Reden, machen, ausgleichen

Andreas Statt (64) vor dem Marienaltar in der Potsdamer Kirche St. Peter und Paul. Foto: Stefan Schilde

Pfarrbrief, Krankenhaus-Förderverein, Kleingarten – Andreas Statt aus der Gemeinde St. Peter und Paul kommt schwer zur Ruhe. Er packt gern an, spricht aber auch viel mit seinen Mitmenschen. Oft entspringt dabei Gutes.

Noch immer ist seine Kamera Andreas Statts häufiger Begleiter. „Man weiß ja nie, was passiert oder sich ergibt“, sagt er. Über 20 Jahre war er als „rasender Reporter“ für den Pfarrbrief unterwegs. Der Grund dafür, dass es dazu kam, war eigentlich eher unerfreulich. Ein Mitglied des damaligen Pfarrgemeinderates von St. Peter und Paul Potsdam schied im Streit aus dem Gremium und wollte auch den Pfarrbrief nicht weiter befüllen. Obwohl er schon ehrenamtlicher Gottesdienstbeauftragter war, sagte Andreas Statt: „Ich mach‘s.“

„Wir waren ein gutes Team, mein Kompagnon Michael Kindler und ich. Wir hatten auch das volle Vertrauen vom damaligen Pfarrer Müller. Zwar haben wir ihm immer noch einen Korrekturabzug hingeschickt, aber manchmal war da nicht mal die Hälfte fertig“, erzählt der 64-Jährige und lacht. Bei der Aufgabe zugute kam ihm seine berufliche Expertise im Druckerhandwerk. „Ich bin gelernter Schriftsetzer, habe dann als Maschinensetzer gearbeitet. 1990 kam die Umschulung zum Lichtsatz, und wir arbeiteten mit modernen Gestaltungsprogrammen.“ Er erinnert sich an die Bedingungen früher: „Im dreckigen Blei bei 30 Grad, nur Staub und Hitze. Und alle haben geraucht. Ich war und bin absoluter Nichtraucher.“ 47 Jahre lang arbeitete er bei der Märkischen Allgemeinen, vor der Wende Märkische Volksstimme.

Aufgewachsen in katholischer Siedlung

Er erinnert sich auch noch gut an seine Kindheit, die er in der Brenninkmeijer-Siedlung in Teltow verlebte, zusammen mit vielen anderen Kindern aus katholischen Familien. „In der Gemeinde Sanctissima Eucharistia gab es über 60 Kinder in meinem Alter. Ich erinnere mich an Fußballspiele, Jung gegen Alt. Wir haben den ganzen Tag draußen gespielt und Krach gemacht, kein Nachbar regte sich auf. Oder das Spielen in der Jugendband mit Jugendpfarrer Gerhard Ratschke, in der ich Gitarre spielte. Sogar in der Hedwigskathedrale haben wir gespielt, bei der Stadtjugendmesse.“ Das Aufwachsen in der katholischen Siedlung habe ihn stark geprägt, sagt er.

Wenn Andreas Statt einmal ins Reden kommt, ist er kaum zu bremsen. „Ich bin schon ein kommunikativer Mensch, einer, der oft laut denkt.“ Immer wieder, hat er festgestellt, kam ihm diese Eigenschaft schon zugute. Als der Förderverein des St. Josefs-Krankenhaus, in dem er seit 2017 Kassenprüfer ist, dringend einen Schatzmeister suchte, stand gerade Beate Schmidt aus dem Pfarrgemeinderat neben ihm, als er laut gedacht hat. Schmidts Ehemann kannte sich von Berufs Wegen aus mit Finanzen und den Alexianern. „Seitdem er Schatzmeister ist, geht es bergauf, wir konnten Geld akquirieren und einige Projekte fördern. Wir haben eine tolle Truppe, es macht richtig Spaß“, sagt Andreas Statt.

Oder das andere Mal, als es um seinen Babelsberger Kleingartenverein ging, dessen Vorsitz er nach dem plötzlichen Tod des bisherigen Vorsitzenden übernommen hatte. Zwei hohe Tannen auf dem Areal mussten dringend gefällt werden. „Mit der Firma, mit der wir im Gespräch waren, wäre es zu teuer geworden.“ Ein paar Tage später räumte er nach einer Feier im Kindergarten von St. Antonius Babelsberg die Spülmaschine aus, zusammen mit dem Ehemann der Leiterin, die gerade verabschiedet wurde. „Ich erzählte, dass ich dringend einen günstigeren Anbieter brauchte. Und siehe da: Gerade erst hatten sie in Babelsberg eine Baumfirma auf dem Kirchengrund.“ Eine Woche später waren die Tannen im Kleingartenverein gefällt.

Er sei schon ein Typ, der mit anpackt, auch mal spontan Entscheidungen trifft, sagt Andreas Statt über sich selbst. „Manchmal zum Leidwesen meiner Frau, wenn ich schnell gehen musste.“ Aber ihm sei auch immer an Ausgleich und Kompromiss gelegen. Als in St. Peter und Paul einmal eine Maiandacht abgesetzt und stattdessen ein Segnungsgottesdienst für sich liebende Paare angesetzt wurde, protestierte eine Gruppe aus der Gemeinde draußen, betete den Rosenkranz. Unter ihnen: Andreas Statt. „Aber ich war danach auch bei der Segnungsfeier dabei.“ Wie so oft, habe er festgestellt, standen sich auch hier zwei Pole unversöhnlich gegenüber. „Die einen haben es total abgelehnt. Und die anderen waren rigoros für das Neue. Ich finde, beide Seiten hatten ihre Berechtigung. In solche Fällen muss man abwägen.“ So lange es der Lehre der Kirche entspreche, sei er für vieles zu begeistern.

„Die Alten nicht vergessen“

Das Althergebrachte und die Alten im Blick zu haben, liegt ihm am Herzen. „Unseren Willkommenstisch für die Zugezogenen zum Beispiel finde ich sehr gut“, sagt Andreas Statt. „Aber man muss auch die Alten im Blick behalten.“ Deshalb sind seine Frau und er nun auch in den Seniorenkreis von St. Peter und Paul eingestiegen, wo sie nun die jüngsten Mitglieder sind. „Wir sind zuversichtlich, dass demnächst noch weitere Pärchen dazukommen.“

Was ihn an seiner Kirche nervt? „Ich wünsche mir mehr Ehrlichkeit. Wenn beispielsweise personelle Wechsel von heute auf morgen vonstattengehen, ohne Angabe von Gründen, dann macht man sich seine Gedanken. Diese Geheimniskrämerei mag ich gar nicht“, sagt Andreas Statt.

Und wenn er mal richtig abschalten muss, dann fährt er zu den Zisterziensern nach Neuzelle, oder gleich nach Heiligenkreuz, wo sein Cousin Künstler-Mönch ist. „Als ich das erste Mal nach Heiligenkreuz kam, dachte ich gleich: Hier bist du irgendwo zu Hause.“ Mit Neuzelle fühlt er sich auch durch das Buch verbunden, das ihn seine Eltern zur Erstkommunion schenkten. „Darin waren die ganzen Schätze abgebildet, natürlich in Schwarz-Weiß.“

Auch die Musik hilft ihm dabei, runterzukommen. Besonders gut gefällt ihm Van Morrison mit dessen Mischung aus Folk, Blues und Jazz. Aber auch Neil Young. „Wenn ich nachts aufwache und mir die Gedanken durch den Kopf kreisen, dann singe ich für mich ‚Von guten Mächten wunderbar geborgen‘ von Siegfried Fietz. Danach kann ich beruhigt weiterschlafen."