Der Eberswalder Sebastian Heimann hat ein modernes Kammerspiel über ein theologisches Thema geschrieben. Damit gewann er einen bundesweiten Kreativwettbewerb.
Ein modernes Kammerspiel zum Thema „Kanon und Diskurs“ – lockt das heute noch jemanden hinterm Ofen hervor? Der Eberswalder Sebastian Heimann (43) und eine Jury, die sein Stück kürzlich mit einem ersten Preis honorierte, hoffen das. „Kanon und Diskurs“ war der Titel des Kreativwettbewerbs 2025 der Görres-Gesellschaft, einer bundesweiten Vereinigung von Historikern, Theologen und Juristen.
Was sich etwas sperrig im täglichen Gebrauch anhört, meint das Gespräch (Diskurs) über die Betrachtung von Anerkanntem (Kanon) in Literatur, Philosophie oder Soziologie. Als Sebastian Heimann das Thema im Winter auf einem Flyer in Rom las, dachte er an die Studienarbeit, die er gerade an der Domschule Würzburg für sein Theologiestudium eingereicht hatte. „Wie transformiere ich das Thema der wissenschaftlichen Arbeit in eine allgemein verständliche Form? Kann ich es so weit runterbrechen, dass es Spaß macht, zu lesen und der Laie es versteht“, fragte er sich. In seinem Kammerspiel gibt er nun mit einem theologischen Disput die Antwort auf die Frage, was die altehrwürdige katholische Lehre mit dem heutigen Zeitgeist zu tun hat. Die Umsetzung lobt die Jury.
In sechs Akten entwickelt sich zwischen „Schwester Kanon“, die für Tradition und dogmatische Wahrheiten steht, und „Schwester Diskurs“, die den freien Austausch von Ideen und das Hinterfragen etablierter Normen verkörpert, ein theologischer Disput. Mit historischen Personen wie Athanasius dem Großen, Johannes Paul II., Benedikt XVI. und fiktiven Figuren wie dem „Gentleman“ – eine Anspielung auf Mephisto – angereichert, wird die Bühne Schauplatz intellektuellen Ringens um Erkenntnis und Wahrheit. Heimann gelingt es so, das Spannungsfeld zwischen Tradition und Fortschritt so darzustellen, dass es zum Nachdenken anregen kann. Dabei nutzt er eine moderne, jugendgemäße Sprache, was die Jury zusätzlich beeindruckte.
Sebastian Heimann ist Katholik und gehört zur Gemeinde St. Peter und Paul in Eberswalde. Seine Eltern, die Familie ist deutschstämmig, kamen 1989 mit zwei Söhnen aus Polen nach Baden Württemberg. 2008 ging er der Arbeit und der Liebe wegen nach Berlin, 2022 nach Eberswalde. In der dortigen Gemeinde fühlte er sich herzlich willkommen. Doch die Glaubensferne der Ostdeutschen überraschte ihn, steht sie doch im Gegensatz zur polnischen Bevölkerung, die ihre Religiosität über die Zeit des Sozialismus bewahrt hat.
Heimann arbeitet in Berlin als Lobbyist, ist Bundesgeschäftsführer des Deutschen Familienverbandes. Er ist im Herbst 2024 zum Vorsitzenden der CDU Eberswalde gewählt worden. „Man muss sich engagieren“, findet er und tut das auch, indem er die Kinder- und Jugendarbeit seiner Kirchengemeinde unterstützt. „Versuchen, den Glauben zu entfachen“, ist sein Motto. Mehr vom Glauben zu erfahren und seiner Gemeinde etwas zurückzugeben, war sein Antrieb, ein Theologiestudium zu beginnen und das Ständige Diakonat für sich ins Auge zu fassen. „Je intensiver ich mich mit dem Glauben befasse, desto mehr gibt es zu lernen“, sagt Heimann.