Sprachfähig und angstfrei

Das Zwillingsgebäude beherbergt das Institut für Islamische und das für Katholische Theologie. Foto: kna/Julia Steinbrecht

Das erste Semester hat das Institut für Katholische Theologie an der Berliner Humboldt-Universität nun hinter sich. Erste Erfahrungen von Lehrenden und Lernenden fallen positiv aus.

An dem schönen backsteinernen Gebäude, das einmal der Charité für ihre Rechtsmedizin gedient hatte, werden noch letzte Restaurierungsarbeiten vorgenommen. Aber das Institut für Katholische Theologie an der Humboldt-Universität zu Berlin hat bereits seine Arbeit aufgenommen. Seit Oktober 2019, dem Start des Wintersemesters, studieren in der Hannoverschen Straße 6 in Berlin- Mitte 42 junge Frauen und Männer.

Chance, einen Beitrag zur Verständigung in der modernen Gesellschaft zu leisten

Die katholische Theologie ist somit ins Zentrum der Stadt gekommen. Ab 1957 war sie als Seminar an der Freien Universität in Berlin-Dahlem zuhause. Nun ist sie Teil der wesentlich älteren und an geschichtlicher Bedeutung reicheren Humboldt-Universität. Und Teil einer veränderten städtischen Kultur samt daran ausgerichteter veränderter Universitätslandschaft.

So hat im Zwillingsgebäude gegenüber ebenfalls zum Wintersemester 2019 das Institut für Islamische Theologie seinen Lehrbetrieb aufgenommen. Der Senat von Berlin war interessiert daran, für die drei großen monotheistischen Religionen neue Ausbildungsstätten einzurichten. Das traf mit dem Anliegen des Erzbistums Berlin zusammen, mit dem Institut dem katholisch geprägten Christentum einen Platz an der Humboldt-Universität zu verschaffen.

Georg Essen, Professor für Systematische Theologie am Institut, sieht in seiner zentralen Lage die Chance, einen Beitrag zur Verständigung in der modernen Gesellschaft zu leisten. Er ist der Überzeugung, „dass in dem gesellschaftlichen Kontext, den wir in Berlin haben – große Säkularisierung, große Pluralität – das Religionsthema nicht verschwindet, sondern dass der Deutungsbedarf steigt.“

Dem begegnet das Institut auch dadurch, dass es neben den klassischen theologischen Fächern den Themenbereich Theologische Anthropologie – eine christlich-katholische Lehre vom Menschen, die ins Gespräch treten will mit anderen Menschenbildern – und einen Bachelor „Religion und Gesellschaft“ anbietet. Letzteres ein Pendant zum Masterstudiengang „Religion und Kultur“ der evangelisch-theologischen Fakultät.

Dort war bisher die „Guardini-Professur für Religionsphilosophie und Katholische Weltanschauung“ zuhause, die nun dem Institut unter dem neuen Namen „Guardini-Professur für Religionsphilosophie und Theologische Ideengeschichte“ angegliedert wurde. Wie ihr Namensgeber, der Religionsphilosoph Romano Guardini, der von 1923 bis zum Verbot durch die Nationalsozialisten 1939 an der Humboldt-Universität gelehrt hat, sind die wechselnden Lehrstuhlinhaber bestrebt, aktuelle religionsphilosophische und theologische Themen auf gesellschaftlich relevante Problemstellungen zu beziehen.

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten für die am Institut Ausgebildeten

Neben dieser Mittlerfunktion ist es natürlich Aufgabe des Instituts für Katholische Theologie, die Grundlagen und Facetten des christlichen Glaubens in seiner katholischen Prägung mitzuteilen und seine Relevanz und Plausibilität zu veranschaulichen.

So ausgerüstet, sieht Georg Essen vielfältige Einsatzmöglichkeiten für die am Institut ausgebildeten Frauen und Männer. Etwa in den Medien und in politischen Stiftungen. Wichtig dabei ist, sagt er, „dass es gut ausgebildete Theologen sind, die sprachfähig sind, die artikulationsfähig sind und, das finde ich wichtig, die angstfrei sind.“

Das gilt natürlich auch für das Haupteinsatzgebiet der Absolventen, die Schulen, denn vornehmlich werden am Institut Religionslehrer ausgebildet.

Zu denen, die mit diesem Ziel das Institut besuchen, gehört die 20-jährige Sophie Katharina Sukowski. Sie studiert neben Katholischer Theologie Geographie, um später beide Fächer unterrichten zu können. Ihr bereitet das Studium hier viel Freude, denn, sagt sie, „man erfährt und behandelt Dinge, mit denen man sich noch nicht tiefer beschäftigt hat, die aber Thema waren. Und nun beschäftigt man sich damit auf einer ganz anderen Ebene. Und erkennt neue Aspekte daran. Diese Aspekte sehen zu lernen, ist einfach großartig.“