten. Ich gestalte die Szenen neu, ziehe den Figuren manchmal andere Sachen an oder weise ihnen neue Bestimmungen zu“.
Monika Gunkel übersetzt in Alltagssprache
Die Vorlage für ihn sind Texte, die aus Monika Gunkels Feder stammen. Angelehnt an die Bibel und übersetzt in die heutige Sprache und Alltagssituationen, lässt sie handelnde Personen miteinander sprechen, so dass es selbst die Jüngsten verstehen können. Ohnehin merken die Kinder am schnellsten, wenn sich in der Wandelkrippe etwas verändert hat. Die sieben Kinder der Gemeinde, die sich gerade auf ihre Erstkommunion vorbereiten, kommen gerne mit ihren Eltern her.
Ein Lächeln huscht auch manchem Erwachsenen übers Gesicht, wenn Josef auf dem Weg nach Betlehem angesichts voller und teurer Herbergen sagt: „Maria muss sich ausruhen. Nun soll sich Gott mal etwas einfallen lassen. Schließlich hat er uns in diese Lage gebracht.“ Über dem Krippengeschehen wacht Erzengel Gabriel, der Maria diesmal zu Beginn der Advenszeit beim Wäschewaschen am Fluss „erwischt“ hatte und ihr dort verkündigte, dass Gott sie auserwählt hat. Ein leuchtendblauer Stoffschal symbolisierte das Wasser.
Schwester Utes Laterne in Ehren gehalten
Die Textdatei auf dem PC von Monika Gunkel heißt „Abgelauscht“. Sie enthält Variationen, die für vier Jahre reichen. In diesem Jahr hat sich die pensionierte Gemeindereferentin wieder an die erste Geschichte angelehnt.
Das Fortschreiten der Weihnachtsgeschichte erfreut auch Schwester Ute, die bis vor vier Jahren hier auf dem Klostergelände lebte. Sie kennt noch die Vorgänger-Krippenfiguren von vor 50 Jahren, die unbeweglich und nach der Wende sehr verbraucht waren und herbere Gesichter hatten. Mit leiser Freude entdeckte sie beim diesjährigen Krippenbesuch, dass Josefs Laterne und ein Stern, die sie damals gebastelt hatte, noch immer „in Betrieb“ sind. Thomas Barnack wird zum 6. Januar die Krippe um die Heiligen drei Könige erweitern.
Eine radikale Änderung der Szenerie bedeutet dann die Flucht nach Ägypten. Dafür, dass es auch nach Mariä Lichtmess keine „Routine-Gottesdienste“ in der charmanten St. Josef-Kapelle gibt, sorgt der vierköpfige liturgische Arbeitskreis der Gemeinde. Er hat die Krippe für 2024 schon jetzt im Blick. Fürs erste konnte Monika Gunkel Thomas Barnack mit einem Stück Draht aushelfen, damit er die Flöte des Hirten an dessen Händen befestigen kann. „Beim nächsten Weihnachtsfest sollten wir das mal mit Heißkleber machen“, schlägt sie vor.