Angesichts der zugespitzten Lage in der Ukraine hatte der Ökumenische Rat der Kirchen zu einem Friedensgebet eingeladen. Gemeinsam beteten die Christen um Frieden und eine Lösung des Konflikts.
Der Ökumenische Rat Berlin- Brandenburg (ÖRBB) hatte am vergangenen Wochenende zu einem ökumenischen Gebet für den Frieden in der Ukraine in die Gedenkkirche Maria Regina Martyrum eingeladen. „Selig, die Frieden stiften, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden“, war dafür das Leitwort aus der Bergpredigt. Gekommen waren neben den Vertretern der Mitgliedskirchen auch Diplomaten der ukrainischen Botschaft mit ihrem Botschafter Andrij Melnyk und Bischof Bohdan Dzyurakh. Der frühere Weihbischof in Kiew ist seit 2021 Apostolischer Exarch der in Deutschland und Skandinavien wohnenden katholischen Ukrainer des byzantinischen Ritus.
In seiner Predigt verwies Monsignore Hansjörg Günther auf die aktive Rolle der Friedensstifter. Das hebräische Wort für Frieden – Shalom – meine nicht nur „keinen Krieg“, sondern im umfassenden Sinn das Heilsein und das Ganzsein eines Einzelnen oder einer Gemeinschaft. Dazu gehörten unter anderem die Solidarität einer Gesellschaft, soziale Gerechtigkeit und eine intakte Natur. Der Wunsch nach Frieden sei ganz tief in der menschlichen Natur verwurzelt – wie die Sorge um Erhaltung der Gesundheit und die Bewahrung vor unheilbarer Krankheit. „Selig ist diese Welt, wenn der Gott des Friedens auf das hoffende Tun von Friedensstiftern trifft“, beendete er seine Predigt.
„Es geht um einen Krieg, der länger als der Zweite Weltkrieg herrscht“, sagte Bischof Dzyurakh. Das Leiden seines Volkes schmerze ihn. Aber im Gebet sah er sich mit allen Christen vereint. „Nur so sind wir glaubwürdig.“ Wichtig sei, nicht gleichgültig zu bleiben. „Gleichgültigkeit tötet nicht weniger als konventionelle Waffen.“ Botschafter Melnyk wies ebenfalls auf den Ernst der Lage in der Ukraine hin. „Jetzt spitzt sich die Lage dramatisch zu und wir befürchten das Schlimmste. Wir beten, dass Gott uns davor bewahrt.“
„Hört auf mit dem Krieg und sucht den Frieden!“, mahnte Bischof Christian Stäblein, Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg- schlesische Oberlausitz. Es müsse aufhören, die Region und Europa in Angst und Schrecken zu versetzen, richtete er sich direkt an die Aggressoren. Frieden als Aufgabe zum Deeskalieren, Frieden als Thema des Gebetes, mit dem man Gott in den Ohren liegen müsse, Frieden als Einsicht, dass der Nächste ist wie ich: Das sei auch der Auftrag der Bergpredigt.
Ein großer Ernst und eine spürbare Betroffenheit lag über dem Friedensgebet, das live gestreamt wurde. Ein ökumenisches, empathisches Beten für den Frieden in der Ukraine.