Verantwortung für das große Ganze Leiter der Entwicklungsphase treffen sich mit Erzbischof Koch zum Erfahrungsaustausch

Msgr. Hansjörg Günter moderierte die Gesprächsrunde. Foto: Herrmann

16 Pfarrer aus Vorpommern, Brandenburg und Berlin sitzen im Dachgeschoss des Erzbischöflichen Ordinariats in der Niederwallstraße. Die meisten von ihnen wurden in den vergangenen Monaten von Erzbischof Heiner Koch zum „Leiter der Entwicklungsphase“ in ihrem Pastoralen Raum ernannt. So mancher steht kurz vor seiner Ernennung. Sie treffen sich an diesem Mittag erstmals zu einem Erfahrungsaustausch. Geladen haben Erzbischof Heiner Koch, das Personaldezernat sowie die Stabsstelle „Wo Glauben Raum gewinnt“.

„Sie sind zentrale Multiplikatoren in die Pastoralen Räume hinein“, begrüßt Erzbischof Koch die versammelten Priester herzlich und hebt die Bedeutung dieser erstmals zusammengekommenen Runde hervor. Sie bietet den Leitern der Entwicklungsphase die Möglichkeit, über ihre unterschiedlichen Erfahrungen in ihren doch sehr unterschiedlichen Pastoralen Räumen, die noch dazu an unterschiedlichen Wegmarken in der Entwicklungsphasen stehen, austauschen zu können. Zudem können sie sich hier in offener Runde von den Verantwortlichen aus dem Erzbischöflichen Ordinariat informieren lassen und mit ihnen über offene Fragen und unklare Prozesssituationen sprechen und diskutieren. So erläutert an diesem Nachmittag Markus Weber von der Stabsstelle Details zum Ablauf der Entwicklungsphase. Personaldezernent Msgr. Hansjörg Günther spricht über die Rolle des Pfarrers und des Pfarrvikars sowie über die Strukturen und Gremien in Pastoralen Räumen. Und Markus Papenfuß informiert über zentrale Fortbildungsangebote.

Verantwortung, Sendungsauftrag, Beheimatung


In seiner Einführung macht Erzbischof Koch seinen Blick auf den Pastoralen Prozess „Wo Glauben Raum gewinnt“ deutlich. Für ihn ist dies kein Prozess, der mittels großer Strukturen alles gleich machen soll, sondern er sieht ihn als Aufforderung, in jedem Pastoralen Raum den regionalen Gegebenheiten gerecht zu werden, um nah bei den Menschen zu sein. „Greifswald ist nicht Moabit, Marzahn nicht Charlottenburg, Brandenburg nicht Rügen. Jeder Raum muss seinen eigenen Weg finden“, betont er, „allerdings ohne die Verantwortung für das große Ganze aus den Augen zu verlieren.“

Erzbischof Koch benennt drei zentrale Säulen für einen jeden Pastoralen Raum: Erstens müsse sich jeder Pastorale Raum der Verantwortung stellen, die sich aus der Geschichte seiner einzelnen Pfarreien ergebe. Zweitens solle sich jeder Pastorale Raum seines Sendungsauftrags bewusst sein, den er für den Sozialraum, den gesellschaftlichen Raum übernimmt, auf den sich sein Gebiet erstreckt. Drittens habe jeder Pastorale Raum mit seinen Gemeinden, den katholischen Christen vor Ort Beheimatung zu bieten. „Die Großstruktur eines Pastoralen Raumes braucht eine lebendige Substruktur vor Ort, wo der einzelne sagt: Hier fühle ich mich wohl, hier gestalte ich mit, hier übernehme ich Verantwortung.“

