BZ-Kolumne

Vergebung statt Vergeltung

Am 18. Dezember 1987 wurde in der damaligen DDR die Todesstrafe abgeschafft. 1981 war zum letzten Mal eine Todesstrafe ausgeführt worden. Damals wurde der Stasi-Hauptmann Werner Teske im Hinrichtungsraum der Leipziger Haftanstalt getötet. 1960 bis 1981 starben hier 64 Menschen. Ihr Leben wurde abgekürzt. Damit wurde ihnen die Möglichkeit genommen, ihre Straftat zu bereuen, sich zu besinnen und zu bessern. Nachträglich wurde nach 1990 im Hinrichtungsraum ein Kreuz aufgehängt in Erinnerung an den, der sich für das Leben eingesetzt hat. 1969 hatte ebenfalls am 18. Dezember das britische Oberhaus der Abschaffung der Todesstrafe in Großbritannien zugestimmt.

1969, 1987, 2025, damals wie heute eine Woche vor Weihnachten. Eine Woche vor der Geburt jenes Menschen, der das Leben und nicht den Tod will. Er, der Jesus heißt, wird in Betlehem geboren, einer kleinen Stadt in jener Region, in der so viele Menschen auch in diesem Jahr getötet wurden. Das Anliegen des Weihnachtsfestes, Leben im Frieden zu ermöglichen, ist vielerorts noch nicht verwirklicht.

18. Dezember 2025, ein Tag, an dem weltweit das Töten beendet werden kann. Dann würde keinem Menschen die Chance genommen, sein Leben zu leben. Dann würden alle Menschen lebenslang versuchen können, bessere Menschen zu werden. Das ist ein frommer Wunsch auf dem Wunschzettel. Was würde Jesus dazu sagen? Wer weiß das schon. Aber gegen das Töten und für das Leben war und ist er allemal, nicht nur zur Weihnachtszeit. Vergebung statt Vergeltung ist das Motto dieses Jesus, ohne den es Weihnachten nicht gäbe.

Heute schreibe ich zum letzten Mal diese Kolumne in der B.Z. Ich bin dankbar, dass in der B.Z. mehr als 20 Jahre lang gefragt wurde, was Jesus zu aktuellen Themen sagen würde. Wenn es auch 2026 diese Kolumne nicht mehr geben wird, so bleibt die Frage, was Jesus zu Themen unserer Zeit sagen würde, wichtig; nicht nur, wenn es um Leben und Tod geht.