BZ-Kolumne

„Was ist eigentlich Fronleichnam?“

„Was ist eigentlich Fronleichnam?“, fragte mich ein Taxifahrer, „Feiertag ist es hier ja nicht“. Eine berechtigte Frage, denn heute ist in Berlin ein normaler Arbeitstag.
Und dann klingt Fronleichnam auch noch merkwürdig: „Fron“ bedeutet „Herr“ und „Leichnam“ meint den lebendigen (!) Leib.

Und auch wenn kein Feiertag ist: wir feiern heute Jesus Christus, der mit uns Eucharistie feiert. Und wir gehen damit raus aus den Kirchen, heute Abend auf dem Bebelplatz, am Sonntag in vielen Gemeinden in ganz Berlin, mit Prozessionen auf Straßen und Plätzen. Denn Glaube ist keine Privatsache, die man besser für sich behält.

An Fronleichnam zeigen wir: Unser Glaube gehört nicht nur in den geschützten Kirchenraum. Er gehört mitten ins Leben, dorthin, wo Menschen arbeiten, einkaufen, sich treffen.

Heute um 18.00 Uhr feiern wir auf dem Bebelplatz auf der Bühne der „Staatsoper für Alle“ einen großen Gottesdienst mit mehreren tausend Menschen. Ausgerechnet dort, wo 1933 Bücher verbrannt wurden, wo Geist und Kultur mit Füßen getreten wurden. Heute tragen wir dorthin das Evangelium – die Botschaft der Liebe, der Versöhnung, der Hoffnung.

Jesus will nicht nur sonntags in der Kirche sein. Er will bei uns sein im Alltag, in unseren Sorgen und Freuden, in unserer Arbeit und Freizeit. Fronleichnam erinnert uns daran: Christus geht mit uns – auch durch die Straßen Berlins.
In einer Zeit, in der viele Menschen nach Halt und Orientierung suchen, ist das ein starkes Zeichen. Wir verstecken uns nicht. Wir stehen zu dem, was uns trägt. Friedlich, fröhlich, einladend.

Auch wenn Sie nicht katholisch sind – kommen Sie doch vorbei! Heute um sechs auf dem Bebelplatz. Erleben Sie, wie aus vielen Einzelnen eine große Gemeinschaft wird. Wie mitten in Berlin der Himmel die Erde berührt.
Der fragende Taxifahrer überlegt auch, ob er kommt. Ich würde mich freuen, auch Sie sehen!