Seit seiner Jugend ist Heinz Adler aus Frankfurt (Oder) regelmäßig in den Staaten des ehemaligen Ostblocks unterwegs. Aus touristischem Interesse wuchs eine langjährige Hilfe für Christen vor Ort.
Manchmal hängt ein Zeugnis der christlichen Liebe untrennbar mit einem Leben zusammen. Manchmal handelt eine Person und setzt mehr in Bewegung als sie sich je erträumt hätte. So eine Person ist Heinz Adler aus Frankfurt (Oder). Wenn man ihn fragt, wie es zur Gründung des Kinderheims in Nowosibirsk kam, dauert seine Antwort über eine Stunde, denn das ist eine lange Geschichte.
Eine Zufallsbegegnung mit Folgen
Eigentlich, erzählt Adler, während er in seinem Wohnzimmer mit Weihnachtsbaum und Krippe sitzt, habe er nur etwas von der Welt sehen wollen als junger Mann. Da er das in der damaligen DDR nicht unbeschränkt konnte, habe er die Freiheiten genutzt, die da waren. Das hieß damals, mit einem Freund per Anhalter durch den Ostblock zu reisen. Auf einer dieser Reisen traf der Katholik 1968 in Odessa vor der Oper auf eine Rosenkranz betende Frau. Sie kamen ins Gespräch, und es stellte sich heraus, dass die Frau Russlanddeutsche war und Verwandte auf Rügen hatte, die sie aber nicht zu erreichen wusste. Über den Pfarrer von Binz stellte Adler den Kontakt her, es folgten Besuch und Gegenbesuch.
Eine richtige Besuchstradition entwickelte sich, und Adler, der mittlerweile an der Schule für Caritative Dienste zum Fürsorger ausgebildet worden war und soziale Arbeit in verschiedenen Einrichtungen des Bistums Berlin leistete, fuhr immer wieder in die Länder der Sowjetunion. Er lernte verschiedenste Menschen kennen, insbesondere Christen, und wurde zum Bindeglied zwischen Christen in der DDR und den Ostblock-Ländern, trug materielle Hilfe in die eine und Informationen in die andere Richtung. Auf einer seiner ersten Reisen nach der Wende geschah es 1991 in Nowosibirsk, dass zwei Findelkinder vor der Kirche abgelegt worden waren. Heinz Adler ging mit zur Polizei. Doch auch die wusste nicht, was man mit den Babys tun sollte. Es war der Polizist, der sich nicht anders zu helfen wusste als der Kirche vorzuschlagen, ein Kinderheim zu gründen. Gesagt, getan: Mit dem damaligen Pfarrer von Frankfurt (Oder), Gotthard Richter, und der Caritas machte sich Heinz Adler daran, Spenden zu sammeln. „Mit Hilfe christlicher Zeitungen aus ganz Deutschland, unter anderem auch des Tag des Herrn, kam das Geld rasch zusammen“, erinnert sich der heute 74-Jährige. Alle Schwierigkeiten, die es auf deutscher und russischer Seite reichlich gab, konnten die Entstehung des Kinderheims in Nowosibirsk nicht verhindern, und so wurde 1993 der Grundstein gelegt, 1996 die Einrichtung eröffnet. Über viele Jahre und mit vielen Aktionen begleitete die Frankfurter Gemeinde das Projekt, und jedes Jahr konnte Heinz Adler einen Betrag an Spenden überbringen.
Begleitung, solange die Kräfte reichen
Seine Reisekosten, betont der Rentner, der auch heute noch für die Caritas in Frankfurt aktiv ist, habe er dabei stets aus eigener Tasche oder mit Hilfe einer Frankfurterin beglichen, nie aus Spendengeldern. Und so begleitete und unterstützte er das Heim, bis es 2015 durch den Staat geschlossen wurde. Aber ein Folgeprojekt – das „Mutter- Kind-Projekt der heiligen Sofia“, das in dem Gebäude untergekommen ist – unterstützt er bis heute. Genauso wie andere christliche Sozialprojekte in Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Solange es die Kräfte zulassen, betont Adler, will er auch weiter selbst hinreisen.
Kontakt: 03 35 / 53 25 75