Das Jubiläumsjahr im Gedenken an die erste Pommern-Missionsreise des Bamberger Bischofs Otto vor 900 Jahren neigt sich dem Ende zu. Gregor Ploch hat von Greifswald aus mitgewirkt.
„Mich erstaunt, wie viele Menschen sich hier in der Region mit Bischof Otto identifizieren“, sagt Gregor Ploch, pastoraler Mitarbeiter der Pfarrei St. Otto und der Katholischen Studentengemeinde in Greifswald. Der promovierte Kirchenhistoriker betreut die neue Internetseite otto900.de, die Informationen zu Aktivitäten des Otto-Gedenkens an die pommerschen Missionsreisen der Jahre 1124 und 1128 bündelt.
Katholiken wie Lutheraner hätten sich schon vor dem Jubiläumsjahr für den Bischof interessiert, der nicht mit Waffen, sondern mit Argumenten missioniert hat. „Identifikationsfiguren wie Otto schweißen Christen, die in der Minderheit sind, zusammen“, erläutert Ploch. Die kleine altlutherische Gemeinde in Greifswald habe beispielsweise ihre Kirche nach dem Missionar benannt. Zum Netzwerk, das sich für das Otto-Gedenken engagiert, gehören neben den Kirchen unter anderem das Pommersche Landesmuseum, die Universität Stettin und der Heimatverband Mecklenburg- Vorpommern. „Unter den Nichtchristen sind es erwartungsgemäß vor allem kulturhistorisch Interessierte, die sich dem Thema öffnen“, hat der Mitarbeiter der Pfarrei St. Otto beobachtet.
Das Landesmuseum plant auf Initiative seiner evangelischen Leiterin Ruth Slenczka für 2028 eine Sonderausstellung zu Otto, in der es vor allem um seine zweite Reise gehen soll. Während der Bamberger Bischof 1124 vor allem Gebiete bereist hatte, die heute zu Polen gehören, lag der Schwerpunkt seiner Mission vier Jahre später auf vorpommerschem Terrain.
Hilfreiche Polnisch-Kenntnisse
Gregor Ploch, der aus der oberschlesischen Industrieregion stammt, nutzt seine polnischen Sprachkenntnisse, um die Zusammenarbeit zwischen Otto-Interessierten beiderseits der Grenze voranzubringen. Mit Greifswalder Studenten hat der 47-Jährige bereits eine Polen-Reise auf Ottos Spuren unternommen. Im Juni nahm er am offiziellen Auftakt des Gedenkens der polnischen Bischofskonferenz in Pyritz teil. Auch wenn er noch nicht alle Otto-Gedenkorte in Polen selbst bereist hat, gibt er gern Tipps, welche Orte sich für deutsche Besucher ohne Polnisch- Kenntnisse besonders lohnen. Neben dem Dom von Wollin empfiehlt er den Ottobrunnen in Pyritz als Ausflugsziel: „Der ist frisch renoviert und alle Erläuterungen kann man dort auf Deutsch und auf Polnisch lesen.“
Ihn selbst fasziniert an Otto am meisten, dass er sich gleich zweimal auf einen so langen und beschwerlichen Weg gemacht hat, ohne zu wissen, ob er ankommen und seine Mission überleben würde.