„Wir lassen nicht locker“

Berliner kfd-Frauen und ihre Gäste (von links): Anne Borucki-Voß (Theologin von Evas Arche), Angelika Streich (Sprecherin der kfd Berlin), Rosemarie Rietz, Angelika Plümpe und Christa Drutschmann (alle kfd-Vorstand Berlin) sowie Ulrike Göken-Huismann (kfd-Bundesvorstand). Foto: Walter Plümpe

Auch Frauen besitzen die Gnadengaben des Heiligen Geistes. Darauf machte die Katholische Frauengemeinschaft in Berlin anlässlich ihres 60-jährigen Bestehens aufmerksam. Erzbischof Koch schickte einen Gruß.

„Warum sollen die Hände einer Frau das Brot nicht wandeln können, das Brot nicht brechen können?“, fragte Ulrike Göken-Huismann vom Bundesvorstand der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd). Beim Predigtgespräch der Wortgottesfeier zum 60-jährigen Bestehen des Verbandes im Erzbistum Berlin in der Kirche St. Ansgar zählte sie zusammen mit Angelika Plümpe, geistlich-theologische Begleiterin, die Feuer der Gnadengaben auf, die auch Frauen zugesprochen seien. Wie ein Sauerteig nicht zu stoppen sei, wirke auch Gottes Geist in der Welt. Dabei „durchsäuerten“ auch Frauen Kirche und Welt mit ihren Charismen. Auch wenn Frauen noch nicht alle Charismen einsetzen dürfen, betonten die beiden Predigerinnen: „Wir lassen nicht locker.“ Gott habe allen einen Geist der tätigen Kraft gegeben – wie der Frau im Evangelium, die Sauerteigbrot backt.

In seinem schriftlichen Grußwort gratulierte Erzbischof Heiner Koch den Berliner kfd-Frauen. Er dankte dafür, dass der Verband nicht zu einer Gemeinschaft verkümmere, in der Menschen nur sich selbst bestätigten. „Sie stellen sich in den Dienst der Frauen in Kirche und Gesellschaft, die sich dort oftmals am Rande sehen.“ Das seien in Berlin viele Alleinerziehende und Frauen im Alter, Frauen mit oft schwer zu tragenden Handicaps, Frauen mit dem Leid von Migration, Mütter kinderreicher Familien, die sich nicht selten diskriminiert fühlen, oder Frauen im Gefängnis. „Ich danke Ihnen, dass Sie gerade als christlicher Frauenverband die Sorgen und das Leid dieser Menschen nicht aus dem Blick verlieren.“

Einsatz für die Rechte der Frauen in der Kirche

Angelika Streich, Sprecherin der kfd, beklagte, dass die kfd noch immer an die Grenzen einer Kirche stoße, „die bis heute das Patriarchat und den Sexismus nicht überwunden hat“. Seit Jahrzehnten werde um die Gleichstellung von Frauen gerungen, werde der Zugang zu allen Ämtern gefordert, werde um die Anerkennung der unterschiedlichen Lebensformen gekämpft. „Auch wenn die Geduld erschöpft ist, wir bleiben dran.“ Immer wieder werde die kfd sich für die Rechte der Frauen in der Kirche einsetzen.

Im Blick auf die Entwicklung im Erzbistum Berlin beklagte Angelika Streich, dass die Frauenseelsorge zum Erliegen gekommen sei. Gemeinsam mit dem Diözesanrat, dem KDFB (Katholischer Deutscher Frauenbund) und anderen Frauenverbänden werde darum nach Wegen gesucht, die Frauenseelsorge wieder zu beleben. „Ich bin zuversichtlich, dass unser Verband auch in den kommenden Jahren eine starke Gemeinschaft bleibt.“

Angelika Streich dankte den beiden Leiterinnen des Gottesdienstes. „Sie machen bewusst, dass Frauen sich berufen fühlen, dass die kfd der Ort ist, Begabungen und Charismen einzusetzen, Kreativität und frauenspezifische Spiritualität zu entfalten.“ Der kfd im Erzbistum wünschte sie Zuversicht für die weitere Entwicklung. „Gehen wir dabei auf die Menschen zu, auch auf die Frauen, die nicht regelmäßig zum sonntäglichen Gottesdienst kommen. Vernetzen wir uns ökumenisch.“ Beispiele dafür, dass der Verband weiter ökumenisch unterwegs sein will, sind die Beteiligung am ökumenischen Schöpfungstag, an ökumenischen Frauengottesdiensten, am Weltgebetstag sowie am Dialog mit anderen Religionen.

Lassen Sie sich nicht entmutigen!“, rief Karlies Abmeier, die Vorsitzende des Diözesanrats der Katholiken im Erzbistum, den kfd-Frauen zu. Der Diözesanrat sei dabei, Anliegen von Frauen hörbar und sichtbar zu machen. Barbara John vom KDFB ermutigte dazu, „mit Leidenschaft und Lebensfreude die Kirche an diese Zeit anzupassen“.

Gemeinsam weiter träumen

Anne Borucki-Voß von Evas Arche rief die kfd-Frauen auf: „Träumt weiter – gemeinsam!“ Sie erinnerte an die Frauengottesdienste zum 8. März und 25. November jeden Jahres, an den ökumenischen Kreuzwegkirchgang und an die Bewegung „Maria 2.0“.

Unter den Ehrengästen der Feier war auch Ulrike Göke-Huismann vom kfd-Bundesverband. Sie überreichte ein Rollup-Banner und eine Beach-Flag mit kfd-Werbung als Geschenk.

Die diesjährige kfd-Aktionswoche, die vom 20. bis 26. September stattfindet, steht unter dem Motto „Frauen, ist euch das genug?“ Inhaltlich geht es dabei um mehr und gerechten Lohn für Frauen, um eine existenzsichernde Rente und eine Aufwertung typischer Frauenberufe.