Neues Haus in altem Gewand

Foto: taao i.A. Allerheiligen – Potsdamer Land und van geisten.marfels PartG mbB

In Potsdam baut die Gemeinde St. Peter und Paul ein neues Gemeindezentrum. Das Katholische Haus soll ein offener Ort für alle Menschen sein, die Gemeinschaft suchen.

Es kommt inzwischen selten vor, dass im historischen Holländischen Viertel in der Potsdamer Innenstadt gebaut wird. Das war in den 1990er Jahren anders, als viele der im Zweiten Weltkrieg beschädigten und später verfallenen Gebäude wieder liebevoll hergerichtet wurden. Das unter der Leitung eines Baumeisters aus Amsterdam zwischen 1733 und 1742 entstandene Kleinod steht heute komplett unter Denkmalschutz.

Dennoch soll genau hier Neues entstehen. Denn in diesem Tourismusmagnet zu bauen, sogar ein Gebäude in der einzigen noch existierenden Baulücke des Holländischen Viertels komplett neu zu errichten – nichts Geringeres hat sich die Potsdamer Gemeinde St. Peter und Paul vorgenommen. Die Baulücke befindet sich in der Gutenbergstraße 81 in Sichtweite zur eigenen Propsteikirche, die gegenüber auf dem Bassinplatz in den Himmel ragt. Ein ungewöhnliches, ambitioniertes Vorhaben. Und zugleich für die Gemeinde eine Chance, fußläufig zum Gotteshaus ein neues, größeres Pfarr- und Gemeindezentrum zu erhalten.

Das am Rande des Bassinplatzes befindliche, bislang genutzte Pater-Bruns-Haus ist nicht barrierefrei und längst zu klein, berichtet Propst Arnd Franke. 1990 zählte die damalige Pfarrgemeinde rund 3000 Mitglieder, heute ist die Gemeinde Teil der Pfarrei Allerheiligen – Potsdam Land. „Von unseren 11 000 Mitgliedern gehören mit rund 7000 die meisten zur Gemeinde St. Peter und Paul Potsdam“, erläutert der Propst. Daher erwarb das Erzbistum Berlin das letzte Lückengrundstück im Holländischen Viertel. Darauf soll nun ein 7,2 Millionen Euro teures und mit 940 Quadratmetern Nutzfläche deutlich größeres Gemeindezentrum entstehen. Es soll ein ungewöhnlicher Bau werden. „Wenn das Projekt wie geplant umgesetzt wird, ist es der erste Neubau im Barockstil in Holzbauweise“, sagt Architekt Eric van Geisten, als er der Gemeinde die Pläne vorstellte. Die vergleichbaren Häuser stammen entweder noch aus der Barockzeit selbst oder sie sind später dem Stil nachempfunden, aber aus Stein und Beton errichtet worden.

Straßenseitig wird die Holzbauweise nicht zu sehen sein, sondern ein Holländisches Haus nach historischem Vorbild mit rotem Klinker, Sprossenfenstern und Dachgaube. Dahinter werden ein modernes Quergebäude und ein Seitenflügel errichtet, so dass der Platzbedarf der gewachsenen Gemeinde gedeckt wird. „Wir wollen mit dem Bau aber auch die Präsenz der katholischen Kirche in der Landeshauptstadt Potsdam stärken“, betont Propst Franke. Neben einem großen und zwei kleineren Sälen soll auch das Katholische Büro im Seitenflügel Platz finden. „Und wir wollen auch ein Haus für die Stadt sein, in dem sich die Gemeinde zur Stadt öffnet, im dem wir einen offenen Raum oder ein Cafe im Eingangsbereich haben werden“, so der Propst. Nachdem im Sommer die Baugenehmigung erteilt wurde, erfolgte am 18. November der erste Spatenstich. Damit beginnen die Herrichtung des Grundstücks und die Tiefbauarbeiten. Der Rohbau wird ab Frühjahr 2026 errichtet. Bleibt es beim Zeitplan, wäre das neue Haus in altem Gewand Anfang 2028 fertig.