Eigentlich gibt es in Frankreich weniger Feiertage als in Berlin, vor allem weniger kirchliche. Warum nun ist ausgerechnet morgen das Fest Mariä Himmelfahrt in Frankreich arbeitsfrei?
Christen feiern überall, dass Maria mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen wurde. Damit hat die Kirche schon sehr früh die besondere Rolle der Mutter Gottes und die große Verehrung ihr gegenüber zum Ausdruck gebracht. Vor allem aber verkündigt die Botschaft dieses Tages, dass wir alle auf eine gute, von Gott eröffnete Zukunft zugehen. Wir sind auf dem Weg über unseren Tod hinaus in den Himmel, wo Gott auf uns wartet, uns bei sich aufnimmt und alles heilt.
In Berlin erinnert daran kein gesetzlicher Feiertag, warum also ausgerechnet in Frankreich?
Geschichtlich geht es zurück auf einen Kinderwunsch: 20 Jahre blieb die Ehe von Ludwig XIII. kinderlos, erst – so die Überzeugung des Königs – als er sich an Maria gewandt hatte, wurde seine Frau Anna schwanger. Und weil sich beide so sehr über die Geburt ihres Kindes freuten, spendierten sie den Franzosen einen arbeitsfreien Marien-Feiertag, eben am 15. August. Später war der 15. August Napoleons Geburtstag und damit sogar Nationalfeiertag.
Als Maria selbst erfährt, dass sie schwanger ist, singt sie vor Freude ein Lied, das „Magnificat“. „Meine Seele preist die Größe des Herrn und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter“, so fängt es an. Aber dann zeigt sich, dass Maria die Macht und die Herrschenden durchaus kritisch sieht: „Gott zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen.“
Priester und Ordensleute beten dieses Magnifikat jeden Tag. Man sollte es sich und den Mächtigen auf den Thronen dieser Welt viel öfter und nicht nur am morgigen Feiertag vorsingen: Eure Macht ist Euch nur verliehen, geht damit gewissenhaft und verantwortungsvoll um. Maria selbst wusste darum. Und auch wenn wir morgen ihre Aufnahme in den Himmel feiern, so bleibt sie doch diejenige, die das Ohr und den Blick für die Niedrigen und Unterdrückten hat.