Werkzeuge und Ideen


Die Runde an diesem Nachmittag wie auch die Entwicklungsphase ist für alle Anwesenden komplettes Neuland. Entsprechend hoch sind die Erwartungen vor Beginn der Sitzung. Pfarrer Norbert Pomplun, Leiter der Entwicklungsphase im Pastoralen Raum Reinickendorf-Nord, steht bereits am Ende der Entwicklungsphase. Sein Pastoraler Raum wird Anfang 2017 als erster zu einer neuen Pfarrei verschmelzen. Da die beteiligten Pfarreien schon zu Prozessbeginn einen Pastoralverbund bildeten, starteten sie bereits 2014 in die Entwicklungsphase. Nun steht das Pastoralkonzept. Die neuen Gremien werden Ende November gewählt. „Wir waren bei sämtlichen Schritten des Pastoralen Prozesses immer die ersten, so dass vieles noch nicht eindeutig geregelt war“, blickt Pfarrer Pomplun auf die Entwicklungsphase zurück. Seine Erfahrungen machen ihn zu einem wichtigen Ansprechpartner im Austausch der Entwicklungsphasenleiter an diesem Nachmittag.

Pfarrer Alfredo Nava Mediavilla startet hingegen erst am 28. Oktober mit einem feierlichen Gottesdienst in die dreijährige Entwicklungsphase. Die beiden von ihm geleiteten Pfarreien St. Elisabeth Königs Wusterhausen und St. Antonius Eichwalde bilden künftig einen der, blickt man auf die Zahl der Katholiken, kleinsten Pastoralen Räume im Erzbistum. „Seit ich 2013 neben Königs Wusterhausen noch Eichwalde übernommen habe, sind beide Pfarreien bereits dabei, vieles gemeinsam zu gestalten“, berichtet er von einem regen Miteinander, von gemeinsamen Gremiensitzungen, einer gemeinsamen Internetseite, gemeinsamer Erstkommunionkatechese und Glaubensabenden. Von seinen Mitbrüdern und den Verantwortlichen des Erzbischöflichen Ordinariates erhofft er sich an diesem Mittag, Werkzeuge und Ideen, wie der Prozess freundlich und zukunftsweisend gestaltet werden kann. Neben Pfarrer Nava Mediavilla sitzt Pfarrer Andreas Sommer. Er leitet bereits seit März die Entwicklungsphase im Pastoralen Raum Stralsund – Rügen – Demmin. Pfarrer Sommer blickt positiv auf die ersten Schritte, sieht zugleich aber auch die Herausforderung in dem flächenmäßig größten Pastoralen Raum des Erzbistums binnen drei Jahren zu einem Ergebnis zu kommen. Er hat konkrete Fragen nach Berlin mitgebracht: „Wie definiert sich die Stellung des Pfarrvikars? Was sind seine Aufgaben? Hat er Sitz und Stimme im Kirchenvorstand?“ formuliert er und fragt weiter: „Wie nehmen andere Pfarrer ihre Pastoralteams im Pastoralen Prozess mit, von der Dienstbesprechung bis zur Planung, wie machen andere das?“

Msgr. Martin Pietsch, Leiter des Entwicklungsphase in Rüdersdorf – Erkner – Hoppegarten – Petershagen, zeigt sich zufrieden mit dem Start seines Pastoralen Raumes, der erst vor wenigen Tagen erfolgte. Er möchte an diesem Nachmittag daher zunächst einmal nur aufmerksam zuhören, wie andere in die Entwicklungsphase gefunden haben. Den Austausch unter den Leitern der Entwicklungsphasen hält er für notwendig. „Die Räume sind sehr unterschiedlich und es bedarf vor Ort ganz eigene Entwicklungen. Dabei ist es jedoch wichtig, dass man das Gemeinsame nicht aus dem Blick verliert.“ Pater Theo Wenzel, Leiter der Entwicklungsphase in Frankfurt (Oder) – Buckow-Müncheberg – Fürstenwalde hofft, von seinen Mitbrüdern mehr darüber zu erfahren, wie die Kommunikation unter den Pfarreien in den einzelnen Pastoralen Räumen sowie zwischen den Gremien organisiert werden kann. Er fragt sich: „Auf welche Weise organisieren wir Leiter der Entwicklungsphase unsere Präsenz in den einzelnen Pfarreien, in denen wir nicht als Pfarrer vor Ort sind?“ Den Erfahrungsaustausch unter den Leitern der Entwicklungsphase begrüßt er sehr und kann sich künftig zwei solcher Runden pro Jahr sehr gut vorstellen.