Sekretärin und Psychologin

Gabriele Schwitalla muss derzeit viele Auskünfte geben und Ängste nehmen. Foto: Walter Plümpe

Die Pfarrbüros haben schon immer eine zentrale Funktion im Gemeindeleben eingenommen. In Zeiten von Corona gibt es besonders viel zu koordinieren, aber auch manche Ängste zu nehmen.

Ihre Berufsbezeichnung ist „Pfarrsekretärin“. Eigentlich müsste für Gabriele Schwitalla (62) noch der Zusatz „Psychologin“ hinzugefügt werden. Denn seit Corona gehört es zu ihren Standardaufgaben auch zu trösten, zu beschwichtigen, zu vermitteln, vor allem zuzuhören, was den rund 6 300 Mitgliedern der Gemeinde Heilige Familie in Prenzlauer Berg alles auf der Seele brennt.

Immer wieder sind es Ängste, die hinter den zahlreichen Anfragen am Telefon stecken: Kann ich als Geimpfte zum Gottesdienst kommen? Findet der Vortrag vom Diözesangeschichtsverein trotz der Pandemie überhaupt statt? Muss ich zum Elternabend für Kommunionkinder kommen? Gibt es noch Gruppenarbeit für Messdiener und Firmlinge? Was ist mit der Seniorenbegegnungsstätte? Wann singt der Kirchenchor wieder? Gibt es Hygienemittel zum Selbstbedienen in der Kirche? Wie wird die Kommunion gespendet?

Fragen beantworten und Ängste nehmen

„Die Corona-Pandemie hat viele Ängste gesteigert“, erlebt Gabriele Schwitalla immer wieder in ihren 20 Wochenstunden im Pfarrbüro. Viele leiden sehr unter dieser Situation, das kann bis zum Burnout gehen. Manches Problem geht auch ihr unter die Haut, manche Frage nimmt sie mit nach Hause. Doch sie sieht sich gut gerüstet, viele Sorgen zu mindern und mit klaren Informationen über Regeln auch Ängste zu nehmen.

Einige Gemeindegruppen wieder startbereit

So beginnt in diesen Tagen wieder das monatliche Bibelgespräch, die Seniorengruppe „English Conversation“ wird vermutlich nach Ostern wieder englisch sprechen, die Krabbelgruppe steht in den Startlöchern.

Doch fällt weiterhin vieles an gewohnter Gruppenarbeit aus. Die Zahl der Taufen und Trauungen geht rapide zurück, die Kirchenaustritte dagegen steigen an. Viele Gruppen haben sich für fünf als höchste Teilnehmerzahl entschieden, viele langjährige Gottesdienstbesucher sucht man vergeblich.

Auf dem Schreibtisch von Gabriele Schwitalla liegt eine Liste mit aktuellen Zahlen und Namen von Gottesdienstteilnehmern, die sich nicht per Internet anmelden. „Viele haben schon ein Abo“, schmunzelt sie. Gewissenhaft werden für jeden Gottesdienst Namen und Kontaktdaten festgehalten – wie es vom Erzbischöflichen Ordinariat vorgeschrieben ist.

Mit Pfarrer Michael Höhle und den Gremien der Gemeinde hofft sie auf ein baldiges Ende der Pandemie, „damit endlich wieder normale Zeiten kommen“. Dass Corona-Ängste so gravierende Ausmaße annehmen könnten, hat sie sich nie vorstellen können.