In St. Mariä Himmelfahrt Angermünde treffen sich Gemeindemitglieder wöchentlich zum Rosenkranzgebet. Künftig soll es ein festes Anliegen geben: die Rückkehr der Kinder und Enkel in die Kirche.
Am Anfang war Gabriele Schenk noch allein. Nach der Arbeit ging die Pfarrgemeinderätin von St. Mariä Himmelfahrt Schwedt/Angermünde allein in die Kirche, um den Rosenkranz zu beten. „Ich habe gemerkt, wie sich mein Glaube dabei vertieft“, erzählt sie. „Beim Gebet habe ich etwas vor Augen, das mir am Herzen liegt. Und das lege ich Maria vor.“
Irgendwann kam ihr der Gedanke: „Warum eigentlich allein und nicht mit anderen?“ Mittlerweile treffen sich bis zu zehn Gemeindemitglieder jeden Dienstag, um gemeinsam den Rosenkranz zu beten. Natürlich nicht nur den Gebetstext. „Wir bauen auch andere Texte und Lieder ein, damit es abwechslungsreich bleibt.“
Nun erhält das Format erstmals ein festes Gebetsanliegen. Am ersten Dienstag eines jeden Monats wollen die Angermünder ihre Kinder und Angehörigen in den Blick und ins Gebet nehmen, die nicht mehr in die Kirche gehen. „Wir nehmen es einfach so hin und tun auch wenig dafür, dass sich das wieder ändert“, meint Gabriele Schenk. Die 64-Jährige selbst ist ebenfalls betroffen, denn auch ihre Töchter und Enkel haben sich von der Kirche entfremdet.
Buchlektüre lieferte den Impuls
Gabriele Schenk erklärt, wie sie auf die Idee gekommen ist, das Thema in das Rosenkranzgebet einzubinden. „Vor kurzem ist mir das Buch ‚Komm nach Hause‘ in die Hände gefallen. Der Autor Brandon Vogt zeigt darin Wege auf, wie es Eltern gelingen kann, ihre Kinder wieder zurück in die Kirche zu führen“, sagt Schenk. „Er beschreibt, wie man sich für diese Gespräche mit dem Kind wappnen sollte.“ Das beginne mit dem Blick auf das eigene Glaubens- und Gebetsleben und ermuntere zu Gebeten, Fasten und Opfern für das „Projekt“. Das Ziel sei es, zu erkunden, welche Gründe jüngere Generationen haben, nicht mehr in die Kirche zu gehen. „Das ist die Grundlage für die folgenden Bemühungen“, sagt Schenk. Doch es gehe nicht nur um Gesprächsführung, sondern auch um Verzeihen, Vertrauen oder die Nutzung von Internet und sozialen Medien.
Die Auseinandersetzung mit der Thematik, findet die Pfarrgemeinderätin, lohne sich nicht nur für Eltern, bei denen das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. „Es kann Eltern auch helfen, den heranwachsenden Kindern den Weg zu Gott zu erleichtern. Und natürlich kann es Christen inspirieren, die Familienangehörigen oder Freunden helfen wollen, bei der Stange zu bleiben“, sagt Gabriele Schenk.
Am Erfolg versprechendsten, so sieht sie es nach der Lektüre des Buches, seien all diese Bemühungen in der Gemeinschaft. „Der Autor Vogt schreibt, man sollte andere Christen bitten, den oft jahrelangen Prozess im Gebet zu begleiten. Für die, die – wie der verlorene Sohn im Gleichnis Jesu – die Heimat verlassen haben und den Weg zurück nicht alleine finden“, schreibt sie im Pfarrbrief.
Schenk will beharrlich bleiben
Für die Mitglieder der umliegenden Gemeinden des weitläufigen pastoralen Raumes Templin- Prenzlau-Schwedt, für die der Weg nach Angermünde zu weit ist, hat Gabriele Schenk Material vorbereitet. „Damit diejenigen von zu Hause beten können.“ Sie ist fest überzeugt: „Beten hilft wirklich.“
Und wenn die Bemühungen nicht gleich von „Erfolg“ gekrönt zu sein scheinen? Aus ihrer Sicht ist das kein Grund zum Nachlassen: „Gott hat Zeit mit uns. Wir Menschen sollten nichts übereilen, denn Gott übereilt auch nicht.“