„Werden wir eines Tages wissen, warum die Menschen so viel gelitten haben?“, vor zwei Tagen, am zweiten Jahrestag des Überfalls der Hamas auf Israel habe ich mir in besonderer Weise die Frage des russischen Dichters Anton Tschechow gestellt. Und als Christ frage ich meinen Gott: „Warum lässt Du so viel Leid in dieser Welt zu? Wo warst du, Gott, um dem Terror in den Arm zu fallen?“
Es ist keine theoretische Frage. An der Frage und daran, dass es einfach keine einfache Antwort darauf gibt, sind Menschen verzweifelt und zerbrochen, viele haben angesichts des Leids auch ihren Glauben an Gott verloren.
Und dennoch halten wir an Gott fest, auch wenn wir gestehen, dass es auch aus dem christlichen Glauben, aus dem Glauben an einen Heiland, an Jesus Christus, der wieder „heil macht“, keine einfache Antwort gibt.
Was wir angesichts des Leids tun können:
Wir stellen uns schweigend vor Gott – mit den Opfern, mit den Leidenden und halten sie alle Gott hin.
Wir lassen nicht nach, zu bitten und zu ihm zu beten, auch wenn wir ihn nicht verstehen. Gott übersteigt unser Begreifen weit.
Wir lassen aber auch nicht nach, die Frage nach dem Leid zu stellen, wir lassen die Not zum Himmel schreien und wir schreien fürbittend zu Gott mit den Verwundeten und Verletzten, mit den Trauernden und Verzweifelten und mit dem Schweigen der Getöteten, das so schwer zu Gott gen Himmel steigt.
Fürbitte mag hilflos erscheinen, aber wir tun es gemeinsam und laden alle ein, sich einzureihen – unabhängig davon, ob sie an einen Gott glauben oder nicht.
Fürsprache mag ohnmächtig erscheinen, aber wir bitten und beten für alle Opfer von Gewalt, ausnahmslos.
Das Gebet um Frieden mag sinnlos erscheinen, aber wir beten so laut, dass nicht nur Gott es hört, sondern auch alle in unserer Welt, auch die, die dem Frieden im Weg stehen